Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland
Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland

Sonntag 12.09.2021

 

Am Sonntag morgen war es Zeit für uns, Abschied zu nehmen von unserem Cottage im Westen Irlands und weiter zu ziehen Richtung Norden. Also beluden wir wieder unser Auto und mein Koffer wurde auf der Rückbank wieder der Reisegefährte von Karin. Natürlich verabschiedeten wir uns noch von unserem tollen Verwalter Steven, auch wenn dies wegen des Schlüssels nicht nötig gewesen wäre, denn den lässt man dort in der Gegend einfach innen stecken. Stevens Häuschen war einfach ein Hingucker und leuchtete strahlend hellblau in der Sonntagmorgensonne. Wir erzählten ihm noch von der On-Off-Birne in der Flurlampe und er konnte es einfach nicht fassen. Sicher gebe es immer mal wieder was zu reparieren in einem Haus, das sei schließlich Irlands Westen, aber diese geballte Ladung Pannen wie mit uns, das habe er noch nie gehabt. Wir versicherten ihm, dass es nicht schlimm gewesen war und wir das alles mit Fassung und Humor trugen. Wir waren eigentlich immer gespannt - und was kommt jetzt als nächstes???

Unterwegs hielten wir nochmal an einer Parkbucht an und machten ein paar schöne Landschaftsaufnahmen, auch von "unserem" See Lough Mask.

Unser erstes Hauptziel des Tages auf der Fahrt nach Norden war die Region um die Stadt Sligo. Ein Küstenstadt wie so viele, aber eine besondere. Hier liegt auf einem Berg vor der Stadt, in einem Hügelgrab, die sagenhafte Queen Maeve begraben und dort wollten wir hin. Von weitem haben wir das Steingrab oben noch gesehen (leider nicht fotografiert), dann sah man es nicht mehr, dafür hatten wir eine tolle Aussicht über die Region. Auf dem Wanderparkplatz gab es auch einen Imbisswagen, wo wir mit Informationen versorgt wurden, auch über die Grenze zu Nordirland, aber weiter den Berg hinauf ging es nur zu Fuß. Wir hatten für den zweistündigen Anstieg weder die Zeit noch die Ausrüstung oder Kondition, aber ein Stückchen wanderten Conny und ich schon noch aufwärts. Der Weg ist sehr speziell, lauter unterschiedliche Steine, man musste wirklich jeden Schritt gezielt überlegen und setzen, was es sehr anstrengend machte.

In der Stadt Sligo suchten wir die Sligo Abbey, die Ruine einer Kathedrale. Wir fanden einen Parkplatz direkt am Straßenrand, aber leider war die Ruine eingezäunt, so dass wir nur durch den Zaun fotografieren konnten.

Ein paar Meter weiter auf einem kleinen Parkplatz fanden wir noch das Monument The Famine Family, das Denkmal für die Hungersnot in Irland.

Ich hatte die Wasserfälle von Glencar auf meine Liste gepackt, weil es auf dem Weg nach Norden nur einen kleinen Umweg bedeutete. Karin entdeckte in ihrem Reiseführer noch die Burg Parke's Castle und wir überlegten, welches von beiden wir strategisch günstiger zuerst anfahren sollten, weil sie hinterher noch gerne zu den Cliffs of Magho fahren wollte. Diese lagen bereits in Nordirland. In der Region nördlich von Sligo bei Ballyshannon ist der Staat Irland ganz schmal, wenn man auf die Landkarte schaut, sind es nur wenige Kilometer, weil hier Nordirland seine größte Breite hat. Wir entschieden uns, die Burg zuerst zu besuchen. Die Strecke war kurvig, aber schön und führte lange am Lough Gill entlang, dem See, an dem Parke's Castle liegt. Leider war auch dieses teilweise außen eingerüstet, aber der Rest sehr schön. Wir fanden direkt einen Parkplatz und der Eintritt war kostenlos ebenso wie eine Erklärung eines dortigen Angestellten.

Die Burg war ursprünglich ein Turmhaus der irischen O'Rourkes. Im Kriegsjahr 1588 (Spanien, Armada) gewährte der Hausherr einem spanischen schiffbrüchigen Kapitän Unterschlupf. Die Engländer hörten  später davon und ließen das Turmhaus zerstören. Der Hausherr floh nach Schottland, wurde aber ausgeliefert und hingerichtet. Der Engländer Robert Parke errichtete im 17. Jahrhundert auf den Trümmern diese Burg mit fünfeckigen Außenmauern und einem dreistöckigen Herrenhaus. Leider konnten wir nicht rein, es soll innen sehr schön sein, auch mit einem riesigen Tanzsaal. Heute ist das Gebäude in staatlichem Besitz.

Weiter ging es übers Land. Schönstes Wetter begleitete uns und wir bogen ab talwärts nach Glencar zum Wasserfall. Der Parkplatz war relativ voll. Von dort aus war es ein kurzer Spaziergang an einem kleinen Bach entlang zum kleinen unteren und oberen Wasserfall. Wir waren fast allein dort und es war einfach wunderschön.

Auf dem weiteren Weg nach Donegal wollten wir noch zu den Cliffs of Magho, einem 9 Kilometer langen Steilhang über dem See Lower Lough Erne, von wo aus man einen grandiosen Ausblick haben sollte. Auf halber Strecke überquerten wir die Grenze nach Nordirland, genauso unspektakulär, wie man es uns zuvor versichert hatte. Ich hatte mir zuvor wahnsinnige Sorgen gemacht - mussten wir eine Online-Anmeldung zur Einreise nach Großbritannien ausfüllen? Ein Zertifikat vorzeigen? Womöglich doch einen oder mehrere Tests vorweisen? Würden wir angehalten und bei Nichteinhaltung der Bedingungen zu einer saftigen Strafe verdonnert wie online angedroht? Nichts dergleichen. Die Grenze zwischen Irland und Nordirland ist eine absolut offene Grenze. Viele Anwohner überqueren sie mehrmals täglich ohne Probleme. Woran wir merkten, dass wir plötzlich in einem anderen Staat waren? An aufgestellten Schildern oder gar Grenzposten jedenfalls nicht. Es war mitten im Wald und wir sahen es nur auf dem Bildschirm des Handys. Erst später im nächsten Ort sahen die Schilder etwas anders aus und mein Navi (im Handy) zählte plötzlich in Meilen statt in Kilometern, aber das war auch schon alles.

Unterwegs auf einer schmalen Straße (wir hatten ja schon einige unangenehme Erfahrungen mit freilaufenden Hunden gemacht, also eigentlich eher mit unbekümmerten und unbelehrbaren Besitzern von freilaufenden Hunden) lief ein Hund vor uns, wegen dem ich runter vom Gas musste und ich beklagte mich, darauf Karin: "Dann fahr ihn halt um!" Ich meinte "da wird sich die Frau (daneben) wohl darüber beschweren", dazu Karin: "dann fahr sie halt auch um!"

Ab einer kleinen Abzweigung, die wir fast verpasst hätten, ging es über eine einspurige schmale Straße bergauf, bergab, über riesige Schlaglöcher und steile Hänge und es wurde uns immer mulmiger zumute. Etwa einen Kilometer vor dem angezeigten Ziel dann das - die Straße war provisorisch abgesperrt, Privatbesitz, Durchfahrt verweigert und ausdrücklich kein Zugang zum Kliff. Wir waren mehr als frustriert, diese ganze Strapaze für uns und unser Auto, und das alles umsonst??? Doch es blieb uns nichts anderes übrig als umzudrehen und die ganze Strecke zurück zu fahen. Wir fanden dann die Hauptstraße am See entlang und nun sahen wir sie wenigstens von unten - die Cliffs of Magho!

Nun waren wir endlich in Donegal, einem hübschen kleinen Küstenstädtchen, was gleich mehrere Sehenswürdigkeiten aufweist. Zunächst fanden wir die Burg Donegal Castle in der Stadtmitte und einen Parkplatz gleich dahinter nach einer Brücke. Der Eintritt war glücklicherweise mal wieder kostenlos und es waren außer uns auch nur wenige Leute dort.

Einer der freundlichen Guides zeigte uns den Weg Richtung Klosterruine und da es nur wenige Minuten waren, ließen wir unser Auto stehen und gingen zu Fuß. Gleich neben der Burg gab es eine hübsche Kirche und einen Pub.

Daneben eine große Kreuzung mit einem Platz in der Mitte sowie einem Obelisken namens The Four Masters.

Und nur 500 Meter weiter stand die Ruine und der Friedhof der Donegal Friary. Ein ehemaliges Franziskanerkloster, welches 1601 im Zuge der Reformation zerstört wurde.

Gleich daneben an der Flussmündung - natürlich war mal wieder Ebbe - stand das Denkmal für Aodh Ruadh Ó Domhnaill, auf englisch Hugh Roe O'Donnell, dem irischen Adligen, der das Kloster gegründet hat.

Wir machen noch Station in einem Lidl, um unsere Frühstücks-Vorräte wieder aufzufüllen, dann ging es endlich nach Letterkenny, wo unser Ferienhaus in der Nähe lag. Wir merkten schnell, dies war eine weitaus größere Stadt als wir es in den letzten Tagen gesehen hatten. Wir mussten einmal komplett durch, mit Stau, dann führte uns das Navi stadtauswärts und steil bergan in eine Landschaft gemischt aus Wald und Heide, die immer einsamer wurde und immer weiter ging es bergan, sogar an einer ausgebrannten Ruine eines Hauses vorbei. Endlich erreichten wir das einsam gelegene, große Haus, wo uns der Sohn des Gastwirts empfing und alles zeigte. Wir hatten das ganze große Doppelhaus für uns, mit großen Räumen, relativ modern eingerichtet, aber auch hier fehlten Haken und Schränke und das Bad erinnerte eher an eine Klinik, die Dusche war offen mit nur einer aufgestellten mobilen Abtrennung am Boden. Wir ließen uns noch Tipps fürs Abendessen geben und reservierten dann einen Tisch im Station House Hotel. Kein Nobel-Restaurant wie wir befürchtet hatten, aber sehr gute Küche zum normalen Preis. Es war auch nicht überfüllt und hat uns dort gut gefallen.

Danach wollten wir unbedingt noch in einen Pub und fuhren wie üblich nach Navi. Mir fiel auf, dass die Entfernungsangabe irgendwie nicht stimmte und ich meinte: "Eben waren es noch 600 Meter bis zur Bar, nun sind es 700...??" Darauf Karin trocken: "Das macht die Erdumdrehung!"

Kurz darauf fanden wir McCafferty's in der Ortsmitte und einen Parkplatz schräg gegenüber. Ein richtiger uriger, alter Pub mit Live-Musik und viel, viel Platz. Die Cocktails waren lecker, die Bedienung nett und hat auch mal ein Gruppenbild von uns gemacht. Der Heimweg dann hoch in die Berge und die Orientierung im Stockdunkeln war dann nochmal ein kleines Abenteuer.

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© Daniela Biela