Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland
Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland

Dienstag, 07.09.2021

Am Dienstag nach dem Frühstück packten wir unsere Koffer, um unser erstes Apartment zu verlassen und nach Westen aufzubrechen, einmal quer durch Irland. Wir taten es mit einem weinenden und einem lachenden Auge, denn das Apartment war sehr schön, aber natürlich freuten wir uns sehr auf die weitere Reise. Wir ließen den Schlüssel wie verabredet in der  Wohnung und zogen die Tür hinter uns zu. Unten entschieden wir uns, dass alles Gepäck zusammenbleiben sollte und ich solange das Auto holen ging, welches eine Querstraße weiter geparkt war. Karin ging sich währenddessen noch einen Kaffee holen. Es waren nur zwei Minuten bis zum Parkplatz in der Parallelstraße, doch dort zweifelte ich zunächst an meinem Verstand. Ich fand das Auto nicht. Ich fand es einfach nicht. Wo ich es geparkt hatte, stand ein Auto dicht hinter dem anderen, zwar auch ein weißes Auto dazwischen, aber nicht unser Mietwagen. Mir wurde heiß und kalt. Gestohlen - oder abgeschleppt? Was tun?? Nachdem ich noch ein paar Anwohner gefragt hatte, erfolglos, keiner hatte etwas gesehen, rief ich zunächst Conny an, die schon sehnlichst auf mich wartete und ging zu den beiden zurück. Guter Rat war zunächst teuer. In die Wohnung zurück konnten wir nicht, der Schlüssel war weg und der Vermieter tagsüber nicht erreichbar, weil er arbeitete. Unsere nächste Unterkunft war 300 km entfernt, quasi unerreichbar. Ich sah uns schon mit dem Taxi zurück zum Flughafen fahren. Wen anrufen - die Polizei? Ich entschied mich zunächst für die Autovermietung - Sixt am Flughafen. Natürlich gab es in den Unterlagen keine einzige Telefonnummer, um direkt dort anzurufen, doch mit der Nummer über Google hatte ich Glück und bekam eine kompetente Hilfe ans Telefon - Stephanie. Wir führten viele Telefonate, sie kümmerte sich um alles, später kam noch eine Jennifer hinzu und es wurden noch mehr Telefonate. Ich sollte über eine Hotline die Abschleppgebühr zahlen - 80 Euro. Das war natürlich ärgerlich, denn wir hatten immer alles getan, um korrekt zu parken und eben NICHT eine Kralle zu bekommen oder abgeschleppt zu werden. Nun war genau beides passiert. Die Hotline funktionierte nicht wirklich, außerdem verstand ich wegen mieser Qualität nur die Hälfte. Auch das übernahm Stephanie über meine Kreditkarte und ich bekam den Standort des Autos, die Sheriff Street Upper. Das war genau unsere Querstraße, die Richtung Innenstadt führte und so packten wir unser ganzes schweres Gepäck und machten uns schimpfend und schwitzend auf den Weg. Immer wieder sahen wir einen weißen SUV am Straßenrand und hofften, das wäre unser Auto, aber es war es nicht. Und so liefen wir weiter, diese Straße ist gut einen Kilometer lang und schließlich fand ich unser Auto kurz vor der Brücke auf der anderen Straßenseite, mit einer Kralle versehen. Wir beluden unser Auto und Conny und ich zogen uns um, wir waren komplett durchgeschwitzt und total erledigt, außerdem stinksauer und frustriert. Es war der wärmste Tag unseres gesamten Urlaubs, aber leider ein Reisetag. Wir malten uns aus, was wir demjenigen, der die Kralle entfernen würde, alles an den Kopf werfen würden. Nun hieß es warten, bis der Mitarbeiter der Firma kam, der sogar Beweisfotos hatte, dass wir in der Ladezone geparkt hatten neben dem vorderen Baum, während wir alle davon überzeugt waren, hinter dem zweiten Baum im zulässigen Bereich geparkt zu haben. Es war nur wenige Minuten, bevor wir losfahren wollten, abgeschleppt worden. Wenn wir nur ein bisschen früher losgegangen wären... Da war leider nichts zu machen als das Ganze geistig abzuhaken. Schließlich brachen wir mit über zwei Stunden Verspätung endlich Richtung Westen auf. Unser größter Dank gilt den beiden Mitarbeiterinnen der Autovermietung, ohne die wir komplett aufgeschmissen gewesen wären! Keine Ahnung, wie sie es gemacht haben, aber sie haben es klasse gemacht!

Unser erster kleiner Stop sollte an der Durrow Abbey sein, die nicht weit entfernt von der Autobahn lag. Leider war das schmiedeeiserne Tor geschlossen, dahinter ein Wald und absolut nichts zu sehen. Also wieder zurück Richtung Autobahn. Da wir Mautstraßen vermeiden wollten, führte unser Navi uns immer wieder auf Landstraßen und zurück auf die Autobahn. Wir fühlten uns teilwese wirklich verarscht und fragten uns, ob das so wirklich richtig war. Schließlich erreichten wir schon ziemlich erschöpft endlich das berühmte Kloster Clonmacnoise, das wir unterwegs unbedingt besuchen wollten. Ich hatte Tickets vorgebucht, die glücklicherweise umsonst waren und uns auch nicht auf eine Uhrzeit festlegten, was an dem Tag planerisch nahezu unmöglich gewesen wäre. Das Navi führte uns sozusagen zum Hintereingang, über einen modernen Friedhof. Dort fanden wir endlich die uralte Klosteranlage, malerisch gelegen am Ufer des Flusses Shannon. Das Wetter war wunderbar und wir begneten auch einer deutschen Reisegruppe, die dort gerade eine Führung hatte. Das Kloster stammte aus dem frühen 6. Jahrhundert und wurde vom heiligen Ciaran 548 gegründet, dann entwickelte es sich zu einer Pilgerstätte, heute eine der meistbesuchten von ganz Irland. Die Anlage wuchs ständig, neue Kapellen und Gebäude kamen hinzu. Die Blütezeit war im 12. Jahrhundert, die Wikinger, Normannen und schließlich englische Truppen unter Cromwell besiegelten den Niedergang bis heute. Nebenan befindet sich auch noch die Ruine einer normannischen Burg.

Und weiter ging es über Land nach Westen, nur unterbrochen von einem Tankstop. Am frühen Abend erreichten wir schließlich Cong, ein kleines Mittelzentrum im Westen, durch das unser Weg sowieso hindurchführte und gleich am Ortsrand sahen wir eine beeindruckende Toranlage, so dass wir spontan stoppten. Ich hatte schon über Ashford Castle gelesen, aber hier fiel es uns ohne zu suchen vor die Füße. Es entpuppte sich als Luxushotel, das vom Tor aus leider nicht sichtbar war, aber der freundliche Torwärter (mit einer schmucken Uniform) gestattete uns, einmal in Schrittgeschwindigkeit übers Gelände zu fahren und wir nahmen das Angebot dankbar an.

Nun steuerten wir im gleichen Ort die Cong Abbey an, eine schöne alte Klosterruine mitten im Zentrum, auch malerisch direkt neben einem idyllischen Fluss gelegen.

Bevor wir endgültig Richtung Unterkunft aufbrachen, machten wir noch einen Stop am örtlichen Supermarkt und versorgten uns erstmal wieder mit dem Nötigsten für die nächsten beiden Tage. Danach ging es endgültig nach Tourmakeady. Es ging gut eine halbe Stunde über kurvige Straßen, eine davon nur so breit mit zwei hohen Hecken rechts und links, dass gerade so unser Auto durchpasste und wir hofften inständig, dass uns bloß kein anderes Auto entgegenkommen möge. Dann war es endlich so weit und wir fanden unser Ferienhäuschen, die Tür war wie vereinbart offen. Es hatte nur wenige Nachbarn und lag buchstäblich am A... der Welt, aber es war geräumig mit 5 Betten in 3 großen Schlafzimmern, war teilweise gut, teilweise einfach eingerichtet. Wir fanden trotzdem einige Dinge zu monieren wie eine nicht funktionierende Nachttischlampe und ein kaputtes Fenster in Karins Zimmer sowie fehlende Ablagen im Bad, wo Steve, der als Verwalter (nicht Eigentümer) fungierte, sich sofort als hilfreich erweisen sollte und auch für die anderen Dinge versprach er umgehende Abhilfe. Er empfahl uns noch Lokale zum Abendessen, gab Ausflugstipps und wir durften bei jedem Problem zu ihm kommen, er wohnte nur zwei Häuser weiter. Leider gab es dort in der Gegen keinen Internetempfang. Gar keinen. Steve meinte, das hätte so in der Beschreibung bei Airbnb gestanden. Nun, dort war gestanden "kein Wifi", also dass die Unterkunft keines anbietet, wie es inzwischen oft Standard ist. Normalerweise brauchen wir das auch nicht unbedingt, weil wir ja unser eigenes Wlan haben, aber in der Gegend dort gibt es leider überhaupt keinen Empfang, für gar niemanden und das hat uns als Kinder der Zivilisation doch einigermaßen überrascht. Wir würden uns mit Wlan woanders aushelfen müssen. Dafür war die Aussicht phänomenal. Vor dem Haus ein See, Lough Mask, viel malerische Landschaft, dahinter die Berge, hinterm Haus eine Schafweise und ansteigende Berge, atemberaubende Natur, einfach herrlich und ein ganzes Haus ganz für uns allein. Wir hatten es wirklich schön getroffen.

Wir bedankten uns und fuhren eine halbe Stunde zurück nach Clonbur, um dort etwas zum Abendessen zu finden. Die Parksituation erwies sich als schwierig, doch endlich fand ich gerade so noch einen Parkplatz und ging zu Karin und Conny, die bereits einen Tisch bei Burkes Pub gefunden hatten. Das Essen an diesem Abend war nicht wirklich schlecht, aber keine von uns bekam das, was wir uns bei der Bestellung vorgestellt hatten, die Bedienung war auch mehr als stiefmütterlich, weil sie meist einfach an uns vorbeigingen und auch von der Theke, 3 m links von uns, nie auf versuchten Augenkontakt eingegangen wurde. Wir hätten ja vielleicht nochmal was zu Trinken oder Nachtisch bestellen können, auch auf die Rechnung mussten wir lange warten. Wir waren überhaupt nicht zufrieden, was wir bei der Bezahlung dann auch ehrlich erwähnten. Vielleicht hätte es uns im anderen Pub im Ort besser gefallen, wer weiß. Die Heimfahrt entpuppte sich dann als reinstes, nervenzehrendes Abenteuer. Im Gegensatz zur Hinfahrt, als wir auf der normalen Straße geblieben waren, führte mein Navi uns wieder auf die schmale Heckenstraße und danach statt über die Abzweigung mit der Spitzkehre auf eine kürzere, schmalere Straße, die sich als kurviger Gebirgspfad entpuppte, einspurig, ohne Beleuchtung oder Reflektoren und im Dunkeln mehr als riskant zu fahren, da man nie genau sah, wohin der Weg eigentlich führte. Wir waren mehr als erleichtert, als wir auf "unserer" Straße ankamen, dann noch die schmale und steile Einfahrt auf unser Grundstück im  Stockdunkeln... Wir nahmen uns vor, die nächsten Tage etwas früher heimzukommen, um noch etwas natürliches Licht zu haben, der Sicherheit wegen.

 

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© Daniela Biela