Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland
Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland

August 2016

 

 

Freitag, 05.08. - ab Gondelsheim/Edinburgh

 

 

Dies ist die Beschreibung der nächsten Reise, die ich in das Land der Schotten unternommen habe und da ich mir fest vorgenommen hatte, dieses Mal das Tattoo in Edinburgh zu besuchen, welches immer 3 Wochen im August stattfindet, war der Reisetermin schon lange vorher einigermaßen klar und ich habe auch recht früh einen Flug gebucht. Ab dem Frühjahr diesen Jahres bot Easyjet Flüge von Stuttgart nach Edinburgh an, was mir sehr entgegenkam, da ich zum Flughafen Stuttgart nur ca. 1 Stunde Fahrt habe. Eigentlich hatte ich auch vorgehabt, mich hinfahren zu lassen, damit die lästige Parkplatzsuche und -gebühren wegfallen, aber dann war zu der Zeit eine Großbaustelle an der A8 bei Leonberg mit Riesenstaus und eine Freundin empfahl mir Anreise mit der Bahn. Das stellte sich als gute Idee heraus, das Bahnticket kostete auch nur ca. 20 Euro und so kam es, dass meine Tochter mich mit dem Auto zum Zug nach Bruchsal brachte. Mit dem ICE ist man in einer halben Stunde in Stuttgart, dort muss man dann ein bisschen an der S21-Baustelle entlang laufen bis zum S-Bahnhof, der im alten Bahnhofsgebäude im UG ist. Ich hatte reichlich Zeit bis zur Abfahrt, dann noch ca. 15 Minuten raus bis zum Flughafen und man kommt direkt unterm Terminal an, muss nur noch mit der Rolltreppe hoch, ganz entspannt. Ich hatte wieder mal nur den Handgepäckkoffer (von wegen, Frauen und zuviel Gepäck!), die Handtasche und zwei Jacken dabei, die ich kurzerhand übereinander anzog. Easyjet und Ryanair ist kein wirklich großer Unterschied beim Fliegen, aber der Preis war natürlich günstig, allerdings auch fast die einzige Möglichkeit von Stuttgart nach Edinburgh.

Bei der Ankunft empfing mich warmes Sommerwetter von gefühlten 25 Grad, also erstmal die Jacken aus und per whatsapp an die Family, die ja immer noch über das schlechte Wetter in Schottland unkt. Diesmal hatte ich darauf geachtet, meinen Mietwagen bei einem Anbieter im Mietwagencenter direkt am Airport zu buchen, man läuft da so 400-500 Meter ab dem Ausgang nach links zu einem Oktagon. Am Schalter erfuhr ich, dass ich ein wesentlich größeres Auto bekommen würde als gebucht, dass man aber kein anderes mit Automatik und Navi habe. Außerdem empfahl man mir dringend eine Aufstockung der Versicherung, obwohl ich schon mit Vollkasko gebucht hatte, in Großbritannien sei die Eigenbeteiligung von immerhin 1200 Pfund auch bei einem unverschuldeten Unfall futsch. Das fand ich unglaublich, habe die recht teuere Aufstockung abgelehnt und auf mein Glück und meine Vorsicht gehofft.

Auf dem Parkplatz konnte ich dann meinen Augen kaum trauen: Ich hatte einen Kleinwagen gebucht, durchs Navi-Package war ich schon bei BMW 3er-KLasse, aber vor mir stand eine große Jaguar Limousine! Der Mitarbeiter meinte nur schulterzuckend "no other one available" und ich war kurz vorm Ablehnen. Ich kannte schon vom Vorjahr die schottischen Nebenstraßen und im Hochland sind die dann eher noch enger. Aber die einzige andere Möglichkeit wäre ein Auto ohne Navi (oder Automatik) gewesen, und das war absolut keine Option. Also erstmal rund ums Auto und abschnittweise fotografieren (das ist ein MUSS!), es gab in jedem Abschnitt auch schon mindestens einen kleinen Kratzer, nichts Großes, aber immerhin. Das Innere war noch viel beindruckender: Weißes Leder und Edelausstattung, die Automatik über Drehknopf, absolute Luxusklasse!

Also mein lachhaft kleines Köfferchen in den Kofferraum packen, in die Nobelkarosse einsteigen, welches für die nächsten 9 Tage mein rollendes Zuhause werden sollte, das Navi mit dem ersten Ziel (Liste!) programmieren und voooorsichtig los.

Da mein Flug diesmal schon vormittags ging, hatte ich noch gut den halben Tag übrig. Mein Hotel, das Apex am Haymarket, war gut zu finden, hatte einen eigenen Parkplatz, den ich für den Mietwagen ja brauche und eine winzige Rezeption. Die beiden Mitarbeiter waren aber überaus hilfsbereit und halfen leihweise auch mit einem Steckdosenadapter aus, da ich meinen zu Hause vergessen hatte. Seltsam, trotz Listen und vieler Gedanken, die man sich macht, irgendwas vergisst man immer...

 

Das Zimmer war sehr schön, wenn auch klein, und sauber. Hier eine Erklärung, warum ich dieses Hotel ausgesucht habe: Wollte eigentlich wieder das Apex am Grassmarket buchen, weil ich in 2015 dort sehr zufrieden war und es sehr zentral liegt, direkt unter der Burg. Damals, im September hatte es ca. 120 € gekostet, nun, im August, wäre es knapp das 3-fache gewesen! Das war mir dann doch etwas zu teuer und ich musste auf ein Hotel etwas weiter westlich ausweichen, das aber immer noch über 200 kostete, zwar nur für eine Nacht, aber immerhin. Aber es war August, somit nicht nur Tattoo-, sondern vor allem auch Festival-Zeit und was das heißt, sollte ich noch erfahren... Ich war ja primär wegen des Tattoos in der Stadt.


Ein paar Meter östlich des Hotels gab es einen Tesco Express, das sind die kleinen, meist innerstädtischen Ableger der riesigen Tesco Supermärkte, die man normalerweise am Stadtrand findet und in denen man sich auch gerne mal verlaufen kann. Aber im Tesco Express bekam ich alles, was ich aus Zeit- oder Platzgründen nicht dabei hatte, Shampoo, Insektenschutz, Sonnenmilch (ja, ich weiß, ich bin in Schottland, aber auch hier scheint im Sommer manchmal die Sonne!), Wasser, Brot, Wurst und Käse, Äpfel und fast alles andere für die nächsten Tage, nur noch keinen Adapter.

Meine Beute brachte ich ins Auto und nahm den Bus in die Innenstadt bis zu einer Haltestelle in der Princes Street am Rande der Fußgängerzone mit vielen Geschäften und großen Ketten. Direkt nebendran beginnt der Park Princes Street Garden, unterhalb des Schlosses in einem relativ tiefen Tal gelegen. Hier gingen während der Zeit vor der unterirdischen Kanalisation die meisten Abwässer von dieser Seite des Burghügels hinein und wahrscheinlich ist deshalb die Erde dort so fruchtbar.

Ich lief ein wenig durch den Park, bis ich zu einem zunächst seltsamen, barock anmutenden Bauwerk kam und erfuhr, dies ist das Scott Monument für den berühmten Dichter Sir Walter Scott aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er wird auch gern als „schottischer Nationaldichter“ bezeichnet und war zu seiner Zeit einer der meistgelesenen überhaupt. Man kann im Turm innen auch hochsteigen und hat dann eine tolle Aussicht über die neueren Stadtteile und den Park.

Hier bog ich ab in die Straße The Mound, die in einem großen Bogen und ständig steiler werdend, bis man nur noch kleine Schritte machen kann, hoch führt zum Lawnmarket knapp unterhalb der Burg. Dies ist die Royal Mile, die vom Castle direkt abwärts bis zum Holyrood Palace führt und hier steppt buchstäblich der Bär. Es gibt nicht nur zahlreiche Shops mit Souvenirs, Kilts und anderen schottischen Kleidungsstücken, sondern auch einen kleinen Kunsthandwerkermarkt rund um die Kathedrale und die ersten Absperrungen zur Aufstellung der Teilnehmer fürs Tattoo, welches an diesem Abend das erste Mal von gut 3 Wochen Dauer stattfinden soll. Ich bin erst mal durch ein paar Shops, weil ich nach einem Ersatz für meine im Jahr zuvor gekaufte, aber leider zerbrochene Tasse gesucht habe. Nach viel Sucherei – endlich habe ich sie gefunden, denn ich hing wirklich ziemlich daran und mit dieser Form hat sie einfach mehr Charakter als die Billigtassen, die man sonst so findet. Dann fand ich im gleichen Shop auch noch einen Umhang im gleichen Tartan wie mein dunkles blau-grünes Kostüm (Diana Gabaldon in Ihrer Cameo-Rolle als Iona MacTavish in Episode 104) und das dieser Tartan „Black Watch“ heißt, wie ich nun weiß. Reine Wolle (hoffentlich!), runtergesetzt und nur noch teuer, aber nicht mehr sehr teuer. Ich hoffte, dass dieses Teil mich abends beim Tattoo auf der Tribüne wärmen würde, fand auch noch eine Fraser-Nadel als Verschluss dazu und freute mich. Geld ist schließlich nicht alles, oder?

Vor der St. Giles Cathedral zu Beginn der High Street war ein Kunsthandwerkermarkt, bei dem mir unter anderem Mittelalterschmuck ins Auge fiel, u. Anderem ein wunderschöner Silberring mit einem großen, sehr ausgefallenen Stein, den ich gern meinem Mann mitbringen wollte, aber der Ring war ziemlich teuer und leider auch etwas klein (am Finger, nicht der Stein, der war riesig!), ich schickte ihm ein Foto und vertagte die Entscheidung.

Ich bog ab auf die George IV Bridge, eigentlich eine Straße, die weiter vorne in 4 Stockwerk Höhe über den Cowgate geht und gleich dahinter liegt das Café „The Elephant House“, welches dafür berühmt ist, dass hier Joanne K. Rowling ihr erstes Harry Potter-Buch geschrieben hat, als sie noch von Sozialhilfe lebte und ein warmes Plätzchen brauchte, um zu schreiben. Nichts Besonderes von außen, ein ganz normales Café mit Imbiss, aber einer tollen knallroten Fassade.

 

Nachdem ich nochmals hoch über den Lawnmarket durch den sich anbahnenden Festivalbetrieb geschlendert war, ging ich über die Treppen abwärts zum Grassmarket, weil ich wusste dass dort eine Bushaltestelle war, um zurück zum Hotel zu kommen.

Ich wollte mich duschen, umziehen und einen Platz in einem besonderen Restaurant buchen: Dem Fisher's in der Thistle Street. (Wer genauer wissen will, was es damit auf sich hat, möge bitte den Bericht vom Samstag in 2015 nachlesen).

Zuerst erschien es am Telefon schwierig, alles schon voll, es sei schließlich Festival-Zeit, aber mit ein bisschen Bitten bekam ich wieder einen Platz am Tresen zugesagt und ja, Graham sei auch da. Perfekt!

Um es mir einfacher zu machen und pünktlich zu sein, bestellte ich mir ein Taxi vom Hotel zum Restaurant. Schließlich wollte ich auch später pünktlich zum Tattoo um 9 Uhr kommen und trotzdem in Ruhe essen. Wie versprochen, bekam ich meinen Platz direkt an der Theke und konnte in Ruhe etwas bestellen. Das Restaurant füllte sich nur nach und nach. Hier ein kleiner Ausschnitt aus der Speisekarte, damit ich später wusste, was ich bestellt hatte:

Während des Wartens aufs Essen hatte auch Graham für mich Zeit, ein unglaubliches Glück für mich, dass er immer noch sowohl als Komparse für Outlander als auch als Kellner tätig war und auch an diesem Abend Dienst hatte. Diesmal konnte er mir nur von Staffel 2 erzählen (die bei uns schon gelaufen war), aber nichts über Staffel 3 (die schon abgedreht war), mal sehen, ob ich ihn da auch finde. In Staffel 2 ist er z.B. der englische Soldat, der nach dem Ende der Schlacht von Prestonpans sich vor lauter Angst auf dem Boden zusammenrollt und auch in etlichen anderen Szenen war er zu sehen.
 

Nach dem Essen gings zu Fuß Richtung Edinburgh Castle zum Tattoo, nur ein paar Blocks, nichts was man nicht zu Fuß gehen könnte. Ab The Mound geht’s allerdings steil bergauf, zuletzt über eine lange Treppe und spätestens bis man oben ankommt, ist jeder bis auf einen Spitzensportler außer Atem. Die Treppe mündet in einer schmalen Close an der Kreuzung vor The Hub (eine ehemalige Kirche, die jetzt Museum und Festivalort ist). Aber ich darf nicht Richtung Burg, sondern muss entlang der Absperrungen hangabwärts zum Beginn der laaangen Schlange. Als ich mich gerade anstelle, beginnt es zu tröpfeln und ich bemerke, dass ich einen gravierenden Fehler gemacht habe: Ich habe mich vom schönen Wetter des ganzen Tages einlullen lassen und überhaupt nicht mit Regen gerechnet, nur mit Kälte und dagegen habe ich meinen schönen neuen Wollumhang angezogen. Gegen Regen hilft der aber nicht lange. Es geht teilweise gar nicht und wenn, dann immer abschnittsweise vorwärts. Ringsum spannen die Leute ihre Regenschirme auf, schließen ihre Regenjacken und Kapuzen oder ziehen solch dünnen Regenumhänge an, die wir z.B. aus Freizeitparks kennen, ich aber habe nichts dergleichen, mein Regenschirm – den ich natürlich dabei habe! - liegt schön brav im Hotel und hilft mir gar nichts. Ich kann auch nicht mal eben raus und mir was besorgen, weil ich sonst meinen Platz in der Schlange verlieren würde, seitlich raus geht nicht und vorwärts geht es nicht wirklich. Man erzählt mir, dass mein schöner Wollumhang durch den Regen sicher verfilzen würde, aber ich weigere mich einfach mal, das zu glauben. Nach einer gefühlten halben Stunde – ich bin inzwischen richtig nass – bin ich weit genug oben in der Straße Castlehill, wo keine Absperrungen mehr stehen und inzwischen das Wasser in den Rinnen bachartig abwärts läuft. Ich überzeuge einen Ordner, dass ich nur kurz rausgehe in einen Souvenirshop und finde dort tatsächlich noch einen Regenumhang, der Preis ist mir in dem Moment so was von egal, ich glaube es waren 4 Pfund. Ist zwar ein bisschen spät, wenn man schon ziemlich durchnässt ist, aber trotzdem. Es regnet schließlich ständig weiter. Im Tattoobereich warte ich schließlich so lange wie es geht unter den Aufbauten zum Tribünenausgang, damit ich nicht unnötig lange im Regen sitzen muss. Es geht viele, viele Stufen nach oben zu meinem Platz, von dem aus man eine gute Übersicht hat. Die Sitze sind natürlich auch alle klatschnass, dafür haben sie unten so kleine Plastikteile verteilt, aber weil ich nicht wusste, wozu das gut sein soll, hatte ich keinen genommen und nochmal alles runter gehen mag ich auch nicht. Nun, dann ziehe ich mir halt den Umhang so gut es geht unter den Po und setze mich auf meine Pläne in einer Prospekthülle.

Zum Tattoo selbst ist zu sagen, dass es ein absolut einmaliges, beeindruckendes Erlebnis ist, dass ich so hier nicht mehr wiedergeben kann, wer mag, kann doch mal bei Youtube schauen, da gibt es mindestens ein gutes Video  von der Burg oben aus gefilmt. Die Show dauerte gut 2 Stunden bis in die tiefe Nacht hinein und das Feuerwerk am Schluss war nur einer der vielen Höhepunkte.

Hier bedauerte ich zum ersten Mal, dass ich aus Platzgründen nur das Handy zum Fotografieren dabei hatte (Handgepäck!), aber ich gelobe Besserung, bei meiner Reise in 2017 werde ich unsere digitale Canon Kamera mitnehmen.

Auf dem Rückweg ging ich abwärts Richtung Grassmarket, um dort einen Bus oder ein Taxi zum Hotel zu erwischen, aber Busse fuhren wohl keine mehr und auf dem ganzen Rückweg gelang es mir nicht, ein freies Taxi zu erwischen, sodass ich wohl oder übel den ganzen Weg (immerhin knapp 2 Meilen!) bis zum Haymarket gelaufen bin.

Samstag, 06.08. - ab Edinburgh

 

Das Frühstück im Apex gab es im benachbarten Restaurant mit Blick auf die Straße. Man konnte Eier, Kaffee usw. frisch bestellen, den Rest gab es am kleinen Buffett, klein aber fein und alles sehr frisch und dem Standard angemessen, also zu empfehlen.

Nach dem Frühstück auschecken, Auto beladen und – Navi programmieren.

 

An dieser Stelle muss ich wieder – wie im Vorjahr – das britische Postleitzahlensytem loben, welches zum Einen sehr genau arbeitet und einen fast immer genau bis zum gesuchten Gebäude bringt und zum Anderen beim Programmieren eines Navis unschlagbar schnell ist, ein Code von 6 – 8 Buchstaben und Zahlen ist um Vieles schneller eingetippt als Ort, Straße und Hausnummer. Natürlich konnte das Navi beides, aber das brauchte ich selten. In den Fällen, wo ich mir mit dem Navi nicht sicher war und die gab es auch, habe ich zusätzlich mit Google am Handy gearbeitet, das geht natürlich auch. Doppelt genäht hält halt besser.

Hierbei ist gute Vorbereitung Gold wert, d.h. zu Hause schon recherchieren, wo man hinwill, wie sich das am Besten nacheinander abfahren lässt, zu jedem Ort wenn möglich ein paar Kurzinformationen und vor allem den Postcode auf einer Liste, die ich dann mit allem Anderen, was ich unterwegs in Reichweite benötige, auf dem Beifahrersitz ablegen kann.

Also, wie gesagt – los geht’s!

 

Früher Samstagmorgen, das Wetter war sonnig und es würde ein warmer Tag werden.

Zuallererst musste ich mir an einer Tankstelle wieder eine Schottlandkarte besorgen, meine war mir in dem Regenwetter auf der Tribüne des Tattoo wahrscheinlich irgendwie zwischen den Stufen durchgerutscht, auf jeden Fall war sie weg und ich brauchte unbedingt eine neue, um meine Reiseziele, die ich in einem Word-Dokument gelistet hatte, mit Nummern versehen dort einzutragen. Hilft ungemein bei der Planung und man muss ja wissen, wo die verschiedenen Orte genau sind...

 

Als erstes Reiseziel habe ich mir Rosslyn Chapel ausgesucht, aus mehreren Gründen. Zum Einen wurde im nahegelegenen Roslyn Glen Country Park für die Folge 109 "The Reckoning gedreht", zum Andern ist dies die berühmte mittelalterliche Kapelle, wo unter anderem auch für „Sakrileg – The Da Vinci Code“ mit Tom Hanks gedreht wurde. Und auch wenn das nicht so wäre, diese Kapelle ist einzigartig und wunderschön. Der Weg dahin führt durch eine landschaftlich schöne, kurvige Straße vorbei am Roslin Glen Country Park zu einem großen Parkplatz, der Eingang geht nur über ein ganz neues Besucherzentrum, welches allerdings erst um 10 aufmacht. Dann endlich kann man durch in den kleinen Kirchengarten und in die Kapelle, welche von außen und innen sehr schön ist, wirklich sehr klein, aber innen voller Steinfriese aus Efeuranken, Blumen und wahnsinnig vielen Gesichtern, Engeln und Fratzen, Darstellungen aus der Bibel und dem damaligen Leben. Die Führerin macht immer wieder auf Besonderheiten aufmerksam, denn jedes ist anders und manche sind echt witzig. Die meisten Kirchen haben ja Säulen, die die Decke tragen und sich oben in der Mitte treffen und dort oft mit einem schönen Schlussstein versehen, aber diese Decke besteht aus vielen, vielen kleinen Steinrosetten, einfach ein Kleinod und absolut sehenswert, ein MUSS für jeden Schottlandbesucher!

Danach den Hang abwärts zum Roslin Castle. Es geht ständig bergab auf einem befahrbaren Weg, das Castle ist aber nur noch eine Ruine. Ein Stück zurück geht seitlich eine Treppe zum Fluss hinunter, anfangs Holz, dann nur noch befestigte Erde und man muss vorsichtig sein. Es geht richtig weit runter. Weiter unten noch über eine kleine Brücke, dann ist man beim Bach, der eigentlich schon ein kleiner Fluss ist. Es ist eine traumhaft schöne Gegend, aber einen genauen Drehort konnte ich nicht ausmachen. Später habe ich dann im Internet etwas über einen Wallace’s Cave ein Stück flussaufwärts gefunden, dass könnte es eventuell sein. Aber auch so hat dieser kleine Ausflug sich gelohnt und ich mache mich an den langen und schweißtreibenden Aufstieg. (Anmerkung: siehe Rundreise 2017)

Weiter ging es nach Südosten zur berühmten Melrose Abbey, der Ruine eines großen Zisterzienserklosters aus dem 12. Jahrhundert. Viele schottische Könige des Mittelalters sind hier beerdigt, auch das einbalsamierte Herz von Robert the Bruce soll hier liegen. Man kann mit einem Audioguide zwischen den Ruinen laufen, ein Teil der Gebäude steht auch noch, hat viele Kriege überdauert, aber schon über 400 Jahre gibt es hier keine Mönche mehr.

Nun machte ich einen Abstecher tief in den Süden, kurz hinter die schottisch-englische Grenze, nach Carlisle. An mein großes Auto hatte ich mich ein bisschen gewöhnt, es hatte natürlich auch viele technische Spielereien, die ich nach und nach entdeckte, aber für gewöhnlich lasse ich es erst mal bei den Einstellungen, soweit sie nicht nerven. Irgendwann fiel mir dann eine Displayanzeige mit einer Reifendruckwarnung hinten links auf, den angezeigten Wert konnte ich allerdings nicht einordnen. Es ließ mir keine Ruhe, ich konnte dies nicht ignorieren, aber ich war schon viel zu weit von der Autovermietung weg, um umzudrehen und auch telefonisch konnte ich sie nicht erreichen, es ging keiner ran.

An einer Tankstelle bat ich darum, den Reifendruck sicherheitshalber prüfen zu dürfen, die Aushilfskraft dort wusste aber auch nicht Bescheid und schickte mich weiter, quasi um die Ecke war ein Industriegebiet mit einem großen Reifenhändler. Ich fragte an der Rezeption, es war Samstag nachmittag, bei uns wäre wohl schon alles zu gewesen, aber dort wurde noch normal gearbeitet und ich durfte direkt reinfahren in eine große Halle mit 6 Arbeitsstationen. Zwei junge Mechaniker machten sich gleich daran, den Reifendruck überall zu prüfen, klickten sich durch den Bordcomputer durch und konsultierten das Handbuch und nach über einer halben Stunde, in der alles genauestens eingestellt wurde (laut Handbuch hatte jeder Reifen einen etwas anderen Druck!), wurde die Arbeit erfolgreich abgeschlossen, d.h. eigentlich war gar nichts falsch gewesen, man hatte das Ganze nur etwas optimiert. Ich bekam keine Rechnung, die Mechaniker meinten "es war ja schließlich nur Luft“, ich fühle mich etwas hilflos, schließlich hatten zwei Gesellen über eine Arbeitsstunde investiert, auch Trinkgeld wurde freundlich und kategorisch abgelehnt. Dabei hatte ich mich schon auf eine saftige Rechnung eingerichtet… Dankbar und beruhigt ging die Fahrt weiter nach Süden, Richtung England.

 

Manch einer wird sich wundern, aber die Dreharbeiten für die Hinrichtungsszenen in Episode 115 fanden tatsächlich in einer englischen Burg statt, in Carlisle Castle. Es gibt einen Parkplatz ein Stück hinter der Burg, direkt an einer Hauptstraße stadteinwärts gelegen, man muss ein paar hundert Meter zurückgehen. Da ich mit dem Reifen und der weiten Anfahrt ziemlich Zeit gebraucht hatte, mochte ich hier eigentlich nicht zu lange bleiben. Gleich beim Ticketverkauf am Eingangstor konnte mir eine begeisterte Verkäuferin über die Dreharbeiten berichten, sie war damals dabei und wusste noch genau, wo die Darsteller standen (in der linken Ecke des Innenhofs) und wo die große Kamera (links oben auf dem Wall).

Und wenn mich nicht alles täuscht, war der Graben außen im großen Hof die Stelle, wo die „Toten“ lagen, als Claire sie "fand".

Fußmarsch zurück zum Parkplatz, die vorbezahlte Stunde Parkzeit hat ausgereicht und es gab keinen Strafzettel. Im  Jahr zuvor hatte ich mit meiner Tochter trotz größter Vorsicht bei Schloss Windsor einen bekommen, über 70 Pfund (!), obwohl wir beim Parken beide geschaut hatten. Das war schon richtig teuer, der Kurs war damals auch noch höher (fast 100 €) und man kommt auch mit dem Mietwagen nicht drumrum, sondern wenn man nicht zahlt, geht es über die Mitwagenfirma und wird nur noch teurer. Wenn man allerdings innerhalb von 14 Tagen zahlt, gibt’s 50 % Rabatt. Naja, das habe ich dann auch zähneknirschend gemacht. Seither wird noch besser aufgepasst.

Der Rückweg führte durchs Städchen Gretna Green gleich hinter der schottischen Grenze, es stehen noch ein paar Schilder, die an die ruhmreiche Vergangenheit erinnern, aber nichts Besonderes.

Weiter gings nach Caerlaverock Castle bei Dumfries, die einzige dreieckige Wasserburg Schottlands. Umgeben von Wällen, sehr gut zu verteidigen, mehrfach belagert und beschossen, aber nicht zerstört, die Mauern und Türme waren zu wehrhaft. Allerdings gab es auch keine Geheimgänge nach außen und somit keine Fluchtmöglichkeiten. Kann besichtigt werden.

Ich hatte einen Tipp bekommen, dort sei gedreht worden, doch nach übereinstimmender Auskunft mehrerer dortiger Angestellter stimmte das nicht und so habe ich mir diese Burg Caerlaverock Castle nur von außen angesehen, zumal sie auch nicht besonders beindruckend erschien.

Eine Burg wollte ich mir an diesem Tag noch anschauen, das war Drumlanrig Castle, in welchem sowohl ein paar Gartenszenen, aber auch viele Innenaufnahmen mit dem Earl of Sandringham gedreht wurden, hier stand z.B. sein Salon, aber auch der Innenhof wird jedem gleich bekannt vorkommen, hier standen viele Zelte der Soldaten. Leider bin ich erst kurz vor 5 da gewesen, die Burg liegt mitten in den wirklich einsamen Bergen bei Thornhill, die Straße zieht sich Meilen und Meilen durchs karge Hochland und schließlich durch den Wald, bis man endlich da ist und leider hatte ich den weiten Weg an diesem Tag umsonst gemacht, denn ich kam nicht mehr rein. Also den ganzen Weg retour und dann nach Norden, Richtung Glasgow.

 

Unterwegs wollte ich mir noch einen der Wasserfälle auf meiner Liste ansehen, den Falls of Clyde bei Lanark. Parken kann man dort direkt neben dem Elektrizitätswerk, danach geht es nach links, den Fluss entlang. Die Fälle gehen über mehrere Stufen abwärts und liegen in einem Landschafts- und Naturschutzgebiet. Der hinterste und größte Fall wäre aber über eine halbe Stunde Fußmarsch gewesen, dafür war es inzwischen schon zu spät am Tag. Sehr schön zu laufen in einem gut ausgebauten Fußweg entlang des Flusses, in gewissen Abständen mit Schautafeln versehen.

Weiter geht die Fahrt Richtung Glasgow. Aber zwischendurch lohnt es sich immer mal anzuhalten, wenn man wieder etwas besonders Schönes entdeckt, wie z.B. dieses schöne Torhaus mitten auf einer Brücke.

Nun ging es endgültig nach Glasgow, um dort ein Hotel für die Nacht zu suchen und als Ausgangspunkt für die nächsten, weiter westlich gelegenen Ziele. Schon von unterwegs hatte ich es versucht, u.a. beim Albion Hotel, das sehr gute Bewertungen hatte, allerdings ausgebucht und erst ab der nächsten Nacht frei war. Nun hatte ich in Edinburgh schon gesehen, was das Festival an Besucherandrang bringt, aber in Glasgow und Umgebung nicht damit gerechnet. Inzwischen war ich in der Stadt angekommen und hatte Hotel über Hotel abgeklappert, ohne Erfolg, es war August und somit Hauptsaison. Mit dem GPS vom Handy die Hotels der Entfernung nach durchtelefoniert, teilweise auf den gleichen Hotlines gelandet, weil die Hotels zusammen gehörten, und auch das kostete viel Zeit, inzwischen war schon fast halb 10 und ich sah mich schon im Auto übernachten. In meiner Verzweiflung hatte ich sogar schon das 5-Sterne-Hilton angerufen, aber sogar DAS war ausgebucht. Schließlich, als ich schon nicht mehr daran glaubte, fand ich ein Zimmer für 150 Pfund die Nacht im hochmodernen Village Ibis Hotel Glasgow im Westen an der Brücke zur BBC. Eine sehr freundliche Rezeptionistin, ein nagelneues 4 Sterne-Hotel mit Restaurant, wo ich auch noch einen guten Burger als Nachtessen bekam, beendeten einen erlebnisreichen Tag.

Sonntag, 07.08. - ab Glasgow

 

 

Der neue Tag war ein herrlicher Sonntagmorgen, der seinem Namen alle Ehre machte. An der Rezeption ließ ich mir von einer freundlichen Rezeptionistin anhand der Karte zeigen, wo der nächste Elektromarkt war, weil ich endlich einen Adapter für die Steckdose brauchte. Mit dem Auto nur ein paar Minuten über die Brücke an der BBC vorbei zu einem PC Center. Leider machte der Markt nicht um 9, sondern erst um 10 auf, so dass ich noch ein bisschen Zeit hatte. Mit dem Auto durch eine noch fast leere Stadt, vorbei an der alten Kelvingrove Art Gallery and Museum, von der manche behaupten, dass sie sie an Hogwarts erinnert, an der berühmten Kelvinbridge bzw. untendurch, eine alte Kupferbrücke über den Kelvin mit einer wundervoll stimmigen Atmosphäre, einem wilden kleinen Fluss und einem kleinen Park daneben. Viele Leute gingen dort am Fluss entlang und nutzten dies als eine Art Abkürzung, zum Joggen oder Spazieren gehen.

Um 10 bin ich dann nochmal zum Computermarkt, optisch wie bei uns ein Mediamarkt, nur etwas kleiner und dort hab endlich den Adapter bekommen.

Danach um halb 11 in die Kirche, die wieder bei der Kelvinbridge und beim Albion B&B lag, wo ich bereits für die nächste Nacht ein Zimmer gebucht hatte. So langsam kannte ich mich aus in der Gegend… Ich habe einen wunderbaren Gottesdienst erlebt, am Ende etwas dort an der Orgel spielen dürfen (gegen meine "Entzugserscheinungen") und vom dortigen Vorsteher ein englisches Gesangbuch geschenkt bekommen. Obwohl ich die Einladung zum Mittagsimbiss gerne angenommen hätte, wollte ich endlich weiter, denn es war schon fast 12 und der Weg raus zum Drumlanrig Castle bekanntermaßen lang.

 

Der Weg ging über die Autobahn A74 nach Südosten und über die A702 durch die Lowther Hills, es fühlte sich fast an wie in den Highlands, nur dass ich dafür viel zu südlich war.

Irgendwann bin ich mal ausgestiegen und habe rundum fotografiert, die Weite der Landschaft und die Einsamkeit versetzte einen in eine ganz besondere Stimmung.

Nahe des Schlosses geht es noch ein Stück durch dichte Wälder, bevor man in der Nähe eines Viehgitters kurz vor der Brücke über den Fluss plötzlich an diesem Kleinod von einem Häuschen vorbeikommt: Es liegt wirklich total einsam, weit und breit kein Haus, aber ein MUSS, dieses ehemalige Gärtnerhäuschen zu fotografieren.

 

 

An diesem Tag fuhr ich die Allee entlang auf Drumlanrig Castle zu und bereits das war beeindruckend. Man kann dort kostenlos parken und rechts vor dem Schloss sind ein paar Nebengebäude, wo man auch Tickets kaufen konnte, die nächste Führung war schon bald. Wir waren eine Gruppe von 14 Personen und durften zuerst die imposante Freitreppe hochsteigen. Auf der Wiese im Außenhof standen während der Dreharbeiten ein Dutzend Zelte. Drinnen durfte man – natürlich – mal wieder nicht fotografieren. Wir bekamen viele schöne Geschichten erzählt, von der Familiengeschichte, denn einer der Ahnherren, James Douglas, war der Freund von Robert the Bruce, der in Dunfermline Abbey beigesetzt wurde. Auch wie die Legende mit dem fliegenden Herzen entstand, als er nämlich das Herz des toten Freundes auf dem Kreuzzug ins heilige Land nach Jerusalem bringen sollte, sie aber in Spanien bei einer Schlacht gegen die Mauren tödlich verletzt wurden. Daraufhin wurde der Familie gestattet, das Herz in ihr Familienwappen aufzunehmen. Das Herz wurde später gefunden und in der Melrose Abbey bestattet, die ich auch schon besichtigt hatte. Im Eingangssalon liegt auch ein riesiger Teppich in leuchtenden Farben mit dem Herzsymbol und einem Laufschutz, der farbig genau nachgedruckt und über den Teppich gelegt wurde. Die Familiengeschichte ist lang und teilweise sehr interessant, jedenfalls gehört das Schloss heute einer der reichsten Familien des Landes, den Montague-Douglas-Scott und der heutige Besitzer ist der 10. Duke of Buccleuch. Auch an die Dreharbeiten für Outlander erinnerte man sich noch gerne und zeigte uns interessierten Besuchern, wo und was genau gedreht wurde, u.a. im Salon und im Treppenhaus. Sicher erinnert man sich an die Szene, als Claire durch eine geheime Tür hinter einem großen Ölgemälde hervorkommt? Dieses Bild hängt oberhalb der Treppe, die sie dann herunterschleicht. Dieser Dreh dauerte nach Berichten allein einen halben Tag.

Beim Verabschieden bekam ich noch einen Tipp, dass auch noch unten an der alten Brücke gedreht wurde, über die ich ohnehin zurück musste, also hielt ich auch hier noch kurz an. Das müsste die Brücke sein, an der die Highlander nach der Schlacht rasten und wo sie dann von den Engländern angegriffen werden, bevor sie in die kleine Kapelle flüchten.

Als Nächstes war ich auf der Suche nach Barskimming, wo für die Szenen vor der Schlacht von Prestonpans gedreht worden war, aber das Navi und der Postcode führten mich nur in ein Wohngebiet.

 

 

 

 

 

Darum ging es weiter ins nahegelegene Dean Castle, gelegen im Dean Castle Park bei Kilmarnock. „Dean“ bedeutet bewaldetes Tal. Dort wurde für die Folge „Fuchsbau“, den Besuch von Jamie und Claire bei seinem Großvater, Lord Simon Fraser, gedreht. Die Burg ist ca. 300 Jahre alt, bewohnt, kann aber besichtigt werden – nur leider an diesem Tag nicht mehr, denn ich war zu spät dran. Also konnte ich nur außen rum wandern, ein paar Bilder machen und mich im Besucherzentrum beim Parkplatz mit einer netten Dame unterhalten, die sich an die Dreharbeiten erinnerte. Natürlich komme ich nächstes Jahr wieder!

Da es nun zu spät war, um noch irgendwo anders hinzufahren, bin ich wieder zurück nach Glasgow, wo ich für die nächste Nacht im Albion Hotel an der Kelvinbridge gebucht hatte. Dieses liegt, wie schon erwähnt, im Westen von Glasgow direkt neben der Hauptstraße Great Western Road und der Kelvinbridge, in einer Häuserreihe direkt am kleinen Fluss Kelvin. Da die Straße als Sackgasse an der Hauptstraße endet, muss man sozusagen von hinten reinfahren, hat dadurch aber auch nur Anliegerverkehr. Es gibt keinen Hotelparkplatz, nur ein paar Parkplätze am Straßenrand, für die man ein Ticket bis um 8 Uhr für den nächsten Morgen ziehen kann. Macht nichts, ich bin ja immer früh wieder unterwegs. Das Hotel, eigentlich ein B&B (Bed and Breakfast) hat Spitzenbewertungen und ist darum meistens ausgebucht, besteht eigentlich aus 2 Gebäuden, die man zusammengelegt hat und ist älteren Datums, aber gepflegt. Mein Zimmer ist ausreichend, mit einer neuen Dusche und ist relativ günstig. Die Wirtin berät mich auch gerne mit Möglichkeiten zum Einkaufen und Abendessen.

Da alles in Laufweite ist, mache ich mich zu Fuß auf den Weg, finde als Erstes einen Tesco Express (eine kleine Ausgabe von den hier weit verbreiteten, riesigen Tesco Supermärkten, die man meist in der Innenstadt findet und die alles haben, was man so täglich braucht), wo ich mich mal wieder mit Brot, Wurst und Käse eindecke. Danach komme ich an mehreren Restaurants vorbei, eines ist z.B. in einer umgestalteten Kirche, macht aber erst viel später auf und so lange will ich nicht warten. Danach gibt es noch die „Old School“, umgebaut zum Pub mit Burgern, Billard und Fernsehern, aber irgendwie gefällt mir das Angebot nicht. So lande ich bei einem Edelitaliener mit einer schönen Aussicht, einer leckeren Suppe, tollen Lasagne und vielen Italienmemorabilien an den Wänden. Ein gelungener Abend, den ich im Pub daneben bei einem Whisky und guten Unterhaltung an der Bar ausklingen lasse. Schließlich muss ich ja nicht Auto fahren, nur noch zu Fuß den Weg ins Hotel finden. Ging auch noch mit noch einem und einem dritten Whisky.

Montag, 08.08. - ab Glasgow

 

 

Der folgende Montagmorgen war für Sehenswürdigkeiten in Glasgow reserviert, zuerst der Glasgow Botanic Garden, für den ich nur die Great Western Road ein wenig stadtauswärts fahren musste. Mit viel Glück fand ich einen Parkplatz schräg gegenüber vom Eingang, die Parkzeit war leider auf 1 Stunde begrenzt. Der botanische Garten ist sehr sehenswert und kostete keinen Eintritt. Ich finde, die Bilder sprechen für sich.

Die Gewächshäuser öffneten allerdings erst gegen 9.30 Uhr, so dass ich im Hinblick auf meine ablaufende Parkzeit nicht mehr in alle hineinkonnte. Ich war in dem Gewächshaus am Eingang, welches mich an den Jugendstil erinnerte. Es hat verschiedene Bereiche für die verschiedenen Kontinente. Wenn man nach Glasgow kommt und eine Stunde Zeit hat, unbedingt mal hingehen!

Danach ging es auf die andere Seite der Stadt, in die Necropolis bei der Kathedrale. So nennen die Glasgower ihren historischen Hauptfriedhof, die „Totenstadt“. Heute wird hier aber meines Wissens niemand mehr beigesetzt. Da es gleich darauf zu regnen begann, blieb es bei einem kurzen Abstecher (siehe dafür 2017).

Direkt daneben ist wie gesagt die St. Mungo’s Cathedral, auch High Kirk von Glasgow genannt. Es ist ein gotischer Bau aus dem 13. Jahrhundert und ein ehemaliger Bischofssitz, insofern ist der Name „Kathedrale“ als Ehrentitel zu verstehen. Mich interessiert aber vor Allem die „Lower Crypt“, als das Untergeschoss mit den schönen Säulengängen, wo für die Pariser Szenen im Armenhospital „L'Hôpital des Anges“ mit Claire und Mutter Hildegarde (benannt nach Hildegard von Bingen) gedreht wurde (siehe auch hier Bustour 2017).

Direkt gegenüber der Kathedrale liegt noch das älteste noch erhaltene Haus Glasgows, Provant’s Lordship‘ House, aus dem Jahr 1471. Schon Mary Queen of Scots (so nennt man hier Maria Stuart) und ihr Vater sollen hier eingekehrt sein.

Nun wieder weiter zur Old Victoria Infirmary, einem stillgelegten, ehemaligen Krankenhaus. Hier hatten ein paar Wochen vorher Dreharbeiten für die Krankenhausszenen mit Claire stattgefunden, aber an diesem Tag war nicht viel zu sehen, darum blieb es bei dem einen Foto.

 

Im Anschluss wollte ich eigentlich ins Glasgower Lighthouse, natürlich kein echter Leuchtturm, sondern ein Restaurant mit Aussichtsturm. Inzwischen war es fast Mittag und der Verkehr großstadtmäßig, immerhin hat Glasgow rund 600.000 Einwohner und es schien, als seien alle gleichzeitig auf den Straßen unterwegs. Ich fand keinen Parkplatz in der Nähe, nicht mit diesem großen Auto, für kleinere Autos hätte es schon noch was gegeben, darum versuchte ich mein Glück in einem Parkhaus und das war ein beinahe traumatisches Erlebnis. Es ging über 6 Etagen in engen Windungen nach oben, so eng, dass meine Abstandsmelder vorne und hinten praktisch ständig am Piepen waren und ich mich nur zentimeterweise mit höchster Sorgfalt vorwärtsbewegte, um ja das Auto nicht zu beschädigen. Die vielen Kratzer und schwarzen Streifen an den Leitplanken und Mauern waren Zeugnis meiner nicht so erfolgreichen Vorgänger. Über 6 Etagen auf- und wieder abwärts fand ich keinen Parkplatz und musste völlig entnervt wieder abziehen, nicht ganz erfolglos, immerhin das Auto war heile geblieben.

 

Auf meinem weiteren Weg durch die Stadt kam ich nochmal am Rathausturm und am George Square vorbei, hier nur nochmal ein paar Bilder aus dem Auto heraus.

Mein Hauptziel für den Tag war die Gegend im Nordwesten von Glasgow. Die Landschaft wurde hügelig, noch nicht bergig, ein bisschen wie bei uns, so kam ich an einem Berg vorbei, der „The Queen’s View“ benannt war. Das hatte ich für die nächsten Tage auch auf der Liste, aber dieser hier war ein Anderer, nicht der ganz berühmte, dafür musste man ihn erklettern.

Ich hatte es nicht so geplant oder zumindest nicht gewusst, aber irgendwann, mehr und mehr, kam mir die Gegend bekannt vor und ich erkannte, dass ich hier im letzten Jahr schonmal gewesen war. Ich kam um eine Kurve und erkannte die Brücke über den Bach, danach kamen mir am Straßenrand 3 Junge Leute entgegen und ich wusste sofort, wo die wohl hinwollten. Spontan hielt ich an und fragte, ob sie in die Schlucht runter klettern wollten, was bejaht wurde. Ich bat darum, kurz zu warten, parkte mein Auto an der Kreuzung 100 Meter weiter, die ich noch vom letzten Jahr kannte und holte die drei ein, die auf mich gewartet hatten. Es waren zwei junge Männer und ein Mädchen aus Großbritannien.

Okay, für die, die nicht wissen, um was es hier geht: Finnich Glen, auch Devil’s Pulpit genannt, bei Killearn. Es ist die traumhaft schöne Schlucht, die im TV für die sagenhafte St. Ninian’s Quelle steht, wo sich bei jedem, der von ihr trinkt und lügt, die Därme verknoten. Dougal eröffnet hier Claire, dass ihre einzige Rettung vor Captain Randall in einer Heirat mit einem Schotten liegt – Jamie!

Ich war letztes Jahr schon hier gewesen (wer dieses Abenteuer nachlesen möchte – Rundreise 2015) und war seither etwas schlauer, was den Zugang zur Schlucht anging. Im Internet ist der Zugang etwas beschrieben und von einem Tau als Halt entlang der Treppe die Rede. Nun, das liest sich so leicht und einfach, aber ganz so leicht war es wirklich nicht. Zum Einen ist der bereits der Weg zur Treppe nicht einfach, denn man muss über zwei Zäune klettern, auch wenn diese bereits niedergedrückt sind, für kurzbeinige Menschen wie mich nicht einfach und viele Ecken des Weges sind schlammig bis matschig und man muss einfach durch, auch die Stellen an den Zäunen. Vernünftiges Schuhwerk ist also mal Grundvoraussetzung. Meine Begleiter meinen, die Gemeinde macht nichts, um den Weg zu verbessern, weil sie sonst für die Sicherheit der Benutzer verantwortlich wäre und ich kann diesen Aspekt teilweise verstehen. Nun, die Treppe verdient den Weg nur oberflächlich betrachtet, die oberen Stufen gehen noch einigermaßen, auch wenn keine mehr eben liegt, aber das Halteseil ist nur ein Fetzen, und ab einem gewissen Punkt hilft nur noch Klettern. Ich weiß, das Foto (mit dem Handy) ist leider unscharf, aber es ist wirklich abenteuerlich, viele Stufen fehlen, manchmal ist nur ein kleiner Punkt, auf dem man den Fuß aufsetzen kann und ohne meine 3 Begleiter und deren hilfreichen Hände hätte ich es weder gewagt noch geschafft. Schließlich waren wir heil unten und genossen den Ausblick. Der Stein ist durch die Feuchtigkeit und das mangelnde Licht dunkelrot, die vielen Pflanzen dunkelgrün und das Wasser glasklar (und eiskalt). Egal wie groß die Mühe war, sie hat sich gelohnt. Es herrscht hier eine ganz besondere Stimmung. Ich empfinde es quasi als heiligen Ort und den Anderen dort erging es ähnlich. Trotzdem, mit einer Empfehlung muss ich vorsichtig sein, auch wenn ich es nicht bereue, aber wie ich in 2017 erfahren habe, hat die Zahl der Rettungseinsätze dort dramatisch zugenommen, seit der Ort so bekannt geworden ist. Wieder muss ich bewundern, wie man die Schauspieler, Techniker und all das Material mit Kränen hier heruntergeschafft hat, das hätte ich wirklich sehr gerne beobachtet.
Ich warte, bis auch die anderen drei wieder nach oben wollen und mit ein bisschen Schieben und Ziehen verschiedener Hände komme auch ich wieder sicher nach oben, wo ich erst mal erleichtert bin. Wenn das mein Orthopäde gesehen hätte, der würde mir was erzählen! Trotzdem, es war die Mühe wert.

 

Nun aber weiter zu meinem eigentlichen Hauptziel für die zweite Tageshälfte: Dem Nationalpark Loch Lomond & the Trossaches, ein großes Waldgebiet, durchzogen von wunderschönen Seen und auch touristisch geprägt mit Campingplätzen, schönen Restaurants, aber vor allem ganz viel Landschaft. Ein See geht praktisch in den nächsten über und beim Fahren ist rechts oder links fast immer Wasser, ein Fluss, ein Bach usw.

Ich hatte in diesem Jahr auch eine ganze Reihe mit Wasserfällen auf meiner Liste, die ich besuchen wollte, wenn es routentechnisch passte, und die Falls of Dochart bei Killin waren ein solcher Punkt. Direkt an der Hauptstraße. Einfach anhalten, aussteigen, genießen. Diese Fälle gehen nicht tief hinunter, dafür ziehen sie sich über mehrere hundert Meter Flusslänge. Es geht auch eine alte Steinbrücke über den Fluss, von der aus man gut fotografieren kann. Im Ort sind etliche B&Bs (Bed and Breakfast) und ein Hotel direkt an den Fällen, aber alle, wirklich alle waren für die Nacht schon ausgebucht.

Schließlich fand ich weit draußen vor dem Ort, in meiner Fahrtrichtung, das Killin Hotel, kurz vor der Mündung des Dochart ins Loch Tay gelegen. Hier die Abendstimmung am Hotel, von meinem Zimmer aus. Ein Paradies für Angler und Paddler, Vögel und Fisch. Das Hotel und die Zimmer waren recht altmodisch, aber für eine Nacht würde es gehen. Der Aufzug war richtig antiquiert und sah so alt aus wie das Hotel, noch mit einem Scherengitter. Ich habe ihn nur einmal benutzt und danach lieber die Treppe genommen. Unten gab es einen großen rustikalen, aber sehr ansprechenden Lobbybereich und ein sehr gutes Restaurant in einem modernen Wintergarten, wo ich zu Abend aß, jedenfalls, als ich endlich bestellen konnte… Ich war anscheinend doch zu übersehen, jedenfalls kam die Bedienung geschlagene 15 Minuten gar nicht an meinen Tisch und reagierte auch nicht auf Winken, die Leute am Nebentisch wunderten sich auch schon, ich musste erst aufstehen und zu ihr hin, damit ich mal bestellen konnte. Nicht gerade förderlich fürs Trinkgeld…

Dienstag, 09.08. - ab Killin

 

Zum Frühstück am nächsten Morgen ging ich außen ums Hotel rum und traf dort eine Heerschar Enten, die ebenfalls frühstücken wollten und sich durch Nichts und Niemanden davon stören oder abbringen ließen.

 

Vor dem Losfahren musste ich erst mit dem Auto kämpfen, denn plötzlich funktionierte das Navi nicht mehr und ohne ist man hier auf dem Land völlig aufgeschmissen. Ich hätte wohl auch das GPS von meinem Handy nutzen können, aber damals hatte ich noch eine Flatrate mit zu kleinem Download-Volumen und musste ohnehin schon alle 2 Tage Volumen extra zukaufen. Relativ ratlos rief ich bei einer Hotline an, die mir den richtigen Tipp gab, wo ich im Handbuch des Autos nachschlagen könnte und ich fand heraus, dass es an einer SIM-Karte lag, die sich wohl gelockert hatte, als ich wie jeden Abend das Anschlusskabel fürs Handy in der Mittelkonsole abzog. Das war leicht zu lösen und das Navi funktionierte wieder.

Ziemlich erleichtert ging es weiter nach Nordwesten, nach Fort William, wo ich eine Verabredung mit einem Zug hatte. Jeder kennt sicher, sei es aus den Harry Potter-Filmen oder sonst woher, das beeindruckende gekrümmte Glenfinnan-Viadukt, über das eine Dampfeisenbahn fährt und dieses liegt ein paar Meilen hinter Fort William. Jeden Tag um eine bestimmte Uhrzeit fährt hier eine Dampfeisenbahn drüber und die wollte ich sehen. Die Probleme begannen damit, einen Parkplatz zu finden, denn dort gab es ein Besucherzentrum und ein Hotel o.ä., alles war total überlaufen und mein Auto ja nicht gerade klein. Es regnete schon die ganze Zeit und wurde nicht viel besser. Eine Meute von Leuten stand an einem Zaun, besonders weit kam man nicht dran und die stritten auch noch um die vermeintlich besten Plätze. Ich musste feststellen, dass wir quasi im Tal standen und auf der Außenseite der Kurve, nicht wie man es kennt auf der Innenseite und von oben.

Als der Zug endlich kam, was es schon schön, aber mit dem Handy, ohne Teleobjektiv, kein wirklich gutes Bild zu machen. Schön war, dass der Zug auf freier Strecke langsam machte und quasi für Fotos posierte. Danach kam auch noch ein moderner Zug in der Gegenrichtung.

Falls ich wieder mal da hingehe, werde ich versuchen, zu dem Aussichtspunkt auf den Berg zu kommen, ob man da einen besseren Blickwinkel hat.

Danach ging es zum dem nur wenige Meilen entfernten Inverlochy Castle, einer Burgruine aus dem späten 13. Jahrhundert. Auf der Schautafel kann man gut sehen, wie es mal ausgesehen hat, quasi ins Wasser hinein gebaut und auch heute noch beindruckend. Parkplatz und Eintritt sind frei.

Nun liegt Fort William ja nicht nur am wie ein Oberarm gekrümmten Loch Eil, sondern auch zu Fuße des Ben Nevis, mit seinen 1344 Metern nicht nur der höchste Berg Schottlands, sondern von ganz Großbritannien. Da die Lochs entlang des Great Glen, der Reihe von Seen, Flüssen und Kanälen, die sich wie mit einem riesigen Messer gezogen von Nordosten nach Südwesten durch Schottland ziehen, alles praktisch auf Meeresniveau liegen, muss man fast die ganzen Höhenmeter zu Fuß erklimmen, es gibt weder eine Straße hinauf, geschweige denn eine Seilbahn. Ich hatte an diesem Tag weder die Zeit noch die körperliche Kondition hierfür, auch wenn ich das gerne mal machen würde. So fuhr ich ein Stückchen rein in die Berge auf einem winzigen Sträßchen, dass sich über Hügel und Kurven wand und wirklich jede Bewegung der Landschaft mitmachte. Herausforderung und Spaß zugleich für den Autofahrer! Und Ben Nevis verhüllte mal wieder sein Gesicht, wie ca. 300 Tage im Jahr.

Die Straße führte zu den Steall Waterfalls, wovon es zwei Stufen gibt, die erste ist gut zugänglich mit einem großen Wanderparkplatz, die Parkgebühren sparte ich mir, weil ich nur kurz ein paar Bilder machen wollte und der untere Wasserfall nur ein paar Meter entfernt ist. Der Weg zum oberen Fall führte dann aber über eine richtige Gebirgsstraße, überwiegend einspurig, ab und an ein Passing Point (Ausweichplatz), den man auch brauchte, denn es kam erstaunlich viel Gegenverkehr – und irgendwann eine Stelle, wie ich sie befürchtet hatte, als ich das Mietauto bekam – 7 Fuß breit, das sind nur 2,10 Meter, links ein Baum, rechts der Fels und ich passte durch, so irgendwie… Der Parkplatz war voll, ich quetschte mich irgendwo dazu, von da an hieß es laufen. Ich lief aber nicht ganz bis zu den Fällen, nur zu einem Punkt, der für ein Foto geeignet war, denn ich hatte keine Zeit zum Wandern, ich wollte an diesem Tag noch rauf bis zur Insel Skye. Auf dem langen und zähflüssigen Rückweg zur Hauptstraße entdeckte ich noch einen kleinen Wasserfall.

Als Nächstes ging es aber erst mal weiter an der Kette der Lochs entlang nach Fort Augustus, dort beginnt Loch Ness, nach Loch Linnhe flächenmäßig nur das zweitgrößte Loch, durch die große Tiefe aber mit Abstand das wasserreichste.

Es ist nur 1 bis max. 2 km breit, aber mit über 36 km Länge unheimlich lang. Ich nahm die Hauptstraße am linken Seeufer entlang, wo nach knapp der Hälfte der Länge die Burgruine Urquhart Castle liegt. Als ich aber näher kam, sah ich ungefähr ein Dutzend Autos entlang der Straße, die darauf warteten, in den Parkplatz rein zukommen, rechnete mir aus, dass es so gut und gerne eine Stunde dauern würde, bis ich nur einen Parkplatz hatte und dachte nein, so wollte ich meine kostbare Zeit nicht verschwenden. Urquhart wurde mal eben auf später vertagt und ich fuhr weiter nach Norden Richtung Inverness zur Ruine der Beauly Priory. Ein ehemaliges Kloster, gegründet 1230, das Städtchen entwickelte sich drumrum. Die Mönche benannten das Kloster Prioratus de Bello Loco, also Kloster am schönen Ort, woraus sich der heutige Ortsname entwickelte (französisch: Beaulieu). Das Land südlich um Beauly gehörte dem Clan Fraser, dessen Oberhaupt, Lord Lovat, bis vor wenigen Jahren in der Nähe residierte. Im Bürgerkrieg des 17. Jahrhunderts wurde das Gebäude als Steinbruch missbraucht und gehört heute zum Trust. Bei der Besichtigung traf ich noch ein älteres Ehepaar, die mir Tipps für meinen Besuch auf Skye gaben.

Noch ein kurzer Halt am Caledonian Canal bei Inverness, unweit davon der Blick über den Fluss Ness auf Inverness Castle, erbaut im 11. Jahrhundert, umgebaut im 19. Jahrhundert, leider stand dort gerade ein Baugerüst.

Weiter ging die Fahrt auf der Ostseite des Loch Ness zurück nach Süden zu den Falls of Foyers, einem schönen, beeindruckenden Wasserfall, genau gegenüber von Urquhart Castle gelegen. Es geht von einem kostenlosen Parkplatz über ca. 300 mit Holzbretten gesicherten Stufen abwärts zu den Fällen, die Knie jaulten, aber das ignorierte ich wie gewohnt. Der Wald hatte aber auch neben dem Weg so manch schönen Anblick, der für die Strapazen entschädigte:

Ich hatte eigentlich überlegt, der Abwechslung wegen mal mit der Fähre von Mallaig nach Skye zu fahren, die Fähre fuhr aber nur bis 18 Uhr abends und ich war nicht sicher, ob es rechtzeitig bis dahin schaffen würde und entschied mich dann doch für den bekannten Weg über die A87 und Invermoriston hoch nach Nordwesten. Unterwegs hielt ich immer mal wieder an, um die Aussicht zu genießen und zu fotografieren.

Auf den letzten 40 Meilen zog sich die Strecke immer mehr. Ich hatte bereits ab der letzten Kreuzung nach Invermoriston immer wieder nach einem B&B für die Nacht Ausschau gehalten, einige standen ja direkt an der Straße oder waren gleich mit „no vacancy“ – nichts frei markiert, zu über einem Dutzend aber bin ich abgebogen auf meist winzige Straßen, um dann erst festzustellen, dass nichts mehr frei ist. Die allerletzten Meilen raus bis zum Loch Duich sind aber praktisch unbewohnt, nur ab und an mal ein Bach, der steil die Berge herunterläuft oder auch ein Wasserfall, eine uralte Steinbrücke neben der Straße, es war auch ein bisschen diesig, doch – wie im letzten Jahr: Gerade als ich die letzte Kurve umfahre, die Bucht sich vor mir öffnet, kommt die Sonne heraus – ein wahrhaft majestätischer Anblick.

 

Es ging noch ein paar Meilen, vorbei an Eilean Donan Castle (das mit der Brücke ins Wasser), dann kommt das Städtchen Dornie und die Brücke über den seitlichen Loch Long, dann wieder ein großes Waldgebiet, aber auch hier sind alle B&Bs für die Nacht ausgebucht, sogar im Städtchen Kyle direkt an der Brücke zur Insel Skye. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Über die Brücke, am gegenüberliegenden Ufer hat es viele Restaurants und auch Hotels, dahinter ein kleines Nobelhotel, auf den Meilen danach wieder kleine B&Bs und Lokale mit Zimmern – alles ausgebucht. Irgendwann, es war wohl gegen 9, zog ich ernsthaft in Erwägung, die Nacht im Auto zu verbringen, dann aber gings mit Google Maps und der Hotelsuche ans Telefonieren nach Entfernung. Ich war bestimmt bei Nummer 20 oder so, als ich eine Frau an der Leitung hatte, die meinte, sie hätte nichts mehr frei, aber ihre Mutter, und zu der schickte sie mich jetzt. Zurück über die Brücke nach Kyle, in ein kleines Wohngebiet hoch über dem Ort und ein kleines Häuschen zu einer älteren Dame, die ein Zimmer für mich hatte und eine Empfehlung, beim örtlichen Chinesen noch etwas zu essen zu bekommen und sie rief auch gleich bei ihm an, bevor er Feierabend machte, es war inzwischen kurz vor 10. Ich war inzwischen dankbar für 3, aber der Preis von 70 Pfund für ein kleines Zimmer mit Bad eine Etage tiefer und einem einfachen Frühstück auch sehr fürstlich. Nun ja, man sagt ja, Bettler können nicht wählerisch sein und besser als im Auto schlafen war das allemal. Was lernte ich hier draus? - Vorbuchen!

Wir hatten noch eine nette Unterhaltung, sie zeigte mir das Badezimmer, was eine Etage tiefer lag, genau wie die Küche, wo ich zum Frühstück Cornflakes und Milch finden konnte, da sie vor mir aus dem Haus gehen würde.

Mittwoch, 10.08. - ab Kyle

 

Meine Vermieterin hatte mich gebeten, beim Öffnen des Fensters vorsichtig zu sein, die Vorhangstange überm Fenster in der kleinen Dachgaube war nur mit Federn befestigt. Ich war auch vorsichtig, als ich das Fenster nach dem Baden öffnete, beim Schließen ist mir das Ding trotzdem runter gefallen, man brauchte nur an den Vorhang drankommen. Das Befestigen war ziemlich mühsam, weil ich hoch über Kopf auf den Zehenspitzen arbeiten musste. Als ich es endlich oben hatte, fiel es wieder runter und nahm eine Glasschale von der Fensterbank mit, die auf den Boden fiel und in viele Scherben zerplatzte. Ich musste die Sauerei wegmachen, die Vorhangstange erneut anbringen und dann schrieb ich ihr einen Zettel mit einer Entschuldigung.

 

Sie hatte mir auch für den nächsten Tag Plockton empfohlen, ein kleines Städtchen von Kyle aus gesehen über den Hügel auf der anderen Landseite und sehr mild gelegen, weil windgeschützt. Es waren nur 7 Meilen und ich dachte, den Umweg könnte ich verkraften. Also ging es über Hügel und Berge, hinter sturen Schafen und durch den morgendlichen Regen nach Plockton und siehe da, im dortigen Hafen wachsen sogar ganzjährig Palmen, nicht im Topf, nein, fest verpflanzt an der Hafenstraße.

Gegenüber sieht man ein Duncraig Castle, ein Nobelhotel, welches nicht besichtigt werden kann.

Da es sich um eine Sackgasse handelt, muss ich den ganzen Weg wieder nach Kyle zurück, dann geht es endlich über die Brücke nach Skye. Es regnet inzwischen dauerhaft.

 

 

 

 

 

Auch auf Skye gibt es Wasserfälle

Nach der Brücke ging es ein Stückchen über Land und durch kleinere Ortschaften, auch mit Neubaugebieten und etwas Industrie, dann ging es über einsame Küstenstraßen und schließlich in die Berge, immer Richtung Portree, dem Hauptort der Insel. Dort hatte man mir das Inselmuseum empfohlen, aber irgendwie hatte ich an diesem Tag keine Lust auf Museum, ich hatte vor, den Old Man of Storr zu besuchen, einen Nadelfelsen im Bergmassiv, bin dort auch vorbei und es stand ein Dutzend Autos auf dem Parkplatz und ein paar Leute liefen tatsächlich bergan, aber der Regen war kalt und kräftig und zum Aussteigen und Klettern hatte ich weder Lust noch die richtige Ausrüstung. Man kann den Old Man von der Straße aus auch nicht sehen. Nadelfelsen entstanden durch Verwitterung, der Volksmund hat ihnen dann Namen gegeben. Bis vor einigen Jahren hatte der Old Man auch noch eine Frau, die ist aber leider abgestürzt und gibt es nicht mehr. Ebenso ins Wasser fielen die Fairy Ponds, eine Reihe von Seen und Wasserfällen in leuchtenden Farben, denn der Weg dorthin, ca. 30 Minuten, kann schon an guten Tagen nass und schlüpfrig sein. Und auch mein drittes Vorhaben, Bootfahren in der Bucht von Elgol zum Delfine sehen, machte bei diesem Wetter keinen Sinn. Also schweren Herzens umdrehen und die ganze Strecke wieder zurück. Doch diesmal wollte ich wenigstens etwas anderes versuchen und bog ein Stück vor der Brücke rechts ab Richtung Gleneld, die Strecke hierhin führte über die Fähre. Von der Strecke war ich nicht lange begeistert, sie führte über eine ganz schmale Straße, nur so breit wie mein Auto, viele kleine Hügel hinauf und hinab, quasi jede Unebenheit der Landschaft mitnehmend und das 7 Meilen lang bei kleiner Geschwindigkeit, teilweise ging es rechts und links richtig steil runter, da hieß es sich konzentrieren, wenn mein Auto und ich heil ankommen sollten.

Allerdings können die beiden Bilder oben nicht den Eindruck zeigen, wie steil es teilweise wirklich war. Man sieht aber glaube ich ganz gut, wie verregnet es war. Ich hasse es, wenn ich so langsam fahren muss und es erforderte ständig höchste Konzentration.

So freute ich sehr, als ich endlich die kleine Fähre sah, welche im 10-Minuten-Takt fuhr:

Doch zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass die Zubringerstraße auf der Festlandseite genauso aussah und mit 10 oder 12 Meilen sogar noch deutlich länger war… Und dennoch gab es einigen Verkehr. Tut mir echt leid, aber ich konnte wirklich nicht verstehen, dass Leute sich das ständig freiwillig antun, ich persönlich fuhr diese Strecke zum ersten und zum letzten Mal!
Dementsprechend erleichtert war ich, als ich beim Loch Duich endlich auf eine zwar kurvige, aber dennoch breitere Straße stieß. Hier machte ich an einem Aussichtspunkt eine kurze Rast und genoss die grandiose Aussicht. Diese wäre bei Sonnenschein zwar noch schöner geworden, aber hey, man nimmt was man kriegen kann!

Und denjenigen, die jetzt mal wieder über das sprichwörtlich schlechte Wetter in Schottland spotten sei gesagt, dies war, abgesehen von dem Regenguss am ersten Abend, der einzige Regentag, den ich in Schottland in 9 Tagen hatte, und wenn man das mit Deutschland vergleicht, naja. Im Jahr davor hatte ich von 5 Urlaubstagen auch keinen einzigen Regentag. Aber vielleicht hatte ich ja auch einfach nur Glück.
Die kurze Pause nutzte ich auch zu einem Telefonat und habe mir ein Hotelzimmer für die letzten 3 Nächte gebucht, die ich in der Nähe von Edinburgh verbringen wollte. Ich hatte von meiner Firma eine Empfehlung fürs Struan Bank Hotel in Cowdenbeath, rief dort an und bekam von einer freundlichen Dame 3 Nächte bestätigt. Eine gute Wahl, wie sich später herausstellen sollte!

Solche Brücken sieht man in Schottland noch oft, uralte Steinbrücken, aber sie werden noch befahren, auf Nebenstrecken, so wie diese, aber auch auf Hauptstraßen, und wenn der Platz nur für eine Spur reicht, dann halt mit einer Ampel mit kurzer Grün- und Wartezeit.

 

 

 

 

 

 

 

Nun wollte ich den am Vortag ausgefallenen Besuch in Urquhart Castle am Loch Ness nachholen. Es war dort immer noch ziemlich voll, aber ich fand doch recht kurzfristig einen Parkplatz. Sie haben oberhalb der Burg ein schönes Besucherzentrum gebaut, wo man nicht nur einen gut sortierten Shop hat, sondern auch einen Aufzug nach unten auf die Burgebene und erstmal einen gut gemachten Film sehen kann, über die Geschichte der Burg und warum sie zerstört wurde.
Die Burg liegt direkt am Loch Ness auf einer Landzunge, relativ flach am Wasser. Bereits im 6. Jahrhundert lebten dort Menschen, um 1230 wurde hier die Burg gebaut, einerseits als Festung zur Verteidigung des Landes ringsum, aber auch mit relativ viel Komfort, dem hohen Stand eines Clanchiefs angemessen. Damals war sie eine der größten in Schottland. Sie wechselte ein paar Mal den Besitz, die letzten MacDonalds sprengten sie im 1. Jakobitenkrieg in die Luft, um sie nicht dem Feind zu überlassen.

Weiter Richtung Süden, an der A86, liegt Loch Laggan, hier stieß ich auf Ardverikie Estate, ein kleines Juwel, und hier in der Nähe wurden Szenen für die allererste Episode gedreht. Ich fand ein Verwaltungsgebäude, wo eine junge Angestellte mir begeistert von den Dreharbeiten berichtete, aber hin konnte ich nicht, das Anwesen war zu weitläufig und nur noch eine Wiese übrig, auf der nicht viel zu sehen sein würde.

Nun ging es weiter nach Osten, auf der A9 durch den Tay Forest nördlich von Perth mitten in den Wald zum Queen’s View. Mein Navi war hartnäckig und schickte mich auf die kleinsten Straßen (zur Erinnerung, ich fuhr ein Schlachtschiff von Jaguar), bei den ganz kleinen habe ich mich manchmal einfach geweigert und bin weitergefahren. Schließlich fand ich am Loch Tummel den gesuchten Aussichtspunkt. Es mag vielleicht noch mehr Orte mit dem Namen geben, aber dies ist der Queen’s View, den Queen Viktoria vor ca. 150 Jahren besucht hat und der auch an einem diesigen Nachmittag wie diesem atemberaubend ist. Man erreicht ihn nur über eine kurvige, aber sehr gut ausgebaute Straße, die ich auch wieder zurück musste, den meine Hauptrichtung war östlich. Beim Umfahren einer Kurve stand ich auf einmal vor einem Bus und beide konnten wir gerade noch bremsen. Die Straße war nicht so schmal, aber in den Kurven brauchte der Bus die gesamte Straßenbreite und da ich das kleinere Fahrzeug hatte, musste ich zurück setzen, damit wir aneinander vorbei kamen.

Auf dem Parkplatz hatte ich mir per Handy ein Hotel gebucht und mir als Ausgangspunkt für den nächsten Tag Blairgowrie ausgesucht, ein kleines aber zentral gelegenes Städtchen nördlich von Perth. Der Ort liegt an einem Fluss und ist überall schön mit Blumen geschmückt. Das zuerst gewünschte Hotel war ausgebucht, so wurde es das Hotel Victoria. Es hat auch schon bessere Tage gesehen, aber die Eigentümer, ein junges Pärchen mit Kind, gaben sich große Mühe und sind dabei, nach und nach alles zu renovieren. Dafür war das Zimmer groß und sauber, unten gab es einen Pub, wo ich nach dem Diner in einem nahe gelegenen Restaurant den Abend ausklingen lassen konnte. Sie hatten zwei junge Damen aus Frankreich da, so dass ich auch mein Französisch wieder benutzen konnte, die so eine Art Tauschprogramm machten, Kost und Logis gegen Arbeit. Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen, da sie auch zum Glamis Castle wollten, was mein erstes Ziel des nächsten Tages werden sollte.

Auf dem Foto seht Ihr noch ein reichhaltiges schottisches Frühstück!

Donnerstag, 11.08. - ab Blairgowrie

 

Am Donnerstagmorgen nahm ich die beiden jungen Mädchen mit nach Glamis Castle nördlich von Dundee. Man durfte mit dem Auto auf das weitläufige Schlossgelände und auf einem Besucherparkplatz parken. Wir kauften Tickets und warteten eine Weile auf die nächste Führung. Leider durfte man innen gar nicht fotografieren. Im Untergeschoss hatten sie eine freie Ausstellung zur Geschichte des Schlosses mit vielen Bildern, auch der Neuzeit, sprich von der aktuellen Königsfamilie. Dann endlich durften wir rein und sahen als erstes den großen Speisesaal mit Holzpaneelen, eingedeckt für ein Bankett (natürlich abgesperrt), üppig eingerichtet und sehr eindrucksvoll. Was ich vorher nicht gewusst hatte, dort wurde Queen Mum geboren, die verstorbene Mutter der jetzigen Königin Elisabeth II., sie war also geborene Schottin. Sie hat mit ihrem Mann, dem damaligen Bruder des Königs, hier auch ihre Flitterwochen und viele Urlaube verbracht, d.h. auch Elisabeth verbrachte hier einen beträchtlichen Teil ihrer Kindheit. Sie haben noch sehr viel Einrichtung aus dieser Zeit, u.a. das Hochzeitsbett u.v.m.
Danach in die Krypta und einen oberen Raum, eingerichtet mit Schusswaffen, Rüstungen und Jagdtrophäen, aber nicht authentisch, sondern so wie man sich im romantischen 19. Jahrhundert das Mittelalter vorgestellt hat. Wenn man sich den Raum genauer ansieht, merkt man, dass etwas fehlt. Hier gibt es ein Geheimzimmer, der Legende nach wurden vor 500 Jahren zwei Männer vom Teufel eingemauert, weil sie am Sonntag Karten gespielt hatten – damals streng verboten. Jetzt müssen sie dort bis in alle Ewigkeit Karten spielen. Wenn man von außen schaut, sieht man auch ein zugemauertes Fenster, also der Raum existiert.
Der Hauptsaal war der Große Saal des Schlosses, überall dekoriert mit den Motiven des Königshauses, der Distel für Schottland und der Rose für England.

Er ist auch noch üppig mit Möbeln aus den vergangenen Zeiten dekoriert, hauptsächlich als Elizabeth klein war.

Die Kapelle war der interessanteste Raum von allen. Hier wurde des Öfteren schon das berühmteste Gespenst von Glamis gesehen (es gibt mehrere!), es soll sich um Lady Janet Douglas handeln, die vom König James V fälschlicherweise der Hexerei angeklagt und in Edinburgh verbrannt wurde. Seither kommt sie immer wieder hierher zurück, sitzt in der Ecke der Kapelle oder läuft herum. Ihre Besuche sind gut dokumentiert.

Auf dem Weg zum Auto kaufe ich mir im Shop noch einen Kalender mit schottischen Schlössern, als Andenken fürs nächste Jahr.

Nun wollte ich an Dundee und Perth vorbei Richtung Stirling, um die in der dortigen Umgebung gelegenen Burgen zu besuchen. Auf dem Weg dahin probierte ich es zum wiederholten Male bei der Verwalterin der Tibbermore Church, wo ich im vergangen Jahr vor verschlossener Tür gestanden hatte, nochmal umsonst wollte ich natürlich nicht hin. Gerade als ich an der Autobahnausfahrt war, ging endlich jemand ran und versprach mir, die Kirche se heute geöffnet, was sie dann auch war. Diese Kirche, gelegen auf einem alten Friedhof außerhalb jeder Ortschaft, ist wirklich ein ganz außergewöhnliches Bauwerk und hier wurde mit Claire und Geillis der Hexenprozess gedreht. Von außen ganz unscheinbar, von innen wunderbar mit viel Holz gestaltet und einem hufeisenförmigen Sitzbereich vorne, rechts und links eine kleine Empore. Ich habe dort einen Mann getroffen, der mir tief bewegt das Hochzeitsfoto seiner Eltern zeigte, die vor 50 Jahren dort geheiratet hatten.

Wenn man Zeit hat für den Abstecher – es lohnt sich!

Drummond Castle liegt westlich von Crieff. Bei der Ankunft am engen Tor des riesigen Geländes war ich mir nicht sicher, ob ich da wirklich durch sollte und durch passte, die Pfeiler waren kaum weiter auseinander als mein Auto breit, aber schließlich traute ich mich doch und es geht danach einen gefühlten Kilometer durch eine Allee bis zu einem Besucherparkplatz. Die Burg selbst ist weniger interessant, ich habe sie aus Zeitgründen jedenfalls nicht angeschaut, aber die Gärten sind der Höhepunkt für jeden Outlander-Touristen, aber auch für Gartenliebhaber aufgrund ihrer Opulenz und der streng geometrisch angelegten Form. So stehen die Gärten denn auch in Staffel 2 für die Gärten von Versailles, wo Jamie und Claire nicht nur auf den König Ludwig XV, sondern auch unverhofft auf Captain Jack Randall treffen. Dies ist eine Aussicht, die man sich wirklich nicht entgehen lassen sollte! Von der Ticketverkäuferin erfahre ich, dass sie an den Drehtagen hier war und dass später auch der Turm für Staffel 3 Ardsmuir gecastet wurde, doch inzwischen wissen wir, dass dies woanders gedreht wurde.
Hier lasse ich einfach mal die Bilder für sich selbst sprechen.

Südlich von Stirling liegt Doune Castle, welches für Castle Leoch steht, den Stammsitz der MacKenzies. Im letzten Jahr hatte ich hier nur ganz kurz Zeit gehabt, nun wollte ich mir endlich genügend Zeit nehmen. Man bekam mit dem Eintritt auch einen Audioguide und konnten an jedem markierten Punkt in der Burg die entsprechende Ansage wählen. Zu meiner großen Freude waren 3 Punkte neu hinzugekommen, und zur noch größeren Freude gesprochen von Sam Heughan. Wie dort gedreht worden war, im Herbst 2014 und im folgenden Frühjahr, dass man Wagenladungen von Erde usw. in den Hof gekarrt hatte, um ihn authentisch aussehen zu lassen und wie er über die gälische Sprache, die er nicht spricht, Zugang zur neuen Rolle und zu seinem schottischen Erbe gefunden hat. Die Burg ist nicht sehr groß, aber teil gut erhalten, teilweise wurden auch schon Restaurierungsarbeiten begonnen, die Küche fand ich sehr beeindruckend, die Größe und die Tatsache, dass nicht hier gedreht worden war (man wollte nichts beschädigen), sondern dass alles ausgemessen und 1:1 im Studio nachgebaut worden war. Ebenso nachgebaut wurde die große Halle und zwar so authentisch, dass die Schauspieler immer wieder staunten: „… und das ist ein Set?“

Es stehen inzwischen auch Hinweistafeln, um den Besuchern die Dreharbeiten zu veranschaulichen. Und auch auf den Grünflächen um die Burg wurde fleißig für Outlander gedreht. Allerdings war das nicht das erste Mal, dass die Burg Schauplatz war, bereits Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuss“ und Game of Thrones fanden hier eine wunderbare Kulisse.

Nur ein paar Meilen südlich von Doune liegt Touch House bei Stirling, welches in Staffel 2 als Culloden House fungierte. Es ist nicht schwer zu finden, man muss nur am vorderen Haus und den kleinen Büros/Geschäften links vorbei und rechts um die Kurve laufen. Auch im Haus wurde gedreht, das wusste man zu dem Zeitpunkt aber noch nicht, aber auch der Vorplatz wurde mit Zelten und Lagern der Highlander-Armee dekoriert.

Wiederum nur ein paar Meilen östlich liegt Dunmore Park, ein halb verfallenes Herrenhaus, in der die Szenen mit Claire in einem Kriegslazarett gedreht wurden, als dann der Krieg aus war. Leider liegt es auf Privatbesitz und man kommt so nicht rein. Mehr hierzu siehe Rundreise 2017.

Nun noch nach Callendar House in Falkirk. Man konnte leider nicht ranfahren, das alte Herrenhaus liegt in einem Naherholungspark, von meinem Parkplatz war es schon eine halbe Meile Fußmarsch und als ich ankam, war schon nach 17 Uhr und das Gebäude leider geschlossen. War ärgerlich, aber mein Fehler. Also nur ein Bild gemacht und das Ganze auf den nächsten Tag vertagt.

 

 

 

 

 

 

Um den Rest des Tages noch ein bisschen sinnvoll auszunützen, wollte ich auf dem Heimweg zu meinem nächsten Hotel bei Edinburgh etwas besuchen, was noch auf bzw. zugänglich war und was auf dem Weg lag. Da bot sich Lallybroch an, Stammsitz der Frasers, korrekterweise Midhope Castle genannt und Stammsitz der Familie Hope, nur wenige Meilen östlich von Edinburgh gelegen. Wie schon im Vorjahr, war ich ganz alleine dort und genoss die Stimmung des Ortes, die vielen Geschichten, die die vielen Menschen, die dort mal gelebt hatten und auch wenn der Ort heute unbewohnt und eine halbe Ruine ist, so fühlte er sich doch nicht verlassen an. Verrückt oder?

Nun noch zu meinem letzten Hotel dieser Tour, dem Struan Bank Hotel in Cowdenbeath und fand erfreulicherweise einen Parkplatz für mein Auto direkt daneben. Ich kam ja erst gegen 18.30 – 19 Uhr an, wurde freudig begrüßt von Maggie, die mit ihrem Mann Peter das Haus führt, mehr ein Bed and Breakfast. Man sah auch an manchen Stellen, dass es aus ursprünglich zwei Häusern bestand, schon ein bisschen älter, aber gut eingerichtet, sehr sauber und wohnlich eingerichtet. Ich durfte mir nach dem Eintrag ins Gästebuch auch das Frühstück für den nächsten Tag aussuchen und beschloss, Maggie’s Haggis eine Chance zu geben. Um es gleich zu sagen – ich mochte es nicht, finde aber nach wie vor, man soll fremde Gerichten immer ausprobieren, bevor man sich ein Urteil bildet – meistens wenigstens. Aber davon abgesehen, macht Maggie ein großartiges Frühstück und geht auf jeden Wunsch ein.

Freitag, 12.08. - ab Cowdenbeath

 

Für den vorletzten Tag hatte ich mir Orte rund um Edinburgh ausgesucht und beschloss, mit dem am weitest entfernten anzufangen: Dunbar Harbour, ein ganzes Stück draußen an der Ostküste. Hier wurde für Staffel 2 an der Westseite an der Hafenausfahrt gedreht, an der Ruine der Festung, wo man sich mit ein bisschen Phantasie immer noch die Burg hier vorstellen kann.

Ein Stück weiter westlich liegt eine der größten mittelalterlichen Burgen Schottlands, leider größtenteils nur noch eine Ruine: Tantallon Castle bei North Berwick, direkt am Meer, bewachte den Eingang zum Firth of Forth Richtung Edinburgh. Es gibt einen Besucherparkplatz davor, es kostet ein paar Pfund, dann läuft man über eine Dünenlandschaft Richtung Burg und sie ist sehr viel größer, als man zuerst denkt. Das Hauptgebäude hatte 5 Stockwerke nach oben, also wirklich sehr groß. Durch ihre Lage auf einer Landspitze war die Burg von drei Seiten natürlich geschützt, auf der Landseite gab es einen tiefen Burggraben. Sie war der Stammsitz des Earl of Douglas und wurde im britischen Bürgerkrieg im 17. Jahrhundert zerstört.

Nun wollte ich meinen Besuch im Callendar House in Falkirk nachholen. Nachdem ich am Vortag gesehen hatte, dass es auch einen Parkplatz recht nah am Eingang gab, fand ich den mit Hilfe meines Handys. Gebaut wurde es ursprünglich als eine Festung, aber schon im 17. Jahrhundert zum Herrenhaus umgebaut und auch danach noch mehrere Male, bis es so aussah wie heute und vor wenigen Jahren aufwändig restauriert, heute ist es ein Museum und eines der wenigen, die keinen Eintritt verlangen.
Mich interessierte in dem Gebäude allerdings hauptsächlich ein Raum: die gut erhaltene mittelalterliche Küche, in der zum Ende der 2. Staffel der Earl of Sandringham sein edles Haupt verlor und Mary sich an ihrem Vergewaltiger rächte. Die herrschaftlichen Räume wurden zwar in Drumlanrig Castle in Dumfries gedreht, aber die Küche stand in Callendar House. Gruselig schön.

Nun machte ich mich auf die Suche nach einem ganz besonderen Plätzchen, dessen genaue Lage mir im Jahr zuvor auch noch nicht bekannt gewesen war: Die West Kirk von Culross, ja genau, Culross, wo ich bereits zweimal gewesen war, ohne zu wissen, was sich hier sonst noch verbirgt. Ausnahmsweise ließ mich hier das Navi schon mitten im Nirgendwo wissen: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“. Nun, ringsum nichts als Weizenfelder zu sehen. An einer Kreuzung fragte ich einen anderen Autofahrer, der schickte mich Richtung Ort. Am Ortseingang schließlich eine Dame, die ihren Hund ausführte, sie erklärte mir, welche Feldwege ich ober halb des Ortes nehmen musste und ohne sie hätte ich es nicht gefunden. Es erweist sich mal wieder, wenn man etwas nicht findet oder nicht weiß, einfach jemanden fragen, vielleicht weiß er was, vielleicht auch nicht, aber dann fragt man halt den Nächsten, da ist doch nichts dabei und so habe ich vieles gefunden. Dies ist nun die Black Kirk in Episode 103, wo Jamie und Claire sich unterhalten und sie die Ursache der Krankheit des kleinen Thomas herausfindet. Nicht nur eine verfallene Kirche, auch ein alter Friedhof und daher mit Respekt zu behandeln.

Ich fand außerdem heraus, dass Culross auch ein Kloster hat, Culross Abbey, und nur wenige Meter hangabwärts liegt der berühmte Marktplatz, auf dem dem armen Gerberjungen das Ohr an den Pranger genagelt wurde. Rechts daneben Geillis Duncans Haus. Culross‘ Altstadt ist wunderbar gut erhalten und hat in einigen Gebäuden noch diese ganz speziellen, unverwechselbaren Fenster.

(siehe hierzu auch 2015 und Bustour 2017)

 

 

Als nächstes suchte ich Limekilns beim nahegelegenen Charlestown, in einem der dortigen Kilns (bedeutet: Höhlen) wurde für Staffel 1 gedreht, als Claire nach Jamie sucht und unverhofft auf Dougal stößt, der in einer Höhle Schmuggelware versteckt. Es ist mit einem Bauzaun abgesperrt, aber nicht besonders gut, Reinkommen war also kein Problem und ich war auch nicht die Einzige dort.

 

 

 

Nur wenige Meilen von meinem Hotel entfernt liegt die Kreisstadt Dunfermline, eine der ältesten Siedlungen in Schottland überhaupt, hier gibt es schon archäologisch Zeugnisse aus der Eisen- und Bronzezeit. Es ist auch eine der historischen Hauptstädte Schottlands und besitzt mit Dunfermline Abbey die Anfang des 12. Jahrhundert gegründete, bedeutendste Kathedrale. Über Jahrhunderte hinweg was sie Königssitz und Begräbnisstätte, so auch von David I. und Robert the Bruce, dessen Grabplatte man besichtigen kann. Aber auch das Rathausgebäude zwei Blocks weiter, am Eingang zur Fußgängerzone, hat einen ganz besonderen Charme.

 

Ein paar Meilen südlich bei Kirkcaldy liegt Dysart Harbour, eines der typischen kleinen Küstendörfchen mit einem schönen historischen Hafen. Hier wurden für Staffel 2 die Szenen in Le Havre gedreht, die rückwärtige Felswand im rechten Bildhintergrund wurde mittels Computertechnik in Hafengebäude verwandelt, im Vordergrund gehen Jamie, Claire und Murtagh an Land.

 

 

 

 

 

Direkt auf meinem Heimweg lag Balgonie Castle bei Glenrothes. Eine kleine Burg, ganz im Flachland angesiedelt, kein anderer Besucher in Sicht, irgendwie fühlte es sich zuerst komisch an. Ob ich hier wohl richtig war?
Drinnen begrüßte mich ein älterer Herr an einem Tisch, der gerade an einem Kreuzworträtsel saß. Ich fragte, ob man die Burg besichtigen könne und recht schnell kamen wir auf den Grund meines Besuches.

Hier wurde gedreht für Staffel 1, Folge 13 und 15, als Claire sich mit den Highlandern verstecken muss und Jamies Rettung aus Wentworth plant. Raymond Morris, inzwischen 84 Jahre alt, hatte die Burg Balgonie vor 37 Jahren erworben und mit ihr das Recht, sich Laird of Balgonie zu nennen. Seither hat er sie in Eigenarbeit mit seiner kürzlich verstorbenen Frau und seinem Sohn hergerichtet. Trotz seiner Arthritis gab er mir eine komplette und begeisterte Burgführung und ich habe wirklich gestaunt, was er alles aus dem Gebäude gemacht hat. Er hat inzwischen auch ein Buch herausgebracht über die Dreharbeiten, welches ich auch bekommen habe. Außerdem kann man seine Kapelle aus dem 14. Jahrhundert für Hochzeiten anmieten. Hier auf dem Bild war sie bereits für den nächsten Tag geschmückt, ganz im Kerzenschein, ich habe nur elektronisch „das Licht angemacht“, damit man auf dem Foto was erkennt. Er hat in seinem Ausstellungsraum u.a. auch ein Paar mittelalterliche Bundschuhe ausgestellt, wie ich sie auch von unserem Mittelalterfest „Peter und Paul“ in Bretten kenne, und schon waren wir beim Thema Mittelalter und ich konnte ihm begeistert erzählen, was Peter und Paul bei uns bedeutet.

Er hat die Dreharbeiten sehr genossen und würde sich auch sehr freuen, wenn das Team wiederkäme, denn, wie er mir verschmitzt erzählte, sie haben sehr gut bezahlt.
Hier musste ich mich nach zwei Stunden wirklich losreißen, denn der gute Mann hätte sicher noch Stunden weiter erzählen können, aber ich habe die Zeit mit dem wirklich charmanten älteren Herrn sehr genossen und ihm versprochen, dass ich wieder kommen werde, sofern es möglich sein wird.

Samstag, 13.08. - ab Cowdenbeath

Für den Samstag stand etliches in Edinburgh auf dem Programm, u.a. zwei geführte Touren, eine Outlander-Tour vormittags und eine Underground-Tour nachmittags. Ich hatte den Flyer hierzu am ersten Tag im Hotel entdeckt und telefonisch gebucht, als ich wusste, wie ich es zeitlich einrichten könnte. In der Stadt versuchte ich so nah wie möglich an der Fußgängerzone einen Parkplatz zu bekommen und parkte mein Auto dann in der Queen Street  neben einem Park. Ich fütterte den Parkautomat mit meinem ganzen Kleingeld und bekam 2 ½ Stunden Parkzeit bis um 12. Der Fußweg zum Treffpunkt bei der Kathedrale dauerte knapp 10 Minuten. Dort stand schon eine Gruppe von ca. 20 Leuten und unsere Führerin Kim kam herzu. Sie hatte eine dicke Mappe mit Fotos und Skizzen dabei und ist selbst ein Outlander-Fan und sie wollte uns Edinburgh so nahebringen, wie Jamie und Claire es angetroffen hätten, hätten sie im 18. Jahrhundert Edinburgh besucht (Moment mal, haben sie das gar nicht??). Zuerst zeigte sie uns neben der Kathedrale ein Herz im Straßenpflaster, das Heart of Midlothian und markiert den Eingang zum früheren Tolbooth-Gefängnis, es gab also zwei, das untere am Canongate (steht noch heute) und das obere und als Jamies Männer im Tolbooth einsaßen, war das genau hier.
Wir lernten, dass es damals mehrere Hundert Wynds und Closes gab, die kleinen Seitengässchen, eine Close hat eine Tür zum abendlichen Schließen (close=schließen). Die Royal Mile liegt auf dem Bergrücken des Vulkans (keine Sorge, der letzte Ausbruch ist schon mindestens 120.00 Jahre her) wie die Hauptgräte eines Fisches und die unzähligen Gässchen gehen seitlich ab, daher immer nach unten. So funktionierte auch das Abwassersystem, denn zur damaligen Zeit wurde alles auf die Straße gekippt und auf den regelmäßigen schottischen Regen gehofft, ansonsten wäre Edinburgh im eigenen Dreck erstickt. Nun, der Princess Street Garten unterhalb der Burg liegt direkt in einem Graben, wo sicher besonders viel Wasser rein lief, nun wissen wir auch, warum es dort so schön grün ist… Der Marktbrunnen, der jetzt neben der Kathedrale steht, stand früher mitten auf der Hauptstraße und wurde aufgrund des ständig steigenden Verkehrs irgendwann versetzt.

Wir besuchten einige der Closes, in denen es nach ein paar Metern meist recht steil bergab ging, teilweise auch mit Treppen, oft führten sie in einen Innenhof mit weitern Gebäuden. In der Bakehouse Close, eine der besterhaltenen mittelalterlichen Gassen, standen einst die Häuser der reichsten und nobelsten Familien der Stadt. Dieses hier, war zuerst ein Handwerkerhaus, später ein Bordell. Wir sahen John Knox’s Haus und das heute noch stehende Tolbooth am Canongate. Die kleine grauhaarige, temperamentvolle Person davor, das war Kim.

Die Markierungen im Pflaster vor dem World End’s Pub zeigen, wo einmal die Stadttore standen, für die damalige nicht mobile Bevölkerung tatsächlich das „Ende der Welt“. Canongate war damals eigenständige Stadt und die zuerst erbaute Holyrood Abbey neben dem später entstandenen Holyrood Palace weit von der Stadt entfernt, genau eine schottische Meile, 1,8 km
Davor kommt noch das schottische Parlament mit einem klassischen Altbau und einem hypermodernen Neubau, der auch Architekturpreise bekommen hat.

Hier endete unsere Tour und ich musste inzwischen dringend zu meinem Auto zurück, denn die Parkzeit war bereits überschritten und ich wollte keinen der teuren britischen Strafzettel bekommen. Also nahm ich mir kurzerhand ein Taxi zu meinem Auto. Vor Ort musste ich erst suchen, bis ich ein Geschäft fand, aber Geld wechseln wollte niemand, darum kaufte ich in einem Friseurladen ein paar billige Ohrringe und benutzte das Wechselgeld für den Parkautomaten. Danach wieder zu Fuß rein in die Stadt, die nächste Tour wartete!
Für die Underground-Tour hatte ich mir eine Sweatjacke mitgebracht, dort würde es kühl sein. Ich hängte sie mir über die Umhängetasche, denn im Moment brauchte ich sie noch nicht. An der Ecke des Scott Monuments merkte ich jedoch plötzlich, dass die Jacke fehlte, sie war wohl runtergerutscht. Also umkehren und suchen, ein freundlicher Mitmensch hatte sie aufgehoben und ein paar Straßen zurück um eine Stange gehängt.

Bis ich mich noch bergauf zum Treffpunkt neben der Kathedrale gekämpft hatte, war ich schon etwas spät dran und aus der Puste. Betty, unsere Führerin, wartete schon und wie ich freudig feststellte, war sie aus Österreich und sprach daher auch Deutsch. Doch wenn ich gedacht hatte, hier eine Verbündete unter Gleichsprachigen gefunden zu haben, hatte ich mich getäuscht. Ihrer Meinung nach sind Deutsche zu Österreichern sowas wie Engländer zu Schotten: Rechthaberische Unterdrücker. Nun, dazu fiel mir erstmal nicht viel ein. Unsere Tour startete trotz des Namens erstmal oberirdisch und wir erfuhren, dass während Mittelalter und Renaissance viele der Gebäude in den Gassen 10 – 14 und sogar 16 Stockwerke hatten! Die unteren aus Stein, die 1. Etage „Beletage“ oft Wohnung reicher Leute, die oberen aus Holz gebaut, ganz nach oben führten oft nur Stiegen und Leitern und je weiter oben, desto ärmer waren die Bewohner und umso geringer ihre Überlebenschancen bei einem Brand. Natürlich brachte hier keiner Schmutzwasser oder den Inhalt des Nachttopfs mühsam nach unten, man öffnete das Fenster und rief „gardeloo“, aus dem Französischen garde l’eauAchtung vor dem Wasser. Ein paar Gassen weiter ging es neben einem Pub im Souterrain über eine schmale Treppe dann in den Untergrund. Wir erfuhren, dass im Bereich der heutigen South Bridge früher ein großer Graben quer zur High Street gewesen war, der die Stadt vom östlichen Canongate trennte. Man kam auf die Idee, diesen Graben zu füllen und eine Straße darüber zu bauen, die Konstruktion besteht aus mehreren Etagen von Bögen und ist dadurch bis heute stabil, später wurden die heutigen Straßen und ihre anliegenden Gebäude einfach drauf gebaut. Nun war der Architekt, der sich das ausgedacht hatte, wohl zu teuer, also nahm der Stadtrat einfach die Pläne, gab sie einem, der das Ganze billiger baute, sparte hiermit viel Geld und kam dann auch noch auf die geniale Idee, die gewonnenen unterirdischen Räume (Vaults) zu vermieten und machte damit noch viel, viel mehr Geld. So zogen 1788 unten Handwerker, Pubs, Lagerräume, Geschäfte und vieles mehr ein, viele Leute lebten dort praktisch komplett unter der Erde. Man spricht von mehreren Zehntausend. An manchen Stellen kann man noch Muschelschalen auf dem Erdboden sehen, damals ein gängiges und günstiges Nahrungsmittel.
Irgendwann wurde das Sickerwasser zum Problem, niemand hat es gern, wenn seine Waren nass werden und verderben, und die Bevölkerung veränderte sich. Es war die Zeit des Umbruchs, Hunger und Arbeitslosigkeit im Norden und im Umland, die immer mehr Leute in die Stadt trieben und die Kriminalität nahm zu. Auch die Leichenbesorger wurden zum Problem, zuerst stahlen sie nur Leichen vom Friedhof, um sie zu verkaufen, später half man auch gerne ein bisschen nach, wenn die Leichen gerade knapp waren. So wurde das Leben immer unsicherer und 30 Jahre nach dem Bau verschloss der Stadtrat die Vaults, seither wohnte dort niemand mehr und sie gerieten in Vergessenheit. Bis 1990 ein Mann und sein Sohn beim Umbau ihres Kellers zu graben anfingen, sie gruben und gruben, förderten Tonnen von Material nach außen und irgendwann kam das Ganze an die Öffentlichkeit. Man forschte nach. Seither sind einige der oberen Räume wieder zugänglich, werden für Touren oder auch als Keller genutzt. So interessant es dort unten war, die meisten atmeten erstmal tief durch, als wir wieder die Stufen nach oben erklommen hatten.

Nach der Tour hatte ich noch ein bisschen Zeit zum Bummeln, auch wenn die Straßen in Edinburgh inzwischen sehr voll waren, es war Festival-zeit und vor lauter Leuten konnte man teilweise kaum vorwärts laufen. Überall standen Straßenkünstler, machten Gruppen oder Chöre auf ihre Veranstaltung aufmerksam, in vielen Pubs usw. gab es Musik, Theater oder Comedy, einfach der helle Wahnsinn. Vieles mit, aber auch ohne Eintritt und der Festivalguide mit allen Veranstaltungen ist ein dickes Heft. Ich kaufte den schönen Ring mit dem fetten Klunker für meinen Mann, er war zwar wirklich nicht billig, aber mit einem einzigartigen Stein und ich rechtfertigte es als Geschenk für seinen Geburtstag im nächsten Monat. Nun nahm ich wehmütig vorerst Abschied von Edinburgh und nahm Kurs Richtung Hotel, aber noch nicht ganz, denn ich wollte auf dem Weg noch nach Falkland.

 

Inzwischen war auch die zweite Staffel abgedreht worden, wir hatten sie aber noch nicht gesehen, doch ich wusste, dass wieder in Falkland gedreht worden war, stellvertretend für Inverness des 18. und auch des 20. Jahrhunderts. Und so schaute ich mich rund um das „Covenanter’s“, welches für Mrs. Beards Pension stand, nochmal um und entdeckte die Gasse, durch die Claire mit Murtagh und Jack Randall geht, das Rathaus, welches als Stadtarchiv diente und auch den Falkland Palace. Leider war es schon zu spät und er hatte geschlossen, aber vielleicht beim nächsten Mal (siehe auch 2015 und Bustour 2017).

Sonntag, 14.08. - ab Cowdenbeath

 

Am Sonntagmorgen ging mein Flug schon gegen 11 Uhr, d.h. es blieb mir nur Zeit fürs Frühstück, ehe ich packen und mich von Maggie und Peter verabschieden musste. Mietwagen zurückgeben und einchecken, dann waren 9 Tage Urlaub leider viel zu schnell vorbei.

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© Daniela Biela