Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland
Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland

Montag, 06.09.2021

 

Am Montag, nach unserem bewährten Frühstück aus Toast und Ei, Schinken und Käse, Salami, Tee und Joghurt sowie Kaffee vom Deli für Karin machten wir uns diesmal nach Norden auf, um einige bedeutende Stätten früher irischer Hochkultur zu besichtigen. Ohne Vorbuchen ging es nicht und da wir zu dem Termin um 11 Uhr noch einige Zeit hatten, suchte ich in der Nähe nach einer Burg. Slane Castle war angeblich offen (ach ja, Google???), vor Ort aber dann doch leider geschlossen...

Naja. Wir drehten um, mittlerweile passte es mit unserer Anreise zur Weltkulturerbestätte Newgrange. Der Parkplatz kam uns bekannt vor wie von vor zwei Jahren und war fast leer. Unter einer Art bewachsenen Pergola führte ein recht langer Weg zum Eingang des Besucherzentrums. Hier wurden wir empfangen und bekamen Armbändchen und Bustickets. Der Eintritt war tatsächlich wie vorgebucht umsonst, wir bekamen  eine Einweisung. Zuerst sollten wir das moderne Museum anschauen, danach über den Fluss zu einer Bushaltestelle laufen und dort mit dem Bus zu den Hügelgräbern und zurück, alles zu einer festgelegten Zeit. Das Besucherzentrum arbeitete mit neuester Technik, um uns die jahrtausendealte Geschichte des Ortes nahezubringen. Der unten abgebildete Tunnel ist eine Replik des Tunnels am Hügelgrab von Newgrange, bei dem genau zur Wintersonnwende das Licht durch den verwinkelten Tunnel bis an die Tunnelrückwand scheint. Wir erfuhren auch, dass das ganze Tal entlang des Flüsschens Boyne reich an archäologischen Funden war und schon seit über 6000 Jahren besiedelt wurde. Die Hügelgräber verteilen sich auf zwei Stätten, Newgrange und Knowth, die zu unterschiedlichen Zeiten entdeckt und erforscht wurden.

Nach dem Museum gingen wir pünktlich über einen längeren Weg und eine Brücke über das Flüsschen Boyne zu einer kleinen Bushaltestelle, wo ein blauer Kleinbus des Besucherzentrums auf uns wartete. Wir durften unsere Tickets vorzeigen und einsteigen, dann ging es zügig zur ersten Haltestelle nach Knowth. Wegen Corona waren wir dort die einzige Gruppe mit vielleicht 24 Leuten und es war nicht so überfüllt. Die Hügelgräber aus der Frühsteinzeit sind ca. 5000 Jahre alt. Als man sie fand, waren die Hügel komplett überwachsen, auch zur Erde hin und kein Zugang erkennbar, man hat dies erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts behutsam ausgegraben und die seitlichen Steine mit ihren Mustern freigelegt. Innen fand man rituelle Gegenstände, die sich aber alle im Museum in Dublin befinden. Die Gräber konnten nicht wie erhofft von innen besichtigt werden. Auf dem größten hat man mit einer Treppe einen Zugang nach oben gebaut und von dort aus hat man einen Wahnsinns-Überblick!

Als nächstes fuhr der Bus mit uns ins benachbarte Newgrange, wo das große und wohl bekannteste Hügelgrab liegt. Wir hatten es bereits aus der Ferne von der Aussichtsplattform gesehen, mit seiner weißen Seitenwand sticht es weithin hervor. Auch dieses ist ca. 5000 Jahre alt und wurde von einer hochentwickelten Kultur erbaut, über die wir trotzdem nicht viel wissen. Vor dem Eingang hat man ein Podest gebaut, durch das man in den 19 m langen Tunnel schauen kann, in den man früher mal hinein durfte, klein und eng. Hier schien damals zur Wintersonnwende an 5 Tagen das Licht bis zum Tunnelende auf ein kleines Dreieck. Dass dies heute nicht mehr zu der Zeit so ist, liegt an den Veränderungen der Umlaufbahn der Erde über die 5000 Jahre.
Die Kammer von Newgrange ist seit 1699 begehbar. Man wusste damals schon um eine gewisse geschichtliche Bedeutung und konnte sich denken, dass die vielen Hügel im nahen Knowth etwas Ähnliches darstellten, aber Ausgrabungen gab es nicht bis in die späte Neuzeit. 1962 begann man mit archäologischen Arbeiten und Rekonstruktionen. Die helle Fassade, wie wir sie heute sehen, war ein Teil davon. Da der leitende Professor mit seinen Studenten immer nur in den Sommermonaten arbeitete, wurde der Effekt mit der Wintersonne erst Jahre später entdeckt.

Endlich brachte uns der Bus zurück und ich buchte nochmal schnell um. Im Besucherzentrum hatte man uns nämlich noch die nahegelegene Gedenkstätte für das Battle of the  Boyne empfohlen, über das wir überhaupt nichts wussten. Ich hatte schon Tickets gebucht, allerdings für eine frühere Ankunftszeit. Da die Tickets aber glücklicherweise nichts kosteten, war es nicht so schlimm und die 3 oder 4 km Entfernung waren ja praktisch nichts gegen sonstige Entfernungen. Schnell fanden wir einen Parkplatz auf dem riesigen Gelände und gingen zum Eingang des Besucherzentrums in einem alten Herrenhaus. Der Guide hinter dem Tresen begrüßte uns freundlich, wir waren seine Gruppe um 2 Uhr - also nur wir 3. Ein bisschen freundliches Gefrotzel und wir bekamen eine gründliche Einweisung über die Schlacht, die hier 1690 stattgefunden hatte. Es war eine selbstgeführte Tour über mehrere Räume mit großen Gemälden, Karten und Szenen mit lebensechten Figuren und zeigte uns einen Jakobitenkrieg, der eigentlich um die Herrschaftsansprüche auf den englischen Thron ging. William - Wilhelm III aus den Niederlanden, ein Protestant, kämpfte gegen James II - seinen Schwiegervater, der Katholik war. William gewann und wurde dann König von Großbritannien - vereinfacht gesagt. Es war wirklich sehr interessant und der Sachverhalt sollte uns noch an anderen Orten mehrmals begegnen. Draußen fanden wir noch ein Café, an dem wir uns selbst bedienen mussten, rein sitzen ging nicht, aber draußen auf der Terrasse in der Sonne zu sitzen war sehr angenehm. Der geometrisch angelegte Garten war auch wirklich wunderschön. Auf der Suche nach einem freien Tisch stieß ich noch auf die Café-Katze, dieser Kater hatte wirklich die Ruhe weg, lag quer auf einem Tisch und schlief tief und fest. Er war wohl auch schon etwas älter...

Durch einen dummen Zufall landeten wir nochmals beim Sloan Castle, diesmal am Seiteneingang mit einem tollen mittelalterlichen Tor. Gerade fuhr ein Mann mit einem Auto heraus, wir waren aber nicht schnell genug, um ihn zu fragen, ob wir uns die Burg nicht vielleicht doch von Nahem anschauen konnten. Also ging es nach ein paar Bildern wieder weiter.

Des weiteren hatten wir uns auf die berühmten Hills of Tara gefreut, auch schon eine sehr alte Stätte der irischen Hochkultur. Sie liegt nur eine halbe Stunde Fahrt entfernt. Der Parkplatz war ziemlich voll, wir fanden gerade noch einen Platz für unser Auto am Wegesrand und begaben uns auf die Wanderung hügelaufwärts, ca. 20 Minuten, teilweise auch über tiefe Einschnitte, bis wir auf dem höchsten Punkt weit und breit ankamen, bei den Monumenten und magischen Kraftkreisen für  Götter, Druiden, Feen und Könige. In der Mitte steht der Stein des Schicksals, Heimstatt der irischen Mythologie.

Man hatte eine tolle Aussicht über das ganze Umland und ich kam auf die Idee, noch ein oder zwei Burgen in der Nähe zu besichtigen, bevor es Zeit fürs Abendessen wäre. Drei Mädchen in Fußballtrikots gaben mir dazu Tipps.

Unterwegs machten wir einen spontanen Stop, denn wir waren ungeplant direkt an einem alten Kloster vorbeigekommen: Bective Abbey. Ein altes Zisterzienserkloster von 1147, das nach der Auflösung aller Klöster und Vertreibung der Mönche 1536 unter König Heinrich VIII zu einem Herrenhaus und auch mehrfach umgebaut wurde. Eine sehr schöne Ruine und wirklich sehenswert! Der Film Braveheart wurde teilweise auch hier gedreht.

So fuhren wir denn zum Trim Castle einige Kilometer entfernt direkt neben einem Parkplatz in der Stadtmitte. Ins Castle selbst konnte man leider nicht hinein, jedoch gab es eine schöne Aussicht drumrum, einen River Walk mit alten Brücken und einen alten Turm, alles sehr malerisch gelegen und sehenswert.

Ich hatte zuerst versucht, in Trim ein Lokal fürs Abendessen zu finden, aber dort war alles entweder geschlossen, ausgebucht oder zu teuer (Burgrestaurant). Dann kamen wir auf die Idee, an unserem letzten Abend in Dublin auch dort zu essen und zwar in dem Pub, bei dem wir vor zwei Jahren keinen Tisch bekommen hatten, der älteste Pub Dublins, The Brazen Head. In seiner heutigen Form stammt er als ehemalige Poststation aus dem Jahr 1754, es ist jedoch überliefert, dass es an diesem Ort seit mindestens 1198 eine Gaststätte gab. Wir hatten Glück und bekamen einen Tisch, den wir uns sogar aussuchen konnten und wir wollten lieber nach drinnen, dort war es wärmer und gemütlicher. Wir haben sehr gut gegessen und Karin kaufte sogar noch ein Tshirt des Pubs.

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© Daniela Biela