Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland
Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland

September 2015

Donnerstag - ab Gondelsheim

Abflug Donnerstag Abend spät von Frankfurt Hahn, ich habe mich von meiner jüngeren Tochter fahren lassen (danke!). Die Landung in Edinburgh ist erst nach 22 Uhr, es ist schon längst dunkel, mein Mietwagen steht nicht wie erwartet am Mietwagencenter, was auch schon ein schöner Fußmarsch war nach einem langen Tag, sondern mein Mietwagenanbieter ist noch weiter außerhalb, ich muss mir erst den richtigen Shuttlebus suchen, der mich hinbringt. Glücklicherweise fährt auch um diese späte Zeit noch einer. Bis ich mein Auto habe ist fast halb 12. Ein kleiner Nissan Mute, mit Navi und Automatik wie bestellt, perfekt für meine Zwecke. Ist einfach bequemer, wenn man nicht mit der ungewohnten linken Hand schalten muss und sich ganz auf das zunächst noch fremde Auto und vor allem den Linksverkehr konzentrieren kann. Die PLZ fürs Hotel, das Youth Hostel in Edinburgh eingeben und los.

Hier mal ein Tipp vorweg: Großbritannien hat tolle Postleitzahlen, bestehend aus Zahlen und Buchstaben und diese sind sehr viel genauer als bei uns. Natürlich kann das Navi auch mit Ort, Straße und Hausnummer arbeiten, aber ein 6-7stelliger Code ist sehr viel schneller eingetippt und führt fast immer genau zu dem Gebäude, zu dem man will, nicht wie bei uns nur in den Ort oder Stadtteil. Also, Ihr Lieben, am Besten vorher zu Hause für alle Eure Ziele den Postcode raussuchen, auf eine Liste und zack – eintippen. Super!

 

Freitag - ab Edinburgh

Mein Tank ist leer und ich muss erst mal tanken. Die Fahrt rein in die Stadt dauert ca. 30 Minuten und es ist kurz nach 12, als ich beim Youth Hostel einen Parkplatz suche. Es liegt direkt an der Ecke einer Hauptstraße, dort gibt es keinen eigenen Parkplatz, nur welche an der Seitenstraße, wo man bis morgens um 8 kostenlos parken darf. Ok, das wird mir reichen, ich will eh früh los.  Man sollte im Hotel übrigens auch unbedingt vorher Bescheid sagen, wenn man so spät eintrifft, damit die Reservierung nicht gecancelt wird. Ich habe eine günstige Variante gewählt mit einem 6er-Zimmer, da die Nacht nur kurz sein wird und dafür wollte ich kein teures Hotelzimmer bezahlen, von dem ich nicht viel habe. Es sind 3 Stockbetten drin, in dem unteren am Fenster schläft schon jemand, ein anderes Stockbett ist belegt von 2 Damen, die aber noch unterwegs sind und da ich nicht oben schlafen will, nehme ich mir das untere gegenüber. Leider liegt die Andere mit ihrem Bett genau vorm Fenster, das sie gekippt gelassen hat und es wird die restliche Nacht über immer kühler. Ich schlafe angezogen und friere trotzdem ziemlich. Ist halt schon September, da sind die Nächte kühler. Kein besonders guter Schlaf, auch die beiden Spätheimkehrer wecken mich nochmal.

Nicht wirklich ausgeschlafen gehe ich als Erste duschen und frühstücken, damit ich möglichst viel vom Tag habe. Das Frühstück ist genauso gut und abwechslungsreich wie in einem „normalen“ Hotel, trotzdem, ein 6er-Zimmer werde ich wohl nicht mehr buchen.

Meine Reiseroute für den Tag habe ich beim Frühstück nochmal gecheckt, jetzt wird das Navi programmiert und vorsichtig durch den frühmorgendlichen Berufsverkehr in Edinburgh navigiert, ist ja nicht nur die Rushhour, sondern auch der Linksverkehr, aber das gibt sich relativ bald. Es hilft, bei der Zufahrt auf eine Kreuzung oder einen Kreisverkehr wie ein Mantra aufzusagen: Links, Daniela, links! Als Hauptrichtung für den heutigen Tag habe ich Eilean Donan Castle hoch oben im Nordwesten an der Küste, doch erstmal Castle Doune, welches beim Drehen für Castle Leoch stand. Unterwegs komme ich an zwei riesigen silbernen Pferdeköpfen vorbei, die in der Nähe von Falkirk direkt an der Autobahn stehen. Später mache ich mich schlau, das sind die 30 Meter hohen „Kelpies“, die in einem Park rechts und links eines Kanals stehen und diesen bewachen, wie „Wassergeister“ (schottisch: Kelpies) das nunmal tun.

Bis Castle Doune ist es nicht mehr weit, es liegt fast direkt an einer Hauptstraße und ist gut ausgeschildert. Der Parkplatz reicht an guten Tagen bei weitem nicht, trotzdem finde ich ein schattiges Plätzchen. Der Anblick ist eigentlich genauso, wie man es kennt, auch viele Außenaufnahmen wurden hier gedreht. Man kann einmal ganz außen rum laufen, direkt an den hohen, sehr imposanten Mauern entlang.

Leider habe ich keine Zeit für eine Führung und schaue mir die Burg heute nur von außen an und in den Souvenirshop. Hier wie in fast allen schottischen Burgen und Schlössern, die ich später noch besucht habe, hat Outlander Einzug gehalten, sowohl mit den Büchern als auch mit Fanartikeln, Schals, T-Shirts und vieles, vieles mehr.

Weiter geht es auf der A84, A85 und A82 nach Nordwesten und immer, wenn ich eine schöne Aussicht und die Möglichkeit habe, halte ich kurz an und schaue mich um. Hierbei entdecke ich neben einem Parkplatz die ersten Highlandrinder und einen ganzen Bus voller australischer Touristen, Mann, die hatten vielleicht eine lange Anreise!

Immer weiter nordwestlich an vielen kleinen und größeren Lochs vorbei (Loch bedeutet einfach „See“), eigentlich ist immer irgendwo Wasser. Unterwegs sehe ich die Wasserfälle von Killin,

fahre über einen Pass bei Beinn Dorain mit Blick auf Loch Tulia

und dann kurz nach Fort William. Ja, ich bin mir bewusst, das hat mit "Fort William" aus der TV-Serie nichts zu tun, aber Diana Gabaldon hat wohl hier einfach den Namen gefunden. Aber Fort William ist auch eine besondere Stadt, liegt direkt am tektonischen Graben, der sich schräg durch Schottland zieht und der von oben aussieht, als hätte man hier mit schlechtem Kleber was angesetzt. So zieht sich eine Kette von Lochs vom Moray Firth über Loch Ness, Loch Lochy, Loch Linnhe bis zum Firth of Lorn. Fort William liegt quasi auf Meereshöhe und doch liegt direkt daneben Ben Nevis, der mit 1344 Metern nicht nur höchste Berg von Schottland, sondern von ganz Großbritannien.Ist also ein ganz schöner Aufstieg, der durch keine Zufahrt oder Seilbahn erleichtert wird. Nur zu Fuß geht's rauf. Mal sehen, ob ich das in diesem Leben noch schaffe!

Auf einem anderen Pass auf einem Parkplatz an der A87 oberhalb von Loch Garry zahllose kleine Steinmännchen, soweit das Auge reicht, ich bin sprachlos genauso wie ein junges Pärchen aus Australien.

 

Auf der A87 wird die Landschaft rauer und einsamer. Es stehen nicht mehr so viele Bäume und die Landschaft wird felsiger, die Berge höher. Dazwischen immer mal wieder eine kleine Straße wie die hier mit der kleinen, uralten Brücke. Irgendwann kommt auch praktisch keine Ortschaft mehr, nur dann und wann ein einzelnes Haus, nur noch Kurven, Landschaft und immer mal wieder ein Wasserfall rechts und links . Es zieht sich Meile um Meile, Kurve um Kurve, ist leicht diesig und trüb, das einzige bisschen Regen, das ich in 5 Tagen hatte, aber trotzdem, bis plötzlich nach einer Kurve am Loch Duich die Aussicht aufklappt und ganz weit wird. Passend dazu bricht die Sonne heraus und die Landschaft sieht aus wie verzaubert. Das hat mich tief bewegt.

Nur noch ein kleines Stück, dann bin ich endlich am Eileann Donan Castle bei Dornie. Auf den meisten mir bekannten Fotos steht die Burg im Wasser. Bei mir ist natürlich Ebbe und es riecht streng nach Meer und Seetang. Es ist schon gegen 16 Uhr und nur noch bis 17 Uhr geöffnet. Führung gibt es keine, aber man darf frei herumlaufen und überall sind Tafeln mit Erklärungen. Alles ist voll eingerichtet, als ob noch jemand drin wohnen würde. Teilweise stehen auch Figuren, die das damalige Leben veranschaulichen, auch die Küche z.B. ist mit Gerätschaften und Deko-Lebensmitteln komplett eingerichtet. Dieser Besuch lohnt sich auf jeden Fall und in einer knappen Stunde kann man alles in Ruhe anschauen.

Ich fahre noch ein bisschen die Straße weiter bis zur großen Brücke Richtung Insel Skye, aber dafür reicht die Zeit diesmal nicht (kommt in 2016 und 2017 dran), weil ich heute noch bis Inverness kommen will. Es geht den ganzen langen, endlos kurvigen Weg zurück ich an die Kreuzung A87/A887 nach Invermorriston komme und spontan stoppe um einen Anhalter mit Rucksack mitzunehmen. Ich muss erst mal den Beifahrersitz freischaufeln, weil der (wie immer wenn ich allein unterwegs bin) mit allem Notwendigen in Reichweite bestückt ist, Handy, etwas zu Essen, Papiere, Handtasche usw. und noch Wasser im Fußraum, alles muss weg, dann kann Denis endlich einsteigen. Er ist ein Student von der Isle of Skye, leider sprach er gar kein Gälisch, hätte gerne mal ein paar Brocken an ihm ausprobiert. War aber ganz nett, ein Stück weit jemand dabei zu haben. Vorbei ging die Fahrt an Loch Ness, wo ich zumindest für ein Foto kurz anhalten musste, zum Zentrum von Inverness, dort habe ich ihn rausgelassen.

An einem Tesco (großer Supermarkt) am Ortsrand habe ich mich noch mit dem Nötigsten für unterwegs eingedeckt, das heißt bei mir Brot/Baguette, Wurst/Putenbrust und Käse, Trauben, Äpfel, Studentenfutter oder Ähnliches sowie Wasser im Großpack. Damit kommt man locker über mehrere Tage und muss nicht anhalten zum Mittagessen.

 

Nun wollte ich unbedingt noch in das oberhalb von Inverness gelegene Culloden Moor aufmachen, aber als ich dort ankam, war leider schon halb 7 und geschlossen, darum wurde das notgedrungen auf nächsten Morgen vertagt. Mist, eigentlich wollte ich am nächsten Morgen gleich wieder weiter, damit ich mehr Zeit habe, aber daraus wurde nichts. Culloden Moor ist ein Muss für jeden Outlander-Reisenden. Also Hotel suchen, vorgebucht war keines und gut so, ich hätte nicht sagen können, wo dieser Tag für mich endet. Die ersten beiden Motels, die ich anfuhr, waren leider voll, dann fand ich was in einem Hotel älteren Datums am östlichen Ortsrand, das Zimmer war eigentlich ganz ok mit zwei Einzelbetten (eins für meinen Koffer!). Im angeschlossenen Pub gab's Abendessen, dort im TV lief Fußball EM-Qualifikation Schottland gegen Schweiz. Schottland hat an diesem Abend 0:2 verloren, aber die Leute dort trugen es mit Fassung, sie hatten die Quali bereits abgehakt. Nach dem Essen hab ich mich dahinter an der Bar gesetzt und beschloss den Abend bei einer netten Unterhaltung mit einem Gärtner namens Paul aus Inverness.

 

 

Samstag - ab Inverness

Nach dem Aufstehen eine unangenehme Überraschung. Es gab statt einer Dusche eine Kombi mit Badewanne und die Umstellung des Hahns funktionierte nicht, d.h. das Wasser kam stur nur aus dem Badewannenhahn, es halfen weder gutes Zureden noch Gewalt. Zum Anziehen und mich Beschweren hatte ich auch keine Lust, also habe ich mich zähneknirschend verrenkt und unter den Badewannenhahn gelegt. Haare waschen und sauber werden ging so einigermaßen, auch wenn es furchtbar unbequem war, aber hey, es hätte noch schlimmer kommen können, oder?

 

Zum Frühstück gab es kein Buffet, es gab wohl kaum Gäste und so hat die Köchin es extra für mich zubereitet. Toast, Eier und Marmelade waren ok, dazu gab es eine Art gebratener Pastete, kleine Scheiben ähnlich unserer Dosenwurst und so salzig, dass ich es trotz Höflichkeit nicht aufgegessen hätte. Ich bin aber grundsätzlich immer dafür, auch Fremdes erst einmal zu probieren. Ich meine, wozu fährt man in andere Länder, wenn dann alles so schmecken und sein soll wie zu Hause?

Nach dem Auschecken raus aus der Stadt, beim Rausfahren aus dem Hotelparkplatz ganz kurz den Linksverkehr vergessen, als ein Auto entgegenkam und hupte? Oh ja, da war doch was, Linksverkehr, ups... Nach Clava Cairns waren es nur wenige Meilen, das liegt kurz hinter der Abfahrt nach Culloden, ca. 1 km später eine schmale Straße rechts rein, in einem kleinen Wäldchen. Früh am Morgen, die Sonne hatte sich noch nicht durchgekämpft und ich war ganz alleine dort. Es gibt nur eine kleine Fußgängerschranke neben dem kleinen Waldparkplatz, dann steht man auf einer Lichtung und sieht 3 runde Steinsammlungen, umstanden von Steinkreisen. Wenn man sich bewusst macht, dass diese Steine über 3000 Jahre alt sind, hat man als Mensch erst so richtig Respekt. Man kann in die Steinhaufen reingehen, sie sind rund gebaut mit einer ca. 80 cm breiten Öffnung, die sich in der Mitte kreisförmig erweitert. Niemand weiß so ganz genau, was diese Bauwerke wirklich für die Menschen bedeutet haben, die sie gebaut haben. Ein magischer Ort mit einer ganz besonderen Atmosphäre.

Dann gut einen Kilometer zurück, endlich nach Culloden Moor, das Besucherzentrum sehe ich nur kurz, mich zieht es raus aufs Schlachtfeld. Es gibt einige Wege, die über die große Hochebene führen, ich suche zuerst die große Steinsäule, die wir auch aus Outlander kennen (auch wenn dort selbst nicht gedreht wurde!), dann die kleinen Clansteine, wir wissen ja, für jeden Clan gibt es einen Gedenkstein. An den Steinen für Clan Fraser, Clan MacKenzie, aber auch bei dem für die englischen Soldaten habe ich Blumen niedergelegt. Ich habe großen Respekt vor dem Ort, denn ich weiß, es ist nichts Anderes als ein großes Gräberfeld und das spürt man auch.

Das alte kleine Steinhäuschen weiter draußen könnte glatt die Kate sein, in der die verletzten jakobitischen Offiziere nach der Schlacht Zuflucht gesucht haben.

Weiter durch wunderschöne Wald-Landschaft von Kinloch Rannoch – hier wurden viele Eingangssequenzen und die fiktionale Reise von Inverness zum Castle Leoch gedreht - zum Highland Folk Museum bei Newtonmore, dort vom neueren Teil in den hinteren gewandert, wo das Museumsdorf um 1700 steht. Auf dem Weg laufen 2 Damen vor mir, als ich näher komme, entdecke ich ein Outlander Fan-Shirt mit dem Rückenaufdruck Real Men wear Kilt  und ich sage zu ihr "I like your T-Shirt", woraufhin sich auf dem Rest des Weges eine freundliche Unterhaltung ergibt, wer, was, woher und vor allem wofür. Als wir zu den Häusern kommen, in denen die Folge „Rent“ gedreht wurde, begegnen wir noch mehr Mädels, es stellt sich heraus, dass Outlandish.uk genau an diesem Tag und Ort ein Fantreffen veranstaltet! Und ich werde vorgestellt, als ob meine Begleiterinnen mich schon lange kennen würden: Schaut mal, wen wir mitgebracht haben – Daniela aus Deutschland! Es folgt ein großes Hallo und ich fühle mich sehr willkommen. Wir gehen ins erste Haus und eine der Damen erklärt dem Rest die Besonderheiten des ländlichen Lebens auf begrenztem Raum. Ein Teil des länglichen Gebäudes ist zum Schlafen, in der Mitte ungefähr Kochen und Arbeiten mit einem Rauchabzug oben im Dach, am andern Ende haust das Vieh, ganz selbstverständlich, denn das war der größte Besitz der kleinen Leute. In einem 2. Haus steht ein Webstuhl, der fast die Hälfte der Grundfläche dieses kleineren Hauses einnimmt. Im freien Platz zwischen den Häusern ist inzwischen ganz wie in „echt“ ein Kessel an einem Dreibein über dem Feuer aufgehängt, in dem fleißig gerührt wird. Im nach vorne offenen Gebäude direkt daneben steht eine Drechselbank, fußgetrieben, ganz ähnlich wie ich sie von unseren hiesigen Mittelalterfesten kenne. Eine kurze Unterhaltung mit dem Mann dahinter ergibt, dass er aus Deutschland ist, aus Schwäbisch Hall, der Liebe wegen ausgewandert. Warum spreche ich eigentlich Englisch mit ihm?? Nicht der letzte deutsche Auswanderer, den ich in Schottland treffen werde. Ich kann heute nicht mehr sagen, wo und wann zum ersten Mal der Satz fiel, mit dem man als schottlandbegeisterer Deutscher wohl irgendwann konfrontiert wird: "Und wann wanderst Du aus?" Nein, das wird aus vielerlei Gründen nicht passieren.
Es ist eine wahnsinnig nette Gruppe, die ständig größer wird, ich bekomme überall etwas angeboten, seien es Outlander-Fanartikel zum kleinen Preis oder Selbstgemachtes – hier lerne ich Tablet kennen, eine süße Zuckermasse, die flach auf dem Backblech zubereitet wird und danach in kleine Stückchen geschnitten wird, sowie zwei Kartons mit T-Shirts, die irgendwie von Amazon und kostenlos waren und nehme mir dankbar zwei mit. Gerne wäre ich noch länger bei den netten Mädels geblieben, aber leider will ich noch unbedingt auf das Highlander Festival in
Braemar, das liegt in den Bergen in der Nähe von Schloss Balmoral und läuft auch schon den ganzen Tag, also verabschiede mich mit Wehmut von den Damen, denn ich will etwas sehen, auf das ich mich schon lange freue – Baumstammwerfen!!!

Balmoral kann ich mir aber sparen, denn es ist September und zu dieser Zeit verbringt die Queen jedes Jahr dort 2 Monate Sommerurlaub, so dass das Schloss und die Umgebung für Besucher gesperrt sind. Aber nicht so schlimm. Ich weiß jetzt schon, dass ich irgendwann wieder kommen werde.

 

Es dauert gut 1 ½ Stunden mit dem Auto nach Braemar bei Ballater, zuletzt geht es endlos durch dichte Wälder auf einer breiten, aber ewig langen Nationalstraße. Vor dem Ort einen kurzen Blick auf Braemar Castle (die Zufahrt ist leider gesperrt und bewacht), dann der große Parkplatz auf einer Wiese, von dort aus eine Völkerwanderung Richtung Ort und hindurch. In der Ortsmitte stellt sich gerade eine Parade aus Musikern und Darstellern auf, die von dort auf den kurzen Weg zum Festgelände ziehen. Ich bin schon relativ spät dran und leiste mir ein Standardticket für den Stehbereich, die Tribünen wären eh schon voll gewesen. Der Kassierer merkt, dass ich aus Deutschland bin und beim Gespräch übers Königshaus stellt er fest, dass die eh mehr deutsch als englisch sind, Charles z.B. zu 57 % von der Abstammung her. „Die könnt ihr (Deutschen) alle gerne haben!“ Ok, so schnell ging das. Noch ein Hinweis, dass die Queen mit Familie wahrscheinlich noch vorbei kommt, sie sei jedes Jahr hier, denn schließlich ist sie Schutzpatronin des Festivals (und noch von ein paar Hundert anderen Veranstaltungen und Vereinigungen). Und tatsächlich, es fährt eine Limousine nach der anderen vor, in einer sitzen die Queen und Prinz Philipp, in einer anderen Charles und ein paar Damen. Die Gesellschaft nimmt auf einer überdachten Tribüne Platz, die leider von mir aus gesehen, am ganz anderen Ende des doch recht großen Turnierplatzes liegt, leider komme ich auch nicht näher ran, aber die freundlichen Leute drumrum leihen mir ab und zu mal ihr Fernglas. Die Queen trägt rot, Charles und Philipp Kilt, aber die jungen Damen daneben sind nicht eindeutig zu identifizieren, William und Kate sind jedenfalls nicht dabei und auch Andrews Töchter sehen anders aus. Vielleicht welche von Anne? Egal, der Nachmittag ist abwechslungsreich mit vielen Tanzgruppen auf einer kleinen Nebenbühne, Tauziehen, Baumstammwerfen (endlich!), Wettrennen und verschiedenen schottischen Kapellen. Der trotz Sonne kalte Wind auf der Hochlandwiese stört kaum, glücklicherweise habe ich eine winddichte Regenjacke mit. Das einzige Mal in 5 Tagen, dass ich tagsüber überhaupt eine Jacke brauche. Es ist sonst jeden Tag gefühlte 25 Grad, also Tshirt-Wetter.
Nach den Siegerehrungen durch die Queen erfolgt ein feierlicher Ausmarsch, zuerst die Limousinen mit der ganzen winkenden Prominenz, danach die vielen
Highlander-Kapellen in vollem Ornat und mit Musik. Denen gehe ich hinterher zum Auto und zum vorgebuchten Hotel, wieder in Edinburgh.

 

Das ist nicht so praktisch, denn der Weg ist weit, über 2 Stunden, aber beim Buchen wusste ich noch keine Route und wann ich wo sein würde. Hier rächte sich die sehr kurze Vorbereitungszeit. Es ist zwar durchaus von Vorteil, Hotels vorher zu buchen, aber auch wenn man die Reiseroute genau abstimmt (und dafür hatte ich in den 2 Tagen Vorlauf nicht genügend Zeit), geschehen doch immer wieder Dinge, die die Planung über den Haufen werfen können. Braemar liegt an einer einzigen Straße, den gleichen Weg nochmal zurück Richtung Ballater möchte ich aber nicht nehmen, darum den anderen durchs Hochland Richtung Blairgowrie. Es folgen endlose Meilen über sommerliche Berge und Hügel, vorbei an verwaisten Skianlagen und durch teilweise abenteuerliche Kurven, bis man außer ein paar Autos, die natürlich alle in die gleiche Richtung fahren, wieder eine bewohnte Siedlung trifft.
Zurück in
Edinburgh suche ich mein Hotel, das Frederick House Hotel, welches in der Frederick Street Ecke George Street liegt, eine sehr schöne Gegend mit vielen klassizistischen Gebäuden aus hellem Sandstein, typisch für Edinburgh. Das Hotel hat keinen Parkplatz, ich finde aber einen an der Hauptstraße, wie schon einen Tag zuvor darf man auch hier über Nacht bis zum nächsten Morgen kostenlos parken, also gut. Beim Einchecken auch hier eine Überraschung, die nette Rezeptionistin kommt auch aus Deutschland, genauer gesagt aus Hamburg, auch sie ist der Liebe wegen in Schottland geblieben. Das Hotel ist ein sehr altes Haus, schön renoviert und altmodisch hochherrschaftlich eingerichtet.

Nach dem Umziehen hängt mein Magen in den Kniekehlen, schließlich ist das Frühstück schon eine Weile her. Ich frage Stefanie von der Rezeption nach einem Lokal, das sie mir empfehlen könnte, sie schickt mich ins Fisher’s in der Thistle Street. Schon mal vorweg - sehr zu empfehlen!

Okay, das war eigentlich sychon ein perfekter Tag, liebenswerte Outlanderfans getroffen, an einem Drehort, an genau DEM Tag, an dem sie dort ihr Meeting abhalten, nachmittags Highland Games mit Baumstammwerfen und der Queen, jetzt noch schön was Essen, den nächsten Tag planen und in die Heia, morgen muss ich wieder früh raus, sonst könnte es einen Strafzettel geben. Das Fisher’s ist ein gutes Mittelklasse-Restaurant und da es schon Abend ist, sehr gut besucht. Ich hab natürlich nicht reserviert, aber ich bin alleine, da wird sich doch noch ein Plätzchen finden…

Fast schon befürchte ich, die haben doch keinen Platz (he, ich bin zwar ein bisschen breiter, aber noch reicht ein einziger Stuhl!), da verweist man mich an die Theke. Der Stuhl ist zwar ein bisschen höher und der Aufstieg mit Klettern verbunden, aber der Platz ist perfekt, schön hell, prima Aussicht auf  Bar und Straße und immer was los. Noch wusste ich es nicht, aber ich begründete gerade eine Tradition.

Die Speisekarte dreht sich wie erwartet vorwiegend um Fisch, die Preise sind noch akzeptabel, ich bestelle mir eine Suppe und eine gemischte Platte. Es sind zwei, drei nette Kellner immer wieder vor meiner Nase, ich bin bestens versorgt. Nach der Suppe ist mir langweilig und ich hole meine Liste und die Schottlandkarte raus, um die beste Route für den nächsten Tag zu planen, dazu die Karte von VisitScotland.com (siehe Bild oben links), auf der die meisten Drehorte der Staffel 1 eingezeichnet sind (Achtung: Bis zu diesem Zeitpunkt war nur die 1. Staffel gelaufen, inzwischen haben die eine erweiterte Karte), mit einem braunen Rand. Der Kellner meint, ach was hast Du denn da, ist dir da der Tee drüber gelaufen? Und ich erkläre – mal wieder – was es mit mir auf sich hat, da meint er, einer seiner Kollegen hätte dort als Komparse mitgemacht. Er schicke ihn mir nachher mal vorbei...

Ich meine, wie wahrscheinlich ist das denn? Gedreht wurde ja von Cumbernauld aus und das liegt kurz vor Glasgow, ich aber bin in Edinburgh und laufe dort in das vermutlich einzige Restaurant, in dem einer der Komparsen an genau diesem Abend bedient… Eine Wahrscheinlichkeit in der Nähe eines Lottogewinns.

Und so kommt es auch. Der nette junge Mann - Graham - der sich später vorstellt, mit einem Wurzelbart, den hätte ich auf keinen Fall erkannt. Er erzählte mir so einiges (was er durfte) und leider gar nichts, was er nicht durfte und das war trotzdem so einiges. Z.B. dass er in der vorletzten Folge der Schreiber der englischen Soldaten war, als die Verurteilten zum Hängen vortreten mussten – dort ohne Bart. Und beim Hexenprozess war er einer der Schotten, der in der Menge saß und „Burn'em“ brüllte. Er wusste bei den meisten Drehorten nicht, wo genau sie waren, weil die Darsteller immer mit einem Minibus hingekarrt wurden, aber er konnte mir den Tipp mit der Tibbermore Church geben, der damals online so noch nicht zu finden war. Dankbar verabschiedete ich mich von ihm und einem der bemerkenswertesten Tage meines Lebens.

 

Sonntag - ab Edinburgh

 

Der nächste Morgen war ein klarer und heller Sonntagmorgen, ich wäre gerne zur Kirche gegangen, aber es war in der Nähe nichts zu finden und ich wollte den frühen Tag ausnützen, darum ging es nach dem Frühstück (im Café gegenüber des Hotels, wo Hotelgäste mit Rabattschein frühstücken können) ab aufs Land. An diesem Tag hatte ich die vielen verschiedenen Drehorte in der Nähe von Edinburgh auf der Liste und entschloss mich, zunächst mit dem einzigen im Osten anzufangen, um später nach Westen zu schwenken – dem Drehort für die Mühlenszene, Preston Mill in East Linton. Es ist ganz einfach zu finden, direkt an der Straße an einer noch taufeuchten Wiese. Man erzählte mir später, man habe für die Dreharbeiten den Mühlbach etwas aufgestaut, damit Jamie auch genügend Platz zum Untertauchen hatte.

Dann ein Schwenk nach Westen, südwestlich von Edinburgh liegen einige Drehorte sehr dicht beieinander: Hopetoun House bei Queensferry steht für den Sitz des Earl of Sandringham, wo Jamie gegen die McDonalds kämpfen muss, durch Baustellen wegen der neuen Brücke und mein widerspenstiges Navi (es will mich unbedingt gegen die Richtung in eine Einbahnstraße schicken!) nicht ganz leicht zu finden, aber dann doch sehr schön, die Straße in Feldwegbreite geht quasi als Einbahnstraße daran vorbei,

Ganz in der Nähe Midhope Castle (Lallybroch) – zwischen Queensferry und Blackness – wunderschön, hier kann man sich wirklich verlieben und fühlt sich gleich irgendwie zu Hause. Den heutigen Zustand sieht man so nicht im TV, weder ist es bewohnbar wie im 18. Jhd. noch eine fenster- und dachlose Ruine wie im 20. Jhrd. Man parkt kurz davor bei einer Werkstatt rechts der Straße und geht ca. 200 m bergauf Richtung Torbogen. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele freilaufende Fasane gesehen wie dort!

Als Nächstes weiter nach Blackness Castle, das für Fort William steht und direkt am Meer liegt. Durch seine Form, von oben betrachtet wie ein Schiffsrumpf, wird es auch spöttisch „The ship that never sailed“ genannt, also das Schiff das niemals segelte. Hier bucht man ein Ticket und darf frei besichtigen, die Verkäuferin (wie soviele andere auch) schwärmt von den Dreharbeiten und freut sich über jeden Fan. Ich war nach Season 1 dort, erst später wurden auch noch Szenen mit Roger und Brianna gedreht und man hat das Podest, wo Jamie ausgepeitscht wurde, anscheinend dort gelassen, bei mir war das aber nicht der Fall, also – mal nachschauen und Bescheid geben! Der Boden im Burghof ist teilweise rauer Felsen, man muss also vorsichtig gehen. Auf der oberen Balustrade entlang der Mauer hat man eine Wahnsinns-Aussicht! Wenn Jamie und Claire allerdings hier von der Mauer gesprungen wären, wie sie es in Folge 9 tun, wäre der Aufprall hart geworden - kein Wasser darunter!
Dann weiter nach
Linlithgow Palace, hier wurden die Szenen für das Wentworth Gefängnis von außen gedreht, am Eingangstor. Innen ist ein riesiger Innenhof, mit einem wunderschönen Brunnen, den sich King James bauen ließ. Sehr sehenswert! Maria Stuart wurde hier geboren.

Kurz nach Bo’ness zum historischen Bahnhof, wo die Abschiedsszene zwischen Claire und Frank gedreht wurde.

Und als nächstes über den Firth of Forth ins ehemalige Königreich Fife, nördlich/östlich von Edinburgh entlang der Küste und zum Schmuckstück der Drehorte, Culross. Die Aussprache ist ungewöhnlich, etwa: Cöhres, ähnlich dem englischen Wort Curse (Fluch) mit einem langen Ö. Hier habe ich später noch ein paar Mal vorbei geschaut. Am Ortseingang sind ein oder zwei größere Parkplätze, da sucht man sich am Besten einen, in der Ortsmitte gibt es nur wenige, ist aber nicht weit zum Laufen. Dort liegt der Culross Palace, knallgelb und mit den kleinen Fensterchen, die einen gleich an gewisse Szenen erinnern. Im Nachbargebäude rechts daneben kann man Tickets kaufen, Schloss, Garten oder Kombi. Die Bezeichnung Schloss ist eigentlich übertrieben, auf uns wirkt es eher wie ein gutbürgerliches Haus, ist aber trotzdem schön und sehenswert, wenn auch hier (meines Wissens) nicht gedreht wurde. Aber hinter dem Haus in den schönen Gärten, die terassenartig ansteigen, wurden die Gartenszenen mit Claire und Geilis gedreht. Einfach wunderschön, vor allem bei Traumwetter, wie ich es hatte. Überhaupt, die 5 Tage hat es nicht einmal richtig geregnet und damit ein kompletter Kontrast zum berühmt-berüchtigten Ruf des schottischen Wetters.
Den Marktplatz usw. habe ich leider beim ersten Besuch nicht gefunden, hierfür musste ich erst ein Jahr später wieder kommen, leider…

Weiter im Osten liegt Aberdour Castle, das für die Abtei steht, wo Jamie sich nach der Flucht aus Wentworth erholt. Leider kam ich zu spät an (gegen 5) und das Schloss war schon geschlossen, sodass ich den Besuch auf den nächsten Tag vertagt habe, auch wenn es ziemlich weit draußen liegt.
Darum wieder nach Westen auf dem Weg Richtung
Glasgow und der letzten Station des Tages, Falkland, ein wunderschönes altes Städtchen, das für das barocke Inverness steht. Warum? Weil es in Inverness nichts mehr gibt, das wie das alte Inverness aussieht und Falkland hat noch sehr viel historische Altstadt. Die Gebäude wurden zusätzlich per Computertechnik auf alt gemacht, indem moderne Teile wie Schilder oder Stromkabel wegretuschiert wurden, aber man kann sich alles genau vorstellen: Mrs. Beards Pension, der Laden, vor dem Claire die Vase bewundert und vor allem, mitten auf der Straße und unübersehbar: Der  Brunnen, vor dem Frank während des Gewitters auf Jamies Geist trifft. Ich hab vor dem Pub eine Cola getrunken und mich auch innen umgesehen, hier kann man sich richtig gut in alte Zeiten zurück versetzen. Es gibt auch einen Falkland Palace, den ich mir bei meinem nächsten Besuch ein Jahr später angesehen habe. An diesem Tag war es schon spät und ich musste mir noch ein Hotel suchen, welches ich in der Nähe von Cumbernauld fand, Premier Inn, nicht billig, aber ganz neu und modern, mit Restaurant und Frühstück am nächsten Morgen. Das Wlan war etwas widerspenstig, aber der freundliche junge Mann von der Rezeption konnte helfen. Leider wusste man hier nichts über Outlander, die Serie war damals in Schottland noch praktisch unbekannt.

 

Montag - ab Cumbernauld

 

Am nächsten Morgen bin ich kurz bei den Studios in Cumbernauld vorbei, rein konnte man leider nicht und zu sehen war auch niemand. Aber trotzdem, ich konnte hier nicht einfach vorbei fahren, ohne wenigstens ein Foto zu machen!

Darum weiter rein nach Glasgow auf der Suche nach dem George Square, wo die Hochzeitsszene mit Claire und Frank gedreht wurde. Hier kann man auch in Zentrumsnähe (zwei bis drei Blocks vor George Square) am Fahrbahnrand mit Parkschein parken, jedoch erst ab 9 Uhr und die Automaten spucken vorher auch keinen Parkschein aus. Mit dem Handy-Navi Richtung George Square, der ist wirklich riesig und sehr sehenswert, etliche Denkmäler, Bäume und Blumenbeete, voller Menschen und viel Verkehr drumrum, nur – und das ging mir so langsam auf – direkt hier konnte nicht gedreht worden sein, denn im TV war es eine „normale“ Straße mit Gebäuden rechts und links, kein offener, riesiger Platz. Also bin ich einmal rings um den Platz und hab mir jede Seitenstraße angeschaut, auch ab und zu auch mal in einem Geschäft gefragt mit dem Gedanken, wenn hier gedreht worden war, würden sich die Leute doch daran erinnern?

Aber Fehlanzeige, keiner wusste was. Inzwischen war meine Parkzeit von einer Stunde schon fast um, also in einem Kaufhaus kurz aufs Klo und retour zum Auto, keinen Strafzettel riskieren. Diese sind in Großbritannien, wie ich leider weiss, schmerzhaft teuer, das muss heute nicht sein. Auf dem Rückweg treffe ich einen Stadtführer mit einer Gruppe, endlich, der muss doch was wissen?! Aber wieder nein, was, Outlander? Was soll das sein?? Die Serie lief halt damals dort noch nicht im britischen TV. Relativ entmutigt weiter gen Auto und - was soll ich sagen? Zwei Blocks neben George Square in Richtung Osten, also in Richtung Auto und auf dem Hinweg völlig von mir übersehen, weil ich dort nicht gesucht hatte, liegt es: John Street. Innerlich die Ratgeber verfluchend und doch total erleichtert, habe ich es doch noch gefunden! Auch wenn die Parkzeit dann deutlich überschritten war, ein Ticket gab es glücklicherweise nicht.

Nun mache ich mich auf in die wilde Landschaft nördlich Glasgows, auf der Suche nach dem Finnich Glen bei Killearn, wo für die Szene mit Dougal und Claire an der St. Ninians Quelle gedreht wurde. Dies sollte der weitaus anstrengendste Teil meiner Reise werden, aber davon wusste ich vorher nichts, sonst hätte ich es möglicherweise gelassen und das wäre zu schade gewesen. Hinterher ist man ja meistens klüger… Als mein Navi sagt: „Ziel erreicht“ ist weit und breit nichts zu sehen, kein Hinweisschild, nichts. Ich suche rund um die Kreuzung und frage mehrere Leute, aber keiner weiß etwas, obwohl es weniger als 1 km Luftlinie entfernt liegt. Die letzte Frau schickt mich schließlich an die breite T-Kreuzung und meint „dort parken die immer“ und von dort aus soll ich über den Zaun klettern und über die Wiese gehen. Parken ist kein Problem, viel Platz und mehrere andere Autos. Mit einem mulmigen Gefühl (so was mache ich sonst schließlich nicht) klettere ich über den Zaun auf eine Schafwiese, es gibt einen Weg, der diagonal darüber und abwärts führt, muss wohl Richtung  Bach sein. Die Schafe sind nicht begeistert, dass ich ihr Reich durchquere und meckern mich an, lassen mich aber in Ruhe. Es folgt ein lichtes kleines Wäldchen und ein Zauntritt, den ich überquere, dann halte ich mich Richtung Bach abwärts. Aber egal, wo ich es versuche, es geht richtig steil abwärts und ich erkenne, dass ich so nicht weiterkomme. Unten ist ein Zaun, darunter geht quer ein kleiner Zufluss, aber wenn ich nicht unter der Zaunöffnung durch tauchen will (und das will ich nicht!), ist hier Sackgasse. Wieder mühsam nach oben, über den Zauntritt zurück und wieder Richtung Bach, da ist auch noch ein Vater mit seinem Sohn unterwegs und jetzt wird es wirklich kritisch. Es ist so dermaßen steil, dass ich mich von einem dünnen Baum zum nächsten abwärts hangle, krampfhaft darauf bedacht, nicht den Halt zu verlieren und abwärts zu rutschen, mich vor allem nicht zu verletzen und eins ist mir vollkommen klar: Es gibt kein Zurück, hier komme ich NIE WIEDER RAUF.

Einigermaßen dreckig stehe ich schließlich unten am Bach, links ist offene Landschaft, rechts beginnt die Schlucht und ich erkenne das nächste Problem: Ich bin auf der falschen Seite des Bachs! Auf der gegenüber liegenden Seite ist daneben ein schmaler Uferstreifen, auf meiner Seite ist Fels. Da sind auch ein paar junge Leute, ganz erstaunt, wo ich denn herkomme, sie haben die Wiese auf der anderen Seite der Schlucht überquert und weiter vorne gibt es auch eine Treppe (die ich nicht finden konnte, weil ich ja auf der falschen Seite war!). Ich versuche, über ein paar Steine trockenen Fußes den Bach zu überqueren, aber irgendwann ist es egal, meine Turnschuhe sind halt nass. Man kommt seitlich ein Stück die Schlucht hinein, ca. 50 Meter, wo sie sich dann verbreitert und etliche Leute sind. Ein paar waten auch noch durchs Wasser weiter bachaufwärts, man kann bis zu einem pilzartigen Stein sehen, dem Devil’s Pulpit – Teufelsaltar, nach dem der Ort auch benannt ist. Die Schlucht ist dunkelrot vom Sandstein, mit vielen grünen Pflanzen, es ist dunkel, weil kaum Sonne hineinscheint und ringsum Bäume stehen und es ist ein wunderschöner, einfach magischer Ort. Hier hat Claire mit Dougal diskutiert und man kann sich richtig reinversetzen. Allein die Vorstellung, wie sie das gesamte Filmequipment hier heruntergebracht haben ist der reine Wahnsinn. Zurück Richtung Auto, diesmal über die östlich gelegene Wiese vorbei an der Treppe, die ich bei meinem nächsten Besuch ein Jahr später dann ausprobiert habe. Aber wer glaubt, das war viel einfacher – Fehlanzeige! Nichts für Weicheier und auf keinen Fall alleine absolvieren! Aber egal wie anstrengend es war – es war jede Mühe wert!

Am Auto musste ich mich kurz umziehen und Schuhe, Strümpfe und Hose wechseln. Diese war nicht nur nass und dreckig, sondern hatte auch zwei Löcher vom Stacheldraht und wurde fortan meine "Schottland-Jeans" genannt.

 

Dann ging es endlich auf nach Stirling Castle, dem Stammsitz der Stuart Könige und ganz prominent auf dem Hochplateau eines Felsens gelegen, schon von der Autobahn aus weit sichtbar! Man kann oben auf dem Parkplatz und auch in den Straßen darunter parken, aber nicht umsonst. Am Ticketschalter empfiehlt man mir, einen Schottland-Pass zu kaufen, denn dort ist auch Edinburgh Castle mit drin, das steht für den nächsten Tag ohnehin auf meinem Programm und ich spare schon ab der 2. Burg.

Es ist kurz nach 1, als ich mein Ticket kaufe, die nächste Führung beginnt um 2, das dauert mir zu lange und ich habe Glück, ich erwische die Führung noch am ersten Haltepunkt, oben an der Battery. Es ist eine richtig große Königsburg, am beeindruckendsten ist die große Halle mit ihrer riesigen Deckenkonstruktion aus schottischen Eichenbalken, die auch mehrere hundert Jahre nach ihrem Bau noch intensiv nach Eiche riechen. In den Wohnräumen der Familie trifft man auf eine Dame, welche eine der Hofdamen der Königin darstellt, sie repräsentiert das 16. Jahrhundert und mit ihr habe ich eine tolle Unterhaltung über Renaissance-Kleidung und Tanz, schließlich bin ich in einer historischen Tanzgruppe (die Patrizier – Bretten). Im Eintrittspreis ist noch das Haus des Grafen von Argyll, Argyll's Lodging, enthalten, welches ein paar Meter talabwärts (Richtung Auto) liegt und auch sehr sehenswert ist, noch voll eingerichtet im Stil des 17. Jahrhunderts. 

Nur 2-3 km entfernt liegt das Wallace Monument, welches zu Ehren von William Wallace, dem schottischen Freiheitskämpfer aus dem 13. Jahrhundert errichtet wurde. Hier machen sich mal wieder die britischen Postleitcodes bezahlt, genial einfach und genau. Ich habe sie im Eingangsbüro des Stirling Castle bekommen und habe kein Problem, den Turm zu finden der auf einem Berg liegt. Hochfahren kann man selbst nicht und zum Laufen bin ich zu faul, es gibt unterhalb einen Parkplatz, von dem aus ständig kleine Shuttlebusse für einen kleinen Obulus hochfahren. Innen ist eine tolle Ausstellung und die Aussicht nach ca. 200 Stufen – das ist ein Turm auf einem Berg, höher geht es wirklich nicht! – ist grandios.

Es ist gerade Wallace-Jubiläumsjahr, d.h. 20 Jahre nach dem Film, also finden auch noch Live-Demonstrationen statt, hier gerade ein Schwertkampf in historischem Gewand.

Von Stirling aus nach Nordwesten zur Tibbermore Church (Hexenprozess), die mir Graham empfohlen hat. Er konnte nicht genau sagen, wo diese liegt, weil er ja im Minivan gefahren wurde, aber er wusste es war bei Crieff. Mit einiger Recherche im Internet (heute ist das einfacher) habe ich sie tatsächlich gefunden, in  der Nähe von Perth, nicht weit von der Autobahn. Die Kirche liegt auf einem alten Friedhof mit Gräbern hauptsächlich aus dem 19. Jhrd. und liegt außerhalb des Ortes, so dass ich erst ein bisschen suchen und fragen muss. Die Kellnerin im Restaurant mit Shop unten an der Kreuzung erinnert sich gut, das war damals ein ziemlicher Trubel, die Produktion hatte für 2 Wochen die Gegend mit Beschlag belegt und auch ordentlich für Umsatz gesorgt. Das Friedhofstor ist offen, die alte Kirche leider nicht. Ziemlich enttäuscht muss ich weiter ziehen (im Jahr darauf war ich erfolgreich, siehe 2016).

Und nun nochmal nach Aberdour Castle, bevor es wieder zu spät ist, ist ein ganzes Stück Fahrt, wieder über die große Hängebrücke bei Edinburgh und ganz nach Osten. Das Castle besteht zur Hälfte aus Ruinen, zwischen denen man herum wandern kann, zur anderen Hälfte aus einem sehr gut erhaltenen und auch eingerichteten Wohntrakt. Hier haben sie in der alten Küche gedreht, auf der Terrasse (Claire bespricht mit den Highlandern das weitere Vorgehen nach der Flucht) und im Flur, wo Claire sich übergibt.

Auf dem Rückweg nochmal durch Culross durch (statt über die umgehende Landstraße) und an einer stimmungsvollen Küstenlandschaft entlang Richtung Edinburgh.

 

Südlich davon gelegen will ich die Hochzeitskirche suchen. Mein Navi führt mich mitten in den Wald, ein Feldweg folgt dem anderen und ich weiß sicher, mit einer Landkarte allein hätte ich das nie im Leben gefunden. Auch wenn das Navi schon eine Meile vorher ankündigt: You have reached your destination – ich fahre einfach weiter und finde es schließlich: Glencorse House. Sie haben eine Homepage und man kann das alte Herrenhaus, einen Pavillon oder das ganze Gelände buchen für Hochzeiten etc. Das Tor ist zu, ich klingle und erfahre schließlich von einer unfreundlichen Frauenstimme, dass dies hier Privatgelände ist und ohne Termin sowieso nichts geht. So fahre ich ziemlich enttäuscht weiter, hierauf hatte ich mich sehr gefreut und das ist nach der verschlossenen Tibbermore Church schon die zweite Pleite an diesem Tag.


Die letzte Nacht vor dem Rückflug will ich in Edinburgh übernachten, es ist schon kurz vor 7 und ich habe noch kein Hotel. Mit Hilfe des Handys telefoniere ich preislich von unten nach oben alles durch, entweder ist ausgebucht oder es gibt keinen Hotelparkplatz, den ich für meinen Mietwagen aber unbedingt brauche. In der Innenstadt sind am Straßenrand in der Regel keine Parkplätze. Schließlich finde ich eins für über 100 Pfund am Haymarket, der freundliche Herr am Telefon bestätigt mir alles, ja, mit Parkplatz und benötigt für die Reservierung schon mal meine Kreditkartendaten, die ich ihm schließlich gebe. Als ich durch den abendlichen Verkehr gestresst und spät endlich dort ankomme, ist es schon kurz nach 8 und das Hotel liegt praktisch direkt an der Straße in einer Gegend, wo es nur Verkehr und Ampeln gibt, aber keine Parkplätze. Ich suche und umkreise den Block, zweimal, schließlich halte ich vor dem Hilton in der Seitenstraße und rufe an. Leider ist der freundliche junge Mann vom Telefon inzwischen im Feierabend und die junge Frau am Telefon ebenso hilflos wie inkompetent, irgendwann stehe ich völlig entnervt an der Ampel vor dem Hotel, halte einfach an und sehe sie durchs Schaufenster mit mir telefonieren, aber sie ist auch bei der soundsovielten Nachfrage nicht imstande, mir zu sagen, wo der Parkplatz des Hotels ist. Aber ich kann mein Auto ja schließlich nicht in die Hosentasche stecken!

Schließlich gebe ich auf, drohe ihr, ja nicht meine Kreditkarte zu belasten und rufe das nächste, etwas teurere Apex Hotel am Grassmarket an. Dort hat man einen Hotelparkplatz und mir ist inzwischen alles egal. 4 Sterne und 120 Pfund, aber ist ja nur für eine Nacht. Als ich endlich auf dem Zimmer bin, ist es schon ziemlich spät und ich bin halb verhungert. Aber glücklicherweise ist der Grassmarket ein sehr schöner kleiner Platz mit verschiedenen, alle sehr ansprechenden Restaurants. Ich lande in einem französischen Restaurant (ja, ich weiß, ich bin in SCHOTTLAND!), als der Kellner mich auf Französisch anspricht und ich ganz automatisch auf Französisch antworte. Das Essen ist mehr als lecker und die Gesellschaft von 4 Schotten am Nachbartisch (einer hat Germanistik studiert!) unterhaltsam. Nach dem Nachtisch gehe ich noch ein paar Häuser abwärts in einen Pub, wo ich typisch schottisch bei einem Pint und Livemusik den Abend ausklingen lasse und schließlich wie tot ins Bett falle, denn der Tag war wirklich mehr als anstrengend.

 

Dienstag - ab Edinburgh

 

Am letzten Tag steht ausführlich Edinburgh auf dem Programm, bevor dann abends der Flieger geht.

Mein Hotel ist sehr schick, der Frühstücksraum ist im 4. Stock mit einer durchgehenden Glasfront und man hat die Mauer der Burg direkt vor der Nase, vor allem das riesige Metallgerüst, das darüber hinaus ragt. Man erkennt, dass dies die Tribünenaufbauten vom Highland Tattoo sind (dies findet immer im August statt – mehr dazu 2016). Es ist noch früh am Morgen, als ich auschecke, das Auto darf bis zum Abend auf dem Hotelparkplatz bleiben – Gottseidank. Aber macht nichts, Edinburgh will ich ohnehin zu Fuß erkunden. So mache ich mich an den steilen Aufstieg Richtung Burg, der Grassmarket ist wirklich ganz tief unten und die Burg sitzt auf einem Vulkanrücken. Naja, der letzte Ausbruch ist schon gut 100.000 Jahre her, also keine Sorge.

Die Burg ist noch zu, also vertreibe ich mir die Zeit im Souvenirshop direkt unterhalb, wo ich eine tolle Tasse finde und vorsichtig verstaue. Vom Stirling Castle habe ich einen Schlosspass (lohnt sich wirklich, wenn man mehrere Sachen besucht, die dort inbegriffen sind), darum darf ich mich glücklicherweise in der Schlange anstellen für Leute, die schon Tickets haben. Welch ein Glück, denn die andere ist eine halbe Stunde vor Öffnung um halb 10 schon ellenlang und ich stehe in meiner Schlange fast ganz vorne. Hier erfahre ich auch, dass die Tribüne (so riesig wie hässlich) jedes Jahr zum Tattoo 2 Monate lang auf- und hinterher in einem Monat wieder abgebaut wird. Und ich nehme mir fest vor, nächstes Jahr zum Tattoo wieder herzukommen! (siehe 2016)

In der Burg gibt es Audio-Guides, sehr zu empfehlen. Da wir dann bei Öffnung praktisch die ersten sind – mit mir ist nur eine Reisegruppe unterwegs mit einem penetranten Führer, dem ich irgendwann mal sagen muss, er solle mich in Ruhe lassen – komme ich überall bequem hin, kann mir alles in Ruhe anschauen und habe praktisch kein Gedränge, die Meute ist ja immer hinter mir, zumindest die, die die Nummerierungen ablaufen. Man hätte eine tolle Aussicht gehabt, aber leider war es diesig und wurde erst gegen Mittag klar und sonnig. Eine Jacke in Reichweite ist daher immer zu empfehlen.

Nach der Burg kommt einer der tollsten Punkte in Edinburgh überhaupt: Die sogenannte Royal Mile. Gemeint ist die Entfernung zwischen Burg und Palast, ziemlich genau eine Meile, hier ritt früher z. B. der Bürgermeister an und es geht immer ziemlich bergab. Sie besteht aus den Straßen The Hub (ganz oben an der Burg), Lawnmarket, High Street und Canongate. So langsam kann ich es mir vorstellen, wie Claire es in den Büchern beschreibt (oder war es nicht eigentlich Diana?), eine breite Straße wie die Hauptgräte eines Fisches über dem Hügelkamm, seitlich abgehend hunderte von Closes und Wynds (Gassen), füher noch viel mehr als heute, teilweise extrem steil abfallend. Es gibt so viel zu sehen, Souvenirshops (natürlich), den Marktbrunnen, verschiedene historische Gebäude, Weihnachtsshops übers ganze Jahr, Straßenkünstler, Restaurants, Museen (das schottische Museum ist sehr sehenswert, bestehend aus 2 oder 3 gut erhaltenen Wohnungen, nicht teuer und relativ schnell anzusehen). (Hier wurde später auch für Staffel 3 gedreht, nur als Anmerkung.)

Weiter vorbei am World’s End Pub, die Gegend wird etwas moderner und man kommt kurz vor dem Palace am schottischen Parlament vorbei, ein ziemlich interessanter futuristischer Neubau an einem Altbau. Wenn man Zeit hat, empfehle ich jedem in eine der vielen Seitengassen reinzuschauen, mal führen Sie nur abwärts, an interessanten Ecken vorbei, mal zu einem Innenhof oder einem Garten, es gibt jedenfalls sehr viel zu entdecken abseits der Hauptstraße. Und wer Zeit hat, sollte eine Führung buchen, es gibt viele thematische Touren, auch Underground oder nachts und inzwischen sogar eine Outlander-Tour (siehe 2016).

Der Holyrood Palace ist der offizielle Wohnsitz der Queen, wenn sie in Schottland ist – also nicht auf der Burg. Hier empfängt sie auch Staatsgäste, so z.B. den letzten (deutschen) Papst. Es ist ein großes Gebäude und man bekommt natürlich nur einen kleinen Teil zu sehen, darf innen auch keine Bilder machen, darum habe ich hier nur die Hauptansicht, den Innenhof und die Ruine der angebauten Abtei. Direkt dahinter ist noch der riesige Schlossgarten, wenn man Zeit hat, kann man hier wunderschön spazieren gehen. Sehr schick auch der Cappuccino im Schlosscafé!

Wenn man dann vom Palace wieder zurück möchte, hat die Sache einen erheblichen Nachteil: Es geht NUR bergauf. Doch da ich mit dem Palace meine letzte Sehenswürdigkeit auf der Liste sozusagen abgehakt hatte, konnte ich mir Zeit lassen und auf dem Rückweg noch in ein Restaurant auf einen Teller Pasta einkehren. Italienische Restaurants gibt’s halt überall...

Nicht weit davon entfernt gab es einen Süßwarenladen, das Fudge House, wo ich noch ein paar Mitbringsel gekauft habe. Fudge ist sozusagen schottisches Karamell, außerdem gab es auch noch viele edle Varianten von Nougat und Schokolade, sodass ich meinem Mann und den Kindern eine kleine Auswahl mitbringen konnte.

Dann fand ich noch einen kleinen Whisky-Shop, wo ich hoffte, kleine Fläschchen zu finden, die man auch ins Handgepäck im Flieger mitnehmen darf (ich hatte NUR Handgepäck dabei) und er hatte nicht nur ein paar, sondern ein ganzes Regal voll davon, vom Boden bis zur Decke. Mit dieser Auswahl war ich schlicht überfordert, was sollte ich meinem Mann mitbringen? Der Verkäufer half mir ein bisschen und schließlich entschied ich mich für ein Fläschchen Balvenie 12 im runden Zierkarton. Ist übrigens sehr gut angekommen!

Weiter Richtung High Street bin ich auf eine sogenannte „freie Führung“ gestoßen, der ich mich kurzerhand angeschlossen habe. Ich hatte das auf Werbeflyern gesehen, es sind im Prinzip Privatleute, die eine Thementour anbieten mit einem Treffpunkt, wer dann dort ist, darf einfach mit und zahlt hinterher das, was es ihm Wert war. Dieser Führer berichtete von Folter und Hinrichtungen an verschiedenen Plätzen der Stadt, ein schaurig-interessantes Thema. Mit dem Führer ging es talabwärts bis zum Grassmarket, wo er noch eine Schauergeschichte über eine junge Mary erzählte, die hingerichtet wurde, weil sie ihr Baby ermordet haben sollte, die jedoch das Hängen überlebte und ein Grundsatz bis heutet lautet, dass man nicht zweimal fürs gleiche Verbrechen verurteilt werden konnte, weiterleben durfte und sehr alt wurde. Hier verabschiedete ich mich von der Gruppe und ging über die Straße zum Auto. Ausgecheckt hatte ich schon am Morgen, aber mein Auto durfte noch länger auf dem Parkplatz bleiben. Es war glaube ich gegen 3 Uhr, mein Flugzeug ging erst gegen 7 und irgendwie war noch Zeit. Also was machen? Nachdem ich mich erstmal umgezogen hatte, kam mir eine Idee. Als ich die „Hochzeitskirche“ besichtigen wollte, hieß es doch „only with an appointment“ und nochmal versuchsweise rausgefahren wäre ich auf keinen Fall. Außerdem lag es von Edinburgh aus gesehen in der gleichen Richtung wie der Flughafen, im Süden, war daher noch nicht einmal ein richtiger Umweg. Also, warum nicht noch dort anrufen? Mehr als nein konnte sie schließlich nicht sagen. Gedacht, getan, und auch wenn die Dame am Telefon alles Andere als begeistert war, als ich um ein „appointment“ bat, so meinte sie dann doch, sie würde einfach das Gartentor auflassen. Na also!

Die Fahrt dauerte nur ca. eine halbe Stunde, dann stand ich wieder im Wald vor dem großen Tor und das kleine Gartentor daneben war diesmal offen. So kam es, dass der krönende Abschluss meines Kurzurlaubs mich auf den Glencorse old graveyard geführt hat, also tatsächlich ein alter Friedhof, wo die Außenszenen für die Hochzeitsepisode gedreht wurden. Ein beindruckendes kleines Fleckchen Erde.

Zum Rückflug bleibt nur zu sagen, dass ich in puncto Handgepäck und Flüssigkeiten an den verschiedensten Flughäfen die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht habe. Auch wenn natürlich überall die gleichen EU-Vorschriften gelten, wird das mit den Fläschen und den wiederverschließbaren Beuteln nicht einheitlich gehandhabt. Ich habe in Karlsruhe auch größere Shampoos drin haben dürfen, in Hahn wieder nicht und in Edinburgh mussten alle DEREN Tüten verwenden, überhaupt keine eigenen und irgendwie waren die viel kleiner. Der Mann an der Sicherheitsschleuse war unerbittlich und so hatte ich die Wahl, kleine Tupperdosen dort zu lassen, etwas Volles oder welche von den extra gekauften Umfüllflaschen in 100 ml, denn auch die leeren Flaschen MÜSSEN in die Tüte, vollkommen egal, ob noch was drin ist oder nicht. Absolut hirnrissig.

Aber davon darf man sich letztendlich die Laune nicht verhageln lassen.

Nach einem unspektakulären Rückflug wurde ich diesmal von meiner großen Tochter vom Flughafen Hahn abgeholt und war nach gut 90 Minuten Fahrt wieder zu Hause. Zusammenfassend kann man das nur als großartiges Erlebnis betrachten und ich freue mich für Jede und Jeden, der Ähnliches erleben darf!

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© Daniela Biela