Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland
Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland

 

Mittwoch, 12. September - Skye, Culloden, Inverness

 

Am Mittwoch morgen, nach einer teilweise recht unbequemen Nacht - sorry Sabine, nicht böse sein, aber dass wir zwei Breitesten das Bett teilen, war keine so gute Idee. Meine Seite fiel zudem noch nach außen ab, so dass ich mich auf der Seite liegend verkeilte, um nicht raus zu purzeln. Aber auch diese Nacht ging zu Ende und wich allen schlechten Vorhersagen zum Trotz einem schönen sonnigen Morgen. Wir bekamen bei Ann ein üppiges Frühstück wie vorherbestellt, bei dem man wirklich satt werden konnte. Anscheinend hatte sie ihr Wohnzimmer des Morgens zum Frühstückszimmer umgebaut für die 3 Zimmer mit insgesamt 7 Gästen, die sie hatte – also voll belegt. Wir hatten uns mit Frühstücken und Abfahren Zeit lassen können; wenn wir wie geplant auf die Bootstour gegangen wären, hätten wir um halb 8 bereits losfahren müssen, aber nun war das (leider) nicht mehr nötig…

An diesem Morgen ließen wir zum ersten Mal Conny ans Steuer, die sich ja als zweite Fahrerin hatte eintragen lassen. Wir fuhren wieder Richtung Kyle of Lochalsh und hielten am gleichen Parkplatz wie am Vorabend, hoch über der Bucht, diesmal im schönsten Sonnenschein, mit tollem Blick Richtung Brücke und auf das kleine Dörfchen Kylearn, wo wir zu Abend gegessen hatten. Man hatte uns ja geraten, das Auto unten stehen zu lassen, auf die Mitte der Brücke hoch zu laufen – ca. 1 km – um Bilder in alle Richtungen zu machen, aber das machten wir dann doch nicht. Oben anhalten ging auch nicht, ist streng verboten und Fotografieren wegen des hohen Geländers leider nicht so der Brüller. Also waren wir wieder auf unserer Sehnsuchtsinsel, in ganz Schottland und darüber hinaus wohl bekannt.

Wir genossen die weiterhin schöne Aussicht, mal links, mal rechts der Straße und hielten immer wieder an, um die sich verändernde Landschaft und auch das Licht festzuhalten, mittlerweile war es teilweise auch etwas wolkig und diesig, welches wunderbare Lichtspiele in den Buchten erzeugte.

Unser erstes Ziel des Tages war Armadale Castle, gelegen auf einer Landzunge im äußersten Süden von Skye, eines der drei berühmten Castles des Clans MacDonald, der früher nicht Skye, sondern die Küste um den Loch beherrscht hatte. Die anderen beiden Burgen sind nur noch kaum erkennbare Ruinen, aber Armadale ist mit Abstand das schönste und bekannteste Castle, auch wenn es mir vor unserer Reise kein Begriff war und ich hatte in der Vergangenheit auch ausführlich gegoogelt, was es auf Skye so gibt. Aber ich bin immer wieder gerne bereit, eine Bildungslücke zu schließen!

Wir zahlten unseren Eintritt im Giftshop und fanden bereits die ersten Mitbringsel, z.B. ein T-Shirt für meinen Mann, welches ich aber erstmal zurücklegen ließ, damit ich es nicht die ganze Zeit mit mir rumtragen musste. Zum Castle, welches nur noch eine Ruine und abgesperrt ist, direkt am Meer, gehört ein wunderschöner tropischer Garten, welchen wir mit Hilfe einer Karte erkundeten. Nordwestschottland und damit auch Skye liegt am Golfstrom und hat damit ein relativ mildes Klima, trotzdem sehr überraschend. Über die Vielfalt der Pflanzen, die oftmals noch in voller Blüte standen, haben wir dann doch oft gestaunt, diese hätten wir dort nicht erwartet. Ganz am Anfang ein paar riesige alte Bäume, darunter ein Mammutbaum, hier mal mit Karin davor zur Verdeutlichung der Dimensionen. Weiter hinten der Staudengarten in einer bunten Vielfalt, einfach zum Sattsehen.

Dann fanden wir im hinteren Bereich das Insel-Museum, welches auch einen sehr schönen Giftshop hatte und wo wir Headsets für den Rundgang bekamen. Es begann mit einer Geschichte über die frühzeitliche Besiedlung und die Besonderheiten der Insel und das oftmals entbehrungsreiche Leben. Lustig war gleich mal, dass die männliche deutsche Stimme einen hinreißenden österreichischen Akzent hatte, das hatten wir sonst auch noch nirgends erlebt. Es ging irgendwann in die Jakobitischen Kriege über und die Geschichte um Bonnie Prince Charlie, welcher über Skye geflohen war, in die Geschichte nach dem verlorenen Krieg, später Hungersnöte und die Auswanderungswelle in die Neue Welt. Mit Modellen wurde die geringe Fläche dargestellt, die eine Auswandererfamilie auf einem Schiff zur Verfügung hatte: 6 Fuß auf 4 Fuß, also etwa 1,80 x 1,20 Meter, für die ganze Familie. Verpflegung musste man selbst mitbringen. Nahezu unvorstellbar für uns heutzutage, es läuft einem kalt den Rücken runter, auch wenn man sich vorstellt, wieviele diese Tortur nicht überlebten.

Im Giftshop erstand ich noch zwei leckere Seifen für meinen Mann und Conny war fasziniert vom angeboten Silberschmuck. Gegen 12 Uhr, zur vereinbarten Abfahrtszeit, damit wir rechtzeitig auf Culloden ankämen, parkten gerade zwei große Busse auf dem Parkplatz ein, also waren wir glücklicherweise mal wieder dem größten Ansturm zuvor gekommen. Conny fuhr uns die gleiche Strecke zurück Richtung Brücke aufs Festland. Auf der Hauptstraße wenige Meilen davor kam plötzlich der Verkehr ins Stocken und zum Stillstand. Wir warteten eine Weile, notgedrungen, es ging auch immer mal wieder ein Stückchen vorwärts, aber wir merkten bald dass immer nur die Lücken aufgefüllt wurden von Fahrzeugen, die aus der Schlange ausscherten und rumdrehten. Eins dieser Autos hielt neben uns an und die Fahrerin berichtete von einem Unfall weiter vorne. Nun, auch wir erörterten unsere Möglichkeiten. Um 4 spätestens sollten wir in Culloden sein, um dort die letzte Tour des Tages zu erwischen, Fahrzeit bis dahin noch über zwei Stunden. Den Unfall seitlich umfahren ging nicht, zu dieser Hauptstraße gibt es an dieser Stelle keine parallele Alternative mehr bis zur Brücke. Die Fähren lagen deutlich hinter uns und würden uns an weit südlicheren Stellen ans Festland bringen, so dass wir nochmals einen weiten Umweg vor uns hätten und Culloden auch kaum rechtzeitig erreichen könnten. Also beschlossen wir, vorerst zu warten und auf eine baldige Weiterfahrt zu hoffen, als mehrere Krankenwagen und auch ein Notarzt von hinten an uns vorbeifuhren. Wir hofften mal, dass dieses Nadelöhr bald geräumt werden würde, wussten aber auch, dass die Versorgung der Unfallbeteiligten Priorität hätte. Für mich stand fest, welche Unannehmlichkeiten wir auch gerade hätten, den Leuten da vorne ging es momentan sicher viel schlechter. Viel zu essen hatten wir aber nicht mehr dabei, also stiegen zuerst Sabine und dann ich aus, um an den Sträuchern neben der Straße wilde Brombeeren zu zupfen – überaus lecker. Als wir wieder ein paar Meter vorgekommen waren, beschlossen wir, dass man mal nachschauen könnte, was vorne los war und wie weit weg überhaupt. Also machte sich Karin zu Fuß auf den Weg nach vorne, wir wollten per Handy in Verbindung bleiben. Ich stieg nochmal aus zum Brombeeren zupfen und machte zwei Schritte zur Seite, übersah aber durch die dichte Vegetation eine Vertiefung im Boden und sank gleichmal bis zum Knie ein und da es abschüssig war, hatte ich größte Mühe, nicht vornüber ins Brombeergestrüpp zu fallen oder mir den feststeckenden Fuß zu brechen. Schließlich konnte ich an der Autotür Halt finden und mich langsam wieder hochziehen, sodass ich mit ein paar Kratzern und Dornen davon kam. Wir hörten von Karin, dass an der letzten T-Kreuzung Richtung kleiner Fähre ein Unfall passiert war und die Rettungs- und Aufräumarbeiten im vollen Gange. Karin machte sich auf den Weg zurück zu unserem Auto. Eine ganze Weile später merkte Christina, dass Karin wohl versehentlich an unserem Auto vorbei gelaufen war, man rief ihr hinterher, aber sie hörte offenbar nichts. Wir versuchten sie anzurufen und schrieben per Whatsapp, aber keine Reaktion. Schließlich setzte der Verkehr sich langsam wieder in Bewegung – immer noch keine Karin in Sicht. Conny fuhr den Wagen halb auf den Straßenrand, wir konnten ja schlecht ohne Karin weiterfahren. Etliche Autos und auch LKW fuhren an uns vorbei und der Verkehr stockte wieder. Endlich erreichte Karin unser Auto und wir waren alle sehr erleichtert, aber auch besorgt, als wir hörten, dass sie sich auf dem Weg von hinten vor zu uns komplett auf die Straße gelegt hatte, wohl über eine Unebenheit gestolpert, ihre linke Seite war böse geprellt und tat ihr ziemlich weh, blutig war es glücklicherweise wohl kaum. Wir konnten unsere Reise fortsetzen und kamen auch an der Unfallstelle vorbei, glücklich, dass uns dieses Schicksal an diesem Tag erspart geblieben war. Hinter Balmacara nahmen wir dann die nördliche Route über die A 890 Richtung Inverness, die südliche hatten wir schließlich am Vortag genommen und wir waren uns einig, dass wir um der Abwechslung willen die landschaftlich schöne, wenn auch etwas langsamere Strecke fahren wollten. Die Straße führte gleich mal steil bergan und wir hatten sofort 2 Lkw vor uns, die wir aber nach einer Weile überholen konnten. Die Strecke wurde bald schmaler, kurviger und führte über teils geschotterte oder -zigmal geflickte Pisten und war manchmal so eng und kurvig, dass zwei Lkw Mühe hätten, aneinander vorbei zu kommen. Wir wollten den Aussichtspunkt erreichen, wo man über das Loch Carron am gegenüberliegenden Ufer Strome Castle erkennen würde, aber den verpassten wir wohl und fuhren weiter, vor uns immer noch das gleiche Wohnmobil wie seit Meilen schon. Irgendwann merkten wir, dass es mit dem eigentlich geplanten kurzen Stopp in Beauly, dem alten Stammsitz der Frasers, wo wir die Ruine der Abtei besuchen wollten, doch etwas knapp wurde und wir wählten an der nächsten Kreuzung die kürzere Route Richtung Culloden. Ich rief sicherheitshalber dort an und machte die Führung für uns klar, man sagte mir ich solle gleich zum Tresen kommen, eigentlich möchte man, dass die Leute sich spätestens eine halbe Stunde vor der Tour anmelden, aber das war nicht mehr zu schaffen.

Schließlich erreichen wir Viertel vor 4 den Parkplatz von Culloden Moor, etwa 5 Meilen hinter Inverness hoch am Berg auf einer Hochebene. Wir nahmen gleich mal wieder einen Behindertenparkplatz nahe des Eingangs (ich habe den ernsthaften Eindruck, dass dies in GB so gut wie nie kontrolliert wird) und obwohl wir alle dringend auf Toilette mussten, ging ich erstmal Eintritt und Führung für alle bezahlen, das war einfach wichtiger. So trafen wir uns nach ein paar Minuten nahe des hinteren Ausgangs und trafen unseren Führer, der uns anschaulich und eindringlich die Geschichte vor, während und nach der blutigen Schlacht von Culloden nahe brachte. Einmal mehr brachte erklärte man uns, dass es in dieser vielleicht kleinen, ganz sicher aber wichtigsten Schlacht nicht um Schotten gegen Engländer ging, denn es gab Schotten auf Seiten der Engländer und umgekehrt, auch nicht Lowlands gegen Highlands, denn die gab es ebenfalls auf beiden Seiten, es waren auch hauptsächlich nur 5 Highlandclans unter den Revolutionären, obwohl später alle mit bestraft wurden, es waren auch nicht Protestanten gegen Katholiken, obwohl dies der Sache schon etwas näher kam, es ging schlicht und einfach um die Frage des rechtmäßigen Königs. 1688 wurde König Jakob II von Großbritannien, seines Zeichens Katholik, vom Parlament abgesetzt, das beschlossen hatte, dass nur noch ein Protestant König des Vereinten Königsreichs sein dürfe. Nach einem kurzen Umweg über Herzog Wilhelm von Oranien, der eine Invasion anführte und Queen Anne, die letzte aus dem Hause Stuart, musste man in der Thronfolge bis zum Platz 56 gehen, um einen Protestanten zu finden und landete bei Georg von Hannover, der als König Georg I. in die Geschichte einging. Die Anhänger Jakobs, die sogenannten Jakobiten unterlagen in allen darauf folgende Aufständen, so auch Charles Edward Stuart, genannt Bonnie Prince Charlie, der sich berufen fühlte, für seinen Vater, ebenfall James = Jakob und Sohn des entmachteten Königs, die britische Krone zurück zu erlangen. So in etwa geht die abgekürzte Form der Geschichte, die man gerne an anderer Stelle ausführlich nachlesen darf. Jedoch war nicht die Schlacht das Wichtigste, die von vornherein zum Scheitern verurteilt war und nur 12 bis 15 Minuten dauerte, sondern was danach kam, nicht weniger als ein Genozid am schottischen Volk. Sprache, Kultur und Menschenleben wurden verfolgt und systematisch ausgerottet, mit dem Ergebnis, das heute nur noch etwa 50 – 70.000 Menschen Gälisch sprechen, glücklicherweise mit steigender Tendenz.

Die Gedenksteine, die dort oben auf der Hochebene stehen, wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts aufgestellt, als ein wohlhabender Geschäftsmann aus Inverness das Gelände erwarb, um es zu bewahren, und sie markieren keineswegs die Begräbnisstätten der jeweiligen Clans. Es stehen auch nicht explizit für alle Clans Steine, manche sind auch einfach markiert mit „Mixed Clans“ und weiter unten steht einer für die Engländer, die in dieser Schlacht gefallen sind, nicht zu Unrecht, wie ich finde, niemand hatte es verdient, an diesem Tag zu sterben. Außer vielleicht ein gewisser Dudley Bradstreet, ein englischer Doppelagent in den Reihen der Highlandarmee und die anmaßende Führungsriege der Adligen, die getrieben von Hochmut, Ehrgeiz und geschwächt von schlechtem Essen und Skorbut (wirkt sich nachweislich auch auf die Hirnleistung aus) die verhängnisvolle Entscheidung für die Schlacht an diesem Tag und Ort getroffen hatte.

Nach der Führung schauten wir uns noch innen die Ausstellung an, wo auf mancherlei Weise anschaulich die Entwicklung und der Schlachtverlauf dokumentiert wird. Nach einem Besuch im Giftshop, kurz vor Ende der Öffnungszeit, machten wir uns auf in die Nachbarschaft, denn ich wollte meinen Mädels noch einen echten Steinkreis zeigen.

Nur gut eine Meile nordöstlich von Culloden Moor, erreichbar über ein kleines Sträßchen und eine alte Brücke („weak bridge“) liegt Clava Cairns, eine uralte Gedenkstätte aus vorgeschichtlicher Zeit, man schätzt mindestens 3000 Jahre alt. Es handelt sich um 3 Cairns = große, kreisförmige Steinhaufen, diese mit einem seitlichen Eingang und einem kleinen kreisförmigen Raum in der Mitte, so dass man hineinlaufen kann. Außenrum stehen unterschiedliche große Steine in großen Kreisen drumrum, einer davon sieht dem magischen Stein ähnlich, wie wir uns ihn vorstellen. Ich war bereits zum dritten Mal dort und empfinde es jedes Mal mit Ehrfurcht wieder als einen magischen Ort.

Danach, es war schon bald halb 7, waren wir verabredet mit der Vermieterin unseres Apartments für die Nacht, welches hieß „Miller Apartments“. Es liegt in einem Wohngebiet, wo die Straße und alle ihre Abzweigungen „Miller Street“ heißen. Sehr sinnig also. Wir hatten unseren eigenen Parkplatz und richteten uns für eine Nacht häuslich ein. Leider war die erwähnte Ausziehcouch im Wohnzimmer nicht so praktisch wie die in Glasgow und auch nicht für 1, sondern für 2 Personen gedacht. Also teilte ich sie mir mit Conny und ließ den Anderen die größeren Betten in den Zimmern. Wir hatten unsere Vermieterin auch über Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants zum Abendessen ausgefragt, sie meinte der kürzeste Weg zu Fuß sei über den Rasen (der sich aufgrund der Hügel als anstrengender als gedacht erwies) und über die Ampel zu Dow’s Restaurant, welches wir dann aufsuchten. Schon der Eingang, quasi einmal ganz außenrum, war schwer zu finden, das Lokal nicht übermäßig modern eingerichtet, aber wir hatten Vertrauen in die Empfehlung. Nun, wir haben nicht so schlecht gegessen, aber auch nicht besonders gut, unser Garnelencocktail war mit kleinen Nordseekrabben im Stile der 80er Jahre, Sabines Steak war nicht richtig zubereitet, aber wenigstens bekam sie sofort Ersatz. Naja, satt aber mit dem Gefühl, dass man da nicht nochmal hin müsste, gingen wir zu Bett und freuten uns auf den nächsten Tag.

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© Daniela Biela