Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland
Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland

Montag 13.09.2021

 

Am Montag genossen wir ein ruhiges Frühstück in unserem Ferienhaus. Zum einen waren alle Räume großzügig geschnitten, vor allem Küche und Esszimmer waren sehr groß, zum anderen war die Küche nur minimalistisch mit Besteck und Geschirr ausgestattet, teilweise auch nicht ganz sauber. Da es hier gar keine normale Möglichkeit gab, Kaffee zu kochen, verwendeten wir den Wasserkocher und 2 Küchentücher als Filter, also eine Variante der ganz altmodischen Art. Nach dem Frühstück ging es von Letterkenny Richtung Osten nach Londonderry oder Derry, wie die Stadt umgangssprachlich genannt wird. Der Grund für die Übernachtung in dieser Gegend war die Grenznähe zu Nordirland und da ging es auch gleich hin. Vorher machten wir an der tief eingeschnittenen Bucht von Letterkenny noch ein paar Bilder von oben:

Der Grenzübertritt nach Nordirland war wieder total unspektakulär, man merkte es nur an der etwas anders aussehenden Beschilderung, kein "Herzlichen willkommen in...", wie man es bei uns sogar an Landkreisgrenzen mittlerweile sieht. Aber immer noch deutlich besser als Grenzpfosten und Corona-Kontrollen, wie wir befürchtet hatten. Das Wetter meinte es auch deutlich besser mit uns als vorhergesagt, es war zwar nicht sonnig, aber wenigstens trocken, der angekündigte Regen würde erst gegen Abend kommen. Wir waren ja dankbar für kleine Gnaden...
In Londonderry hatte Karin sich fest vorgenommen, die Altstadt auf der Stadtmauer zu umrunden und da dies insgesamt nur ungefähr eine Meile war, erfüllten wir ihr den Wunsch gerne. Die Mauer ist aus den Jahren 1613-1618 und noch immer in sehr gutem Zustand, der Wehrgang ist immer mehrere Meter breit begehbar. Wir fanden einen Parkplatz in der Nähe eines Tores und auch den Aufgang zur Mauer: Bishop's Gate, von da aus wandten wir uns nach rechts. Natürlich hielten wir auch Ausschau nach den Murals, den berühmten Wandgemälden auf Hauswänden und fanden gleich oben nach der Battery das erste.

Am New Gate stiegen wir die Treppe hinab, um die Kathedrale St. Columb's Cathedral zu besichtigen, die wir von der Mauer aus schon aus der Ferne bewundert hatten. Doch wir hatten leider Pech. Wir umrundeten die Kirche und probierten alle Türen, befragten Leute in der Nähe, die bestätigten, dass sie eigentlich offen sein sollte, aber es half nichts - wir kam leider nicht rein. Sehr schade.

Die gleiche Treppe stiegen wir wieder hinauf und setzten den Rundgang über die Stadtmauer fort. In diesem Bereich ging es teilweise steil bergab. Wir fanden die City Hall mit den Wasserspielen auf dem Vorplatz, das Tower Museum, mehrere Kirchen, die Bastion und die Aussichtsplattform über das Tal und den Großteil der Stadt. Sehr beeindruckend! Und wir schafften das in etwa einer Stunde, so lange, wie auch unsere Parkzeit voraus bezahlt war.

Da wir in der Nähe der Stadtmauer und auch des Parkplatzes keine Möglichkeit gefunden hatten, brauchten Karin und ich nun dringend eine Toilette. Dazu suchten wir uns einen Parkplatz in der Nähe eines Cafés. Conny blieb im Wagen, um aufzupassen, doch Karin musste nochmal zurück, weil sie ihre Maske vergessen hatte. Draußen saßen zwei Frauen und eine sprach ich an, weil ich sie für Personal hielt, ob wir hier auf Toilette könnten. Nein, sie war Gast, nur zum Rauchen draußen. Sie fragte mich, woher ich komme. "Deutschland" - "Ah, Deutschland. Hab gehört, das ist eine schwere Sprache... Ich war noch nie im Ausland, nur mal in den Niederlanden". Aha. Und was hat das mit mir zu tun? Dann rief sie nach ihrer Freundin: "Hey Janet, kannst Du Sprachen?" Konnte sie natürlich nicht und war auch vollkommen unwichtig. Auf dem Niveau ging es noch eine Weile weiter und ich war sehr froh, als Karin endlich kam und wir rein gingen... In Derrys Altstadt sahen wir noch einige Murals, dann waren wir schon aus der Stadt draußen, nun unterwegs in Irlands höchsten Norden, zur nördlichsten Landspitze. Diese liegt in der Republik Irland auf der Halbinsel Inishowen. Wir hielten mehrmals an der Küste an und machten ein paar schöne Bilder, auch von den vielen kleinen vorgelagerten Felseninseln.

Kurz vor knapp fiel mir noch ein, was ich in meinem Bildband über Irland über einen ganz besonderen Laden gelesen hatte und wir hatten Glück und waren auf der richtigen Straße, denn gleich zwei Straßen führten zur Landspitze. Gleich darauf sahen wir links "The Curiosity Shop" und sofort fuhr ich links ran. Es war der nördlichste Shop von ganz Irland und wurde geführt von Peter McAvenue, der nach einem kurzen Klingeln gleich kam. Hier fand man fast alles, Blechschilder, Porzellanfigürchen und -tassen, alte Münzen, Poster, Flaschenöffner, Krimskrams und Dekoration aller Art. Peter schenkte uns Landkarten von der Gegend. Gerne wollten wir hier etwas kaufen und natürlich war auch klar, dass Conny hier nicht einfach raus zu bekommen sein würde. Mit Peter konnte man sich gut unterhalten und es war wirklich ein denkwürdiger Stop!

Malin Head ist der Name der nördlichsten irischen Landspitze auf dem Festland, dahinter gibt es nur noch eine kleine Insel. Eine enge Straße wand sich hinauf, es wurde wild rechts und links geparkt. Wir fanden eine Lücke ganz links auf einem befestigten Parkplatz gegenüber vom Toilettenhäuschen, an dem die ganze Zeit ein nerviger, lauter Alarm piepte. Von da aus erklommen wir die letzten paar Höhenmeter und sahen, dass der Betonturm eine alte Ruine war, links daneben hatte es noch ein paar Bunkerruinen und einen Imbissstand. Wir sahen die Gruppe von 3 Pärchen auf Motorrädern wieder, die wir unterwegs schon ein paar Mal gesehen hatten und auch sonst waren viele Leute auf dem kleinen Hügel. Es gab auch noch einen Weg ganz vorne an den Klippen entlang, aber das war uns zu rutschig und mühsam. Hier oben fängt der Wild Atlantic Way an, die berühmte Straße an Irlands Westküste - oder endet er hier?

Wir fuhren die andere Straße südlich zurück, sie war schmaler und verwinkelter. Es gab hier draußen nur ein paar winzige Dörfer, einzelne Bauernhäuser und Schafe, viel Gras, Wolken und Wind.

Kurz danach merkte ich, dass der Tank fast leer war, nur noch Sprit für etwa 40 Kilometer und wer wusste schon, wann wir eine Tankstelle finden würden? Da fand Conny eine, ich war gerade dran vorbeigefahren und musste kurz umdrehen. Es war eine ganz altmodische Zapfsäule wie aus einem alten Film, aber noch in Betrieb und die Motorradgruppe tankte gerade. Nicht gerade billig dort, aber was will man machen.

Wir fuhren immer an der Küste entlang, wenn möglich, und hielten gleichzeitig Ausschau nach weiteren Sehenswürdigkeiten. So fanden wir auch spontan den Glenevin Waterfall und fuhren dort auf den Parkplatz. Leider sahen wir auch, dass der Weg uns hin und zurück jeweils 20 Minuten kosten würde und soviel Zeit und Lust hatten wir dann doch nicht. Das Schild am Brunnen jedenfalls war witzig - ich nannte ihn Irlands kleinster Wasserfall!

Die schönen irischen Straßen... manche davon sind schön breit und gut befahrbar. Viele der Nebenstrecken sind kaum breit genug für 2 Autos, die langsam und vorsichtig aneinander vorbeifahren und manchmal noch nicht mal für das, dazu uneben und wellig. An dem Tag beklagte sich Conny, hier sei es so uneben, dass man auch auf der Straße seekrank würde und wir kringelten uns mal wieder vor Lachen.

Als nächstes dann nur wenige Kilometer entfernt das Fort Dunree. Dies ist eine Verteidigungsanlage an der Westküste der Halbinsel. Sie sitzt auf einer kleinen Steilinsel, durch einen schmalen Einschnitt vom Festland getrennt und mit einer kurzen Metallbrücke damit verbunden. Erbaut wurde das Fort bereits zu napoleonischer Zeit, danach Ende des 19. Jahrhunderts wieder aktiviert und war vor allem im 2. Weltkrieg in Betrieb. Eigentlich hätte es teuren Eintritt gekostet, aber wir kamen so rein und haben uns kurz die Außenanlagen angesehen, hauptsächlich Kanonen und ein Flugabwehrgeschütz. Es hat auch noch ein Museum über die örtliche Vogel- und Meereswelt usw.

Weiter ging es an der Küste entlang Richtung Süden, wo ich bei Fahan einen kurzen Stop einlegte, um an einem Strand die Füße ins Meer zu bringen. Einmal wenigstens...

In Fahan dann hielt ich an, damit Karin und Conny eine alte Kirche mit einem 1400 Jahre alten irischen Kreuz besuchen konnten. Es gab nur Platz an der Bushaltestelle, also blieb ich im Auto sitzen. Natürlich kam auch gerade ein Bus von hinten und der Fahrer war nicht begeistert von mir.

Während der Wartezeit hatte ich noch einen Steinkreis gefunden, der einigermaßen auf unserem Rückweg zur Unterkunft lag: Beltany Stone Circle. Es war wie so oft ein schmales Sträßchen, das zu einem Parkplatz führte, eher eine kleine Verbreiterung der Straße, und doch stand dort gerade ein Reisebus. Die Fahrgäste, eine deutsche Reisegruppe, kam gerade den Wanderweg herunter und einer wünschte uns "Viel Spaß". Wir waren nicht ganz sicher, ob er es ehrlich oder sarkastisch meinte. Jedenfalls ging es gut 10 Minuten bergan, bis wir zu einer Wiese kamen, auf der Schafe weideten. Wir konnten den Steinkreis schon sehen. Die nächsten 5 Minuten durchs hohe Gras hatten wir aber kaum einen Blick dafür, denn überall lagen Schaffladen und wir setzten jeden Schritt bewusst und vorsichtig, um nicht reinzutreten, auch wenn wir deutlich sahen, dass die vorhergehenden Besucher nicht alle so vorsichtig waren. Aber ich drohte meinen beiden Freundinnen damit: Wer reintritt, darf nicht ins Auto, sondern muss heimlaufen!

Der Steinkreis ist mit 44 Metern Durchmesser und 64 erhaltenen Steinen einer der größten Irlands, die Steine sind zwischen gut einem und 2 Meter groß. Aber auch hier hatten die Schafe keinen Respekt und liefen auch durchs Kreisinnere, also mussten wir wirklich überall gut aufpassen. Das Alter des Steinkreises wird auf etwa 3000 - 2000 vor Christus geschätzt. Knapp unter dem Eingang zur Wiese fanden wir im Wald noch die sehr alten Überreste einer sehr alten Hütte.

Solch alte Steinkreise und ähnliches beeindrucken mich jedes Mal sehr tief. Die Vorstellung, dass etwas Menschengemachtes so wahnsinnig alt ist und noch dazu ein mystischer Ort, verleiht mir Ehrfurcht. Es ist ein Wunder, dass er bis heute so überlebt hat!

Im Ferienhaus zogen wir uns um, dann ging es in die Stadt zum Essen in die "Brewery", einen schönen rustikalen Pub, den uns tags zuvor Sean empfohlen hatte. Das Essen dort war nicht schlecht, aber nicht unbedingt das, was wir bestellt hatten. Zum Absacken gingen wir noch schräg über die Straße wieder in die McCafferty's Bar und gönnten uns ein paar Cocktails und ein Bier.

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© Daniela Biela