Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland
Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland

Mittwoch 08.09.2021

 

Am Mittwochmorgen wachte ich wie schon in den vergangenen Tagen gegen 7 Uhr von alleine auf und da von Conny noch nichts zu hören war, beschloss ich, gleich mal ins Bad zu gehen, so dass sie danach auch in Ruhe gehen könnte. Ich wusch nur kurz die Haare und machte mich fertig, danach war Conny schon wach und konnte auch gleich ins Bad. Leider war das schöne Wetter vom Vortag wie weggefegt und es war ein trüber Morgen mit Dauerregen. Während ich schon mal in der Küche werkelte und mich mit den Gegebenheiten vertraut machte, kam Conny aus dem Bad. Sie erzählte ziemlich sauer, dass kein Wasser mehr kam, sie hatte es kaum geschafft, ihre Haare auszuspülen, als das Rinnsal immer dünner wurde und inzwischen kam nichts mehr. Auch in der Küche hatten wir nur meine Trinkflasche, das aufgefangene Tropfen des Wasserhahns in einem Glas und noch einen kleinen Rest vom Wasserhahn, dann kam auch hier nichts mehr. Das fing ja gut an... Als ich Karin später weckte, musste ich ihr leider mitteilen, dass es für sie im Bad gar kein Wasser mehr gab, und im WC nur noch das, was noch im Spülbehälter war. Nun fiel uns wieder ein, was Steven am Vorabend gesagt hatte: "Wenn es ein Problem gibt, kommt einfach runter, ich wohne nur zwei Häuser weiter rechts im kleinen Haus mit hellblauem Dach, ihr könnt es nicht übersehen." Telefonverbindung gab es hier in der Einöde ja auch nicht, darum blieb mir nichts anderes übrig, als meine Regenjacke anzuziehen und mich mit meinem Schirm zu bewaffnen. Kaum war ich die Einfahrt runter gegangen, hielt ein Auto neben mir ein, ein kleiner dunkelblauer Corsa und der Mann fragte mich, warum ich hier unterwegs war. Sein Name war Michael, ein benachbarter Bauer, ich sagte "Wir haben kein Wasser mehr" und er meinte, das wäre jetzt bei allen hier so, auch bei ihm. Ein paar Kilometer aufwärts sei die Leitung gebrochen, aber das wäre kein großes Problem, das wäre früher auch schon mal vorgekommen und bis zum Abend spätestens wäre das wieder in Ordnung, wie damals auch. Okay, das war schon etwas beruhigend, half uns aber vorerst nicht weiter. Darum ging ich noch weiter bis zu Steves Haus, ein kleines hellblaues Cottage. Seine Freundin holte ihn, ich schilderte ihm unser Problem und er versprach Abhilfe in Form von Wasserkanistern. Eine halbe Stunde später war er tatsächlich bei uns und brachte 3 große Behälter mit je 5 Liter Trinkwasser. Mit einem davon füllten wir die Toilettenspülung, der Porzellandeckel ließ sich gut abheben, aber damit würden wir natürlich nicht weit kommen. Zum Tee und Kaffee kochen war es natürlich vorzüglich. Hier konnte ich Karin zum ersten Mal mit einer Presskanne Kaffee kochen und der hat ich sehr gut geschmeckt. Danach überlegten wir uns etwas anderes, denn draußen gab es ein Fallrohr vom Dach, welches über einem Gitter endete, da konnten wir Regenwasser auffangen. Dies war mehr als ausreichend fürs Toilettenwasser. Da der Platz dem gebogenen Rohrende und dem Gitter so eng war, mussten wir das Wasser immer mit einer kleinen Müslischüssel auffangen und alle paar Sekunden in den großen Eimer umfüllen. Dadurch war die Angelegenheit mühsam und sehr zeitaufwändig. Wir sammelten noch einige Liter auf Vorrat, da wir nicht wissen konnten, ob wir abends nach der Rückkehr wieder Leitungswasser haben würden und falls nicht, ob es dann auch gerade regnen würde.

Endlich, deutlich später als ursprünglich gedacht, konnten wir aufbrechen. Die Landschaft zeigte sich grau in braun und grün mit dichten Regenwolken, nicht gerade wie erwünscht, aber trotzdem faszinierend und die Berge in ihrer Wucht und Majestät geradezu atemberaubend. Und Wasser überall, unsere Straße führte uns auch talabwärts meist am Bach entlang. Unterwegs trottete auch schon mal eine Herde Schafe seelenruhig vor uns her, bevor sie sich dann doch mal auf die Seite bequemten, sehr ungnädig, wie ich bemerken muss.

Als erstes besuchten wir den Wasserfall Aasleagh Falls, am hinteren Ende des Killary Harbour Fjords gelegen. Leider war es so richtig am Regnen, so dass wir nicht näher ran konnten, wir zogen es daher vor, vom Auto aus zu fotografieren. Ein breiter Wasserfall in einem flachen schwarzen Felsenbett. Danach führte unser Weg am südlichen Ende von Irlands einzigem Fjord entlang, ein schmales Tal, welches nach Westen hin immer breiter wurde.

Nun ging es zu einem Höhepunkt unserer Tagesreise, zur Kylemore Abbey. Das hätte ich vor zwei Jahren schon gerne besucht, es ließ sich damals jedoch aus Zeitgründen nicht unterbringen. Nun hatten wir alle Zeit der Welt. Die Buchung, die ich online von zu Hause aus gemacht hatte, war glücklicherweise wieder ohne Termin, aber dafür leider nicht ganz billig. Wir fanden einen guten Parkplatz und von da aus waren es nur vielleicht 300 Meter bis zum Besucherzentrum. Dort schauten wir uns noch etwas um und plauderten in der Hoffnung auf nachlassenden Regen mit den anwesenden Damen von der Aufsicht, schließlich brachten wir doch noch die paar Meter zum Eingang hinter uns. Die Abbey ist ein ehemaliges Herrenhaus, welches später zum Kloster mit Mädcheninternat umgebaut wurde und inzwischen wurde auch die Schule aufgelöst, weil die Nonnen zu alt geworden sind.

Es ist die älteste irische Benediktinerinnenabtei von 1665, seit 1920 in dem Gebäude untergebracht, was dort 1870 als Stammhaus von dem Großindustriellen und Politiker Mitchell Henry und dessen Ehefrau Margaret erbaut wurde. Der Bau dauerte bis 1871. Die Henrys hatten neun Kinder. Während eines Urlaubs 1874 in Ägypten erkrankte Margaret Henry und verstarb innerhalb weniger Tage. Sie wurde nach Kylemore zurückgebracht und in dem für sie errichteten Mausoleum beigesetzt. Als Mitchell Henry 1910 verstarb, wurde auch seine Asche hier, an der Seite seiner Frau, bestattet. Zwischen 1877 und 1881 ließ Mitchell Henry eine Gotische Kirche zum Andenken an seine Frau erbauen. Im Juli 1903 war der englische König Edward VII in Begleitung seiner Tochter Prinzessin Victoria zu Besuch in Kylemore. Es gab Gerüchte, der König wolle das Schloss kaufen und als königliche Residenz nutzen, es war ihm aber wohl zu teuer. Am 22. September 1903 verkaufte Mitchell Henry das Schloss und die Ländereien für 63.000 Pfund an den Herzog von Manchester und seine Frau. Finanziert wurde der Kauf größtenteils von seinem Schwiegervater, dem Ölbaron Eugene Zimmermann. Als dieser 1914 verstarb, erwarb der Londoner Bankier und Immobilienmakler Ernest Fawke das Anwesen, der es so lange verwalten ließ, bis ein neuer Käufer gefunden war. 1920 erwarb das Benediktinerinnenkloster das Schloss mit dem umliegenden Gelände für 45.000 Pfund.

Wir konnten uns das Gebäude inklusive Museum und ehemaligen Wohnräumen in Ruhe ansehen, es war wirklich alles sehr schön gestaltet. Danach hatte der Regen endlich aufgehört, die Sonne kam etwas raus und wir gingen am See entlang zur Gotischen Kirche, die auch sehr schön war.

Danach gönnten wir uns noch einen Imbiss im dortigen Café, welches leider ziemlich teuer und qualitativ nicht besonders gut war. Die Tische, deren Oberfläche immer wieder nur mit Desinfektionsmittel abgewischt wurden, wiesen inzwischen eine dicke Schicht davon auf und waren überaus klebrig. Einfach eklig.

Den Rest des Tages hatte ich nicht fest verplant, sondern nur ein paar Ideen gesammelt. So fuhren wir zunächst noch ein Stück weiter nach Westen über schmale Bergstraßen bis zu einem Aussichtspunkt, den ich auf der Landkarte gefunden hatte - Ardnagreevagh und dort Renvyle Beach mit einer Turmruine - Renvyle Castle. Inzwischen war das Wetter sehr freundlich und die Seeluft herrlich.

Wir versuchten uns an der Küste zu halten und hielten immer mal wieder an, wenn die Aussicht einfach schön war. Schließlich suchten wir noch das D'Arcy Castle bei Clifden, was eine ziemliche Odyssee war, denn die vermeintliche Straße führte nur oberhalb dran vorbei, eine burgähnliche Toreinfahrt war als Privatgrundstück gekennzeichnet, so dass wir schon aufgeben wollten, schließlich schickte uns ein Anwohner doch genau dort hin. Also wurde es eine 20-minütige Wanderung über einen steinigen, unebenen Weg abwärts, bei der man nach jeder Kurve hoffte, jetzt endlich doch die Burg zu sehen und trotzdem bei jedem Schritt Pfützen und Kuhfladen ausweichen musste. Die Burg erwies sich als komplette Ruine und von nahem betrachtet als nicht besonders sehenswert.

Obwohl wir eigentlich eine große Runde fahren wollten, war es dafür bereits etwas spät und wir fuhren doch den gleichen Weg wieder zurück Richtung Cottage. Von unserwegs suchte ich uns ein Restaurant für den Abend. Der berühmte Gaynor's The Field Pub in Leenane bot leider nur Lunch an, kein Dinner, dafür konnte ich nebenan im Blackberry Cafe & Restaurant einen Tisch reservieren. Ausschlaggebend für unsere Buchung war, dass sie auch Irish Stew anboten. Und diesmal hatte Karin endlich Glück und es war die Sorte Irish Stew, die sie mochte und endlich mal essen wollte. Auch Connys und mein Essen war sehr, sehr lecker, die Bedienung freundlich und schnell, wir können das Restaurant nur wärmstens empfehlen!

Diesen Abend waren wir früh genug dran, um noch in der Dämmerung bei Restlicht die Auffahrt zu unserem Cottage zu finden, damit ich mich nicht wieder in der Dunkelheit hochtasten musste.

Eine weitere Überraschung brachte der Abend noch: als wir in der Küche zusammensaßen, gab es einen lauten Knall: Die Birne der Flurlampe war nach unten gefallen und mit Getöse in tausend Scherben zerborsten. Wir beseitigten die Sauerei mit Handfeger und Staubsauger; eine gründliche Suche förderte alles mögliche zutage, aber leider keine Ersatzbirne.

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© Daniela Biela