Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland
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Rundreise September 2018

 

Donnerstag, 6. September - ab Flughafen Frankfurt nach Glasgow

Meine Tochter Carmen und ihr Freund Dennis haben Conny und mich zum Flughafen Frankfurt gebracht und auf dem Weg hat Dennis gleich noch meinen Laptop wieder zum Laufen gebracht – für beides ganz vielen Dank!
Bei großer Hitze losgefahren, setzte unterwegs wie zur Einstimmung leichter Regen ein und bei teilweise zähflüssigem Verkehr waren wir dann kurz nach 12 Uhr am Flughafen Frankfurt. Innerhalb weniger Minuten waren wir alle 5 versammelt und gingen nach einer herzlichen Begrüßung miteinander durch die übliche Prozedur – Koffer abgeben, Toilettengang und Sicherheitscheck bis zum Boarding. Direkt nach dem Sicherheitscheck waren wir einigermaßen verwundert, sahen wir uns doch konfrontiert mit einer unmittelbar dahinter beginnenden, endlos langen Warteschlange. Ein Flughafenmitarbeiter, kurz angesprochen, empfahl uns, einfach rechts daneben vorbei zu gehen. Weiter vorne sahen wir, dass dies die Schlangen vor der Passkontrolle warten – ein derartiges Gewimmel  hatte dort noch keine von uns erlebt! Und wieder hatten wir Glück; ein angesprochener Uniformierter schickte uns zu einem kaum sichtbaren Schalter in der Mitte mit nur einer Handvoll Leuten vor uns, so dass wir in kürzester Zeit durch die Passkontrolle waren und uns über diesen Riesenglücksfall freuen konnten! Der Flug mit Lufthansa verlief angenehm und ereignislos, dafür voller Vorfreude auf die bevorstehenden Tage.

Nach der frühzeitigen Landung in Glasgow und Passkontrolle machten wir uns auf zum Car Rental Center, welches in einem Nebengebäude direkt neben dem Flughafenausgang liegt. Während der Wartezeit – seit wann muss man beim Mietwagen abholen eigentlich Nummern ziehen??? – einigten wir uns auf Conny als zweite Fahrerin. Am Schalter schlug man uns gegen Aufpreis ein etwas größeres Mietauto vor, einen Vito statt des gebuchten VW Sharan (nein, keine Werbung, nur eine Tatsache). Eine kurze Besichtigung und Größenvergleich erleichterte mir ganz schnell die Entscheidung – der Vito war VIEL zu groß für schottische Straßenverhältnisse! Auf der Frage nach einem Navi (welches wir aus Kostengründen nicht mitbestellt hatten; wir hatten vor, mit Handys bzw. Sabines Navi zu fahren, was aber leider kein Update für Großbritannien bekommen hatte), antwortete ich spontan „nur wenn es umsonst ist“ und der Mitarbeiter nickte nur und so hatte ich ganz einfach und kostenlos ein Navi, weil das Auto das ohnehin eingebaut hatte. Darauf hatte ich ehrlich gesagt früher auch schon spekuliert – schließlich kann es ja nicht ausgebaut werden, nur weil der Mieter es nicht mit bezahlt hat…

So bekamen wir schließlich unseren weißen Sharan, ich kämpfte noch etwas mit dem erklärungsbedürftigen Handbremsschalter, doch schließlich konnten wir unser Auto beladen, der Kofferraum war mit 5 Koffern, 5 x Handgepäck und Jacken gut voll, dann noch ein kurzes Foto – und los gings Richtung Glasgow Innenstadt, wo unser erstes Apartment gebucht war. An den Linksverkehr war ich schnell wieder gewöhnt, war ja nicht das erste Mal.

Obwohl wir so frühzeitig gelandet waren, hatte alles doch ziemlich lange gedauert, ein ziemlicher Stau auf dem Weg in die Innenstadt führte dazu, dass wir schon deutlich später dran waren als mit der Mietagentur vereinbart und die mich auch schon mehrmals auf dem Handy angerufen hatten, weil sie wissen wollten, wann wir endlich zur Schlüsselübergabe kommen würden. Schließlich waren wir endlich in der richtigen Straße - Ingram Street - und suchten noch nach der richtigen Hausnummer. Leider gingen die Hausnummern in großen Sprüngen weiter und kurz darauf waren wir schon an der gesuchten Nummer 120 vorbei. Ich bog in nach links ab, um einmal ums Karree zu fahren und hielt kurz am Straßenrand, um nochmal mit der Agentur zu telefonieren, als es ans Seitenfenster klopfte: Ein Polizist in voller Kampfmontur schaute mich böse an und ich bekam den Schreck meines Lebens: „Sie werden hier doch nicht Auto fahren und gleichzeitig telefonieren!“ Ich sah mich bereits mit einem saftigen Strafzettel und Schlimmerem konfrontiert und versuchte, die Situation zu erklären, dass wir uns verfahren hätten und mit der Agentur telefonieren müssten, um zu erfahren wie und wohin. Der Polizist reagierte überraschenderweise sehr verständnisvoll und meinte, ich solle umdrehen und rechts abbiegen, die gesuchte Adresse sei gleich um die Ecke. Sehr erleichtert durften wir ohne Probleme weiter fahren und sahen gleich nach dem Abbiegen einen Mann vor der Haustür von 120 stehen, der zu uns ins Auto stieg und uns in die Parallelstraße zur Einfahrt in die Tiefgarage lotste, wo wir einen Pkw-Abstellplatz gebucht hatten, was in der City eine wirklich gute und auch günstige Lösung war. Hier zeigte sich sofort, dass es keine gute Idee gewesen wäre, den größeren Vito zu wählen – bereits mit dem Sharan waren es nur wenige Zentimeter Platz an den Außenspiegeln beim Einfahren. Äußerst vorsichtig nahm ich die Einfahrt und wir konnten unser Auto endlich abstellen. Das Apartment erwies sich als sehr schön und luxuriös eingerichtet, pro Doppelzimmer hatten wir je ein Bad und eine Schlafcouch im Wohnbereich, der nahtlos in die Essecke und die geräumige Küche überging. Karin wollte auf die Schlafcouch, Sabine teilte das Zimmer mit Christina und ich mit Conny. Nachdem wir uns kurz eingerichtet hatten, es schon relativ spät war, machten wir uns auf, zu Fuß die Gegend zu erkunden. Ich hatte vorher schon herausgefunden, dass John Street und George Square in unmittelbarer Nachbarschaft lagen und wollte den Mädels wenigstens diese beiden Sehenswürdigkeiten noch am ersten Abend zeigen. John Street lag nur um die erste Ecke, dies ist die Straße zwischen der klassizistischen Verwaltungsgebäuden der Stadt Glasgow, wo die Hochzeitsszenen mit Claire und Frank gedreht wurden. Wir waren auch nicht die Einzigen, die dort Fotos machten, ob wegen der schönen (wenn auch dunkel verfärbten Sandstein-Gebäude) und des Tores oder als Outlander-Fans wie wir, blieb offen.

Danach ging es einen Block nach Westen auf den George Square, der sich über zwei große Blocks erstreckt, bestehend aus Rasen, Blumenbeeten und vielen Gedenkstätten und Skulpturen.

Hier entstand auch endlich unser erstes Gruppenfoto:

Zu guter Letzt suchten wir noch nach einem Restaurant für das Abendessen und landeten im Piazza Italia, einem guten und rustikalen Lokal in der John Street mit italienischem Essen.

Wir haben sehr gut gegessen und hatten viel Spaß miteinander, bevor einigermaßen erledigt ins Bett fielen.

Freitag, 7. September - Glasgow

 

Am Freitag begannen wir den Tag mit einem ausführlichen Frühstück in einem Lokal in der John Street, gleich neben dem Restaurant vom Vorabend. Das Frühstück war reichhaltig und lecker, wir mussten aber ziemlich lange darauf warten, wohl weil bei den von mir und Sabine bestellten Lauch-Tartes noch gedünsteter Kürbis und verschiedene Bohnen dabei waren. Viel zuviel, hatten wir doch auch noch Rühreier und Brot bestellt. Auf jeden Fall hatten wir viel Spaß, jedes Gericht fand Zustimmung und so konnten wir uns gut gestärkt an das Programm des ersten Tages machen.

Schließlich kamen wir eine ganze Weile später als geplant in die Gänge und es ging zuerst vorbei zu Sams Bild an der Mauer von Tennent’s Brauerei in der Duke Street. Vor ein paar Jahren hat Sam Heughan ein paar sehr witzige Werbespots für die Brauerei gedreht, gerne mal auf youtube suchen und anschauen.

in Richtung Glasgow Cathedral, wo ich wie geplant einen Parkplatz genau neben dem Pub am Cathedral Square fand. Wir wollten uns zuerst die Kathedrale anschauen und fanden bereits die ersten Souvenirs, Postkarten und Briefmarken, sogar Outlander-Artikel verkaufen sie dort bereits! Die Kathedrale heißt eigentlich St. Mungo's Kathedrale oder auch High Kirk of Glasgow und gehört der reformierten Church of Scotland. Das Gebäude gehört der Krone und ist schon seit über 300 Jahren kein Bischofssitz und damit eigentlich keine Kathedrale mehr, aber der Name hat sich einfach gehalten. Die Chorschule von 1124 ist mit fast 900 Jahren die älteste bestehende Schule Schottlands.

Ich zeigte meinen Mädels natürlich auch die Krypta (lower crypt), wo zwischen den Bogengängen für die Krankenhausszenen in Staffel 2 gedreht wurde, es gibt dort unten inzwischen auch eine Hinweistafel auf die Dreharbeiten. Interessant ist auch, dass die Kathedrale auch den Krankenschwestern gewidmet ist.

Danach ging es bei schönstem Wetter über die Brücke hoch zum alten viktorianischen Friedhof, genannt Necropolis (griechisch für Totenstadt), von wo man auch einen schönen Blick über die Stadt und die Kathedrale hat. Man findet dort viele Grabmale oder Statuen bekannter Schotten, so z.B. des berühmten Reformators John Knox oder des Chemikers Charles Tennant. Sabine und Conny bestiegen den steilen Berg für einen großen Rundgang; Christina, Karin und ich blieben im unteren Bereich.

Ich nutzte die Zeit, um mich mit Gillebride MacMillan in Verbindung zu setzen, der mir schon vor Wochen zugesagt hatte, uns an einem Abend zum Dinner zu treffen. Nun, Dinner klappte bei ihm aus familiären Gründen nicht, aber er wollte mit uns zum Lunch und uns vorher am Drehort in der Dowanhill Street treffen. Wir machten kurzerhand einen Treff aus und fuhren, als Sabine und Conny zurück waren und ich allen noch kurz das älteste Haus in Glasgow, Provand’s Lordship direkt gegenüber der Kathedrale, gezeigt hatte, mitten durch die City über die Great Western Road in das Gebiet mit den schönen Stadthäusern aus rotem und weißem Sandstein, wo wir nach kurzer Zeit auf Gillebride trafen. Er arbeitet als Lehrer an der Universität und betätigt sich nebenbei als Sänger, hauptsächlich auf Gälisch, so ist er auch als Barde in Staffel 1 von Outlander aufgetreten und hat seither eine gewisse Fangemeinde, durchaus verdient wie wir alle finden, denn er ist ein großartiger Sänger. Er hat mir wie erbeten seine neue CD mitgebracht und gleich signiert. Dann zeigte er uns das Haus und die Straße, in der für das Bostoner Zuhause der Familie Randall gedreht worden war. Er war damals zufällig morgens dort vorbei gekommen, weil diese Straße auf seinem Fußweg zur Uni liegt und er hat dort mehrere altmodische Autos und Aufbauten für Dreharbeiten beobachten können.

Danach begleiteten wir ihn auf seinem Weg Richtung Uni in ein Café namens Little Italy an der Byres Road auf einen Kaffee. Wir verbrachten noch eine angenehme halbe Stunde zusammen, er lud uns auf sein Konzert ein, welches in der folgenden Woche in Edinburgh sein würde, bevor wir uns verabschieden mussten, weil wir um 14 Uhr in der Auchintoshan Distillery erwartet wurden.

Bis wir endlich wieder alle im Auto waren, war es dann doch etwas später und die Distillery ist auch ziemlich weit draußen vor den Toren der Stadt, immer in Verlängerung der Great Western Road. Schließlich erreichten wir kurz nach 14 Uhr die Auchintoshan Distillery, wo wir ein Whisky Tasting für nur 4 Personen gebucht hatten, weil Karin keinen Whisky trinkt. Freundlicherweise durfte sie uns aber Gesellschaft leisten und musste sich nicht wie erwartet alleine die Zeit vertreiben. Wir durften 5 verschiedene Sorten probieren, teilweise auch mit ein paar Tropfen Wasser die geschmacklichen Änderungen schmecken, die Reste wurden uns im Anschluss in Schraubgläsern mitgegeben.

 

Unsere Gruppe bestand aus ca. 25-30 Leuten. Zuerst erklärte uns der Führer, dass es ca. 136 Destillerien in Schottland gibt, die alle in einem Verband zusammengeschlossen sind. Das Mälzen und Schreddern des Korns wird inzwischen (wie in den meisten anderen Destillerien auch) außer Haus gemacht. Die wichtigsten ersten Arbeitsschritte sind daher das Wässern und Einweichen des Schrots in verschiedenen Stufen und Temperaturen, um den Zucker zu lösen und den Gärprozess in Gang zu setzen. Vereinfacht gesagt, man braut innerhalb weniger Tage ein einfaches Bier. Danach wird es destilliert, wobei das Besondere an Auchintoshan ist, dass es nicht wie üblich zweimal, sondern dreimal destilliert wird, um danach mit destilliertem Wasser auf einen trinkbaren Prozentsatz herunter verdünnt zu werden. Mit der Abfüllung in Fässer werden entscheidende Weichen für den Geschmack gestellt, z.B. in Rotweinfässer aus Südfrankreich, gerauchte Eichenholzfässer, Sherry oder Bourbon Fässer. Manche Sorten werden auch von einem Fass ins andere umgefüllt oder aus 3 Sorten gemischt, eine sogenannte „Marriage – Hochzeit“. Nach der Besichtigung der gelagerten Fässer gab es für alle noch mal ein Gläschen zum Probieren.

Nun fuhren wir den gleichen Weg wieder zurück in die Stadt, um noch vor der Schließung in den Botanic Garden zu kommen. Ich ließ die Mädels aussteigen, um einen Parkplatz zu suchen, den ich nach ein bisschen Kurven in der Seitenstraße gleich gegenüber dem Eingang fand und ging ihnen hinterher. Auch wenn wir befürchtet hatten, die Gewächshäuser wären schon geschlossen, waren sie doch noch auf und ich sah Conny gerade im Jugendstil-Haus verschwinden. Wunderschön, wie es innen gestaltet ist, hell und lichtdurchflutet, mit vielen auch tropischen Pflanzen, Karnivoren etc.

Von da ging es in die anderen Gewächshäuser mit Wüstenpflanzen, Orchideen, Bananan, Palmen, etc…. Die Vielfalt an Formen und Farben war wirklich überwältigend!

Danach schlenderten wir Richtung Ausgang, wo wir blühende Blumen fanden, die mich auf den ersten Blick an Krokusse erinnerten, aber nein, es waren natürlich - Herbstzeitlose. Ein echtes Glück, dass wir mit Christina eine ausgemachte Biologie-Expertin an Bord hatten!

Und wir trafen auf das Eichhörnchen, das den Anderen schon vorher begegnet war, zutraulich genug, um Christina aus der Hand zu fressen, die immer noch ein paar Mandeln in der Tasche hatte. Wirklich einmalig… Und nein, die meisten Bilder sind keine Vergrößerung, ich war wirklich so nah dran!

Ein paar Blocks südlich wollte ich meinen Freundinnen im Kelvingrove Park die schöne alte Brücke zeigen, wo eine Szene mit Claire und Brianna im Kinderwagen gedreht worden war. Da es schon relativ spät war, fanden wir am Kelvin Way problemlos einen Parkplatz direkt neben dem Parkeingang und die gesuchte Brücke lag nur wenige Meter in den Park hinein, über den Fluss Kelvin.

Nun trauten wir uns doch noch in die Universität, auch wenn wir schon befürchtet hatten, dass der Zugang wegen der fortgeschrittenen Stunde geschlossen wäre, doch wir fanden den Haupteingang wie erhofft offen vor und einen Parkplatz nur ein paar Meter weiter, noch dazu kostenlos. Der reinste Luxus. Die Universität ist ein architektonisches Kleinod aus dem 15. Jahrhundert und ich fand ohne Probleme den Säulengang wieder, genannt Cloisters, den ich schon im Vorjahr besucht hatte. In der Serie laufen hier Claire und Frank nach einer Familien-Einladung bei seinem Chef der Uni hindurch.

Wir fanden noch mehr schöne Ecken an dem komplexen Gebäude, bevor wir uns doch auf dem Heimweg Apartment machten.

An diesem Abend wollten wir in Jamie Oliver’s Restaurant, welches wir schon am ersten Abend entdeckt hatten, direkt am George Square und wir fanden zu unserer Freude auch direkt einen Tisch für uns in der Mitte des Restaurants. Es war sehr gut besucht und bot überwiegend italienische Küche, mit schottischem und kreativem Einschlag, wie man es bei dem berühmten Namen auch erwarten kann... Wie auch an den meisten folgenden Abenden bekamen wir eine gemeinsame Rechnung und legten zusammen, getrennte Rechnungen und separat zahlen ist in Großbritannien wie auch in den meisten anderen Ländern weitgehend unüblich.

Samstag, 8. September - Aberfeldy, Craigh na Dun, Queen's View, Pitlochry und Falkirk

 

Oder: Wo ist der Mann im Kilt???

 

Am Samstag stand im Mittelpunkt der Besuch der Highland Games in Pitlochry, die einzigen in erreichbarer Nähe während unseres Aufenthalts in Schottland. Pitlochry liegt ein großes Stück, ca. 2 Fahrstunden, nördlich von Glasgow, so dass wir rechtzeitig losfahren wollten, um rechtzeitig zu Beginn der Heavy Weights (eine Art Siebenkampf der Disziplinen) gegen 12.30 Uhr dort zu sein. Darum gingen wir nicht in das Frühstückslokal des Vortages, wo wir recht lange fürs Frühstück gebraucht hatten, sondern in das Café Tinderbox direkt unter unserem Apartment, etwas schlichter eingerichtet, aber mit gutem und günstigem Frühstück. Dadurch konnten wir frühzeitig starten, bei bestem Wetter und mindestens genauso guter Laune. Doch eines fehlte noch: Karin wollte endlich einen Mann im „richtigen“ Kilt sehen. Diese waren doch in einer modernen Großstadt wie Glasgow eher Mangelware, außerdem hatte sie in der Mitte der hinteren Sitzreihe wohl auch nicht optimale Sicht und wenn dann doch mal eine der Anderen einen Kiltträger erblickte und ausrief „Mann im Kilt“, so hieß dann „wo? – ach, schon wieder vorbei“. Dieser Ausdruck „Mann im Kilt“ entwickelte sich genau wie ein anderer zu einem geflügelten Wort auf unserer Reise, was immer wieder für Heiterkeit in unserer Runde sorgte. Wir konnten Karin guten Gewissens versprechen, dass sie an diesem Tage auf den Highland Games einige Männer im Kilt zu sehen bekommen würde. Es ging zunächst auf den Motorway (Autobahn) Richtung Nordwesten und Edinburgh, bevor wir dann auf die A9 und später dann auf kleinere Nebenstraßen kamen. A’s sind in Großbritannien wie bei uns die Bundesstraßen, von den einstelligen Nummern, den ganz wichtigen und sehr oft sehr gut ausgebaut, gerne auch mal vierspurig, bis hin zu den dreistelligen A’s und den Kreisstraßen, den B’s, was sich meist auch in der Breite und Qualität zeigt, bis hin zu einspurigen Straßen mit passing points – Ausweichstellen, welche die Schotten freundlich und entgegenkommend nutzen, Gerangel haben wir eigentlich nicht erlebt.

Wie ich es allein fahrend schon oft praktiziert hatte, war auch mit unserer Gruppe abgesprochen, dass wir bei einer schönen, interessanten Aussicht bei Bedarf und spontan einfach anhalten würden, um den Ausblick zu genießen und Bilder zu machen. So hatten wir auch nach einem kurvigen Anstieg durch ein Wäldchen, bei dem wir einen Radfahrer überholt hatten, nach dem Verlassen des Waldes auf einem geraden Straßenabschnitt einfach angehalten, vor uns lag eine wunderschöne Landschaft, die Ah’s und Oh’s hervorrief.

Wir stiegen aus, um Bilder zu machen und wollten gerade wieder losfahren, als es hinten einen Riesenschlag tat und wir nach einer Schrecksekunde feststellten, dass der vorher überholte Radfahrer uns hinten drauf gefahren war! Er hatte sich wohl Meter um Meter bergan gekämpft, dabei nur auf die Seitenlinie geachtet und war mindestens so erschrocken wie wir. Glücklicherweise war weder ihm, noch seinem Rad oder unserem Auto Schlimmes passiert und er konnte seinen Weg radelnderweise fortsetzen, während wir uns vor Lachen kaum mehr einkriegten. Und so wurde der Radfahrer, wann immer wir einen sahen, zu einem weiteren running gag und wir werden dieses Ereignis sicher lebenslang nicht mehr vergessen.

Ein nächster schöner Punkt, den wir entdeckten, war das kleine Städtchen Aberfeldy mit der Tay Bridge, eine wunderschöne alte Brücke über das Flüsschen Tay, deren Überfahrt im Einbahnverkehr mit einer Ampel geregelt wird. Da wir zu spät reagiert hatten, wendeten wir und fuhren nochmals zurück über die Brücke, um von der anderen Seite her ein paar schöne Bilder zu machen. Hierbei entdeckten wir auch das Denkmal für die Black Watch, deren Tartan Conny und ich in unseren Kleidern tragen. Ein wunderbar friedliches, schönes Plätzchen.

Auf dem Weg nach Pitlochry liegend wollte ich meinen Mädels noch den „echten“ Craig na Dun zeigen, dessen Lage ich erst wenige Tage zuvor auf Stuart Morrisons Seite outlanderlocations.com gefunden hatte. Dort habe ich schon oft viele wertvolle Hinweise für Locations entdeckt, besonders im Vorjahr zu Staffel 3. Ich war ja ein Jahr zuvor mit der Bustour auch an einem Platz, den wir für den Drehort für den Steinkreis gehalten hatten, dies jedoch war aller Recherche nach der falsche, und ich habe wirklich gründlich recherchiert, um nicht noch einmal einer Fehlinformation zu folgen und es hat sich bestätigt. Dieser sicher magisch Platz liegt südlich des Wasserreservoirs östlich von Kinloch Rannoch, auf einer Farm an einer kleinen, kurvigen Straße durch die Berge gelegen. Ein Hinweisschild am Gatter bestätigt, dass dies der „echte“ Craigh na Dun ist und auch eine echte, prähistorische Stätte, was auch mit echten Steinen, die nur knapp aus dem Boden ragen, markiert ist. Man darf den abgesperrten Privatgrund betreten und wird höflich um gutes Benehmen gebeten, für uns eigentlich selbstverständlich. Einziges Hindernis außer dem Gatter ist ein Viehgitter, über das wir sehr vorsichtig gingen und uns voll Freude dem magischen Ort, von dem wir auch einen wunderschönen Blick über das Tal und die Seen hatten. Natürlich mussten wir auch ein bisschen tanzen und ein bisschen träumen, bevor wir uns wieder auf den Weg zum Auto machten und bereits spekulierten, wie lange es wohl dauern würde, bis auch dieser Platz kommerzialisiert würde, vielleicht 1-2 Jahre, dann steht auch dort ein Kassenhäuschen.

Weiter ging es, vorbei an den ersten echten Highlandrindern – Highland coos genannt -

an Kinloch Rannoch vorbei über eine sehr lange, kurvenreiche Strecke nördlich am Loch Tummel entlang zu einem nächsten Aussichtspunkt, dem traditionsreichen Queen’s View, benannt nach Queen Victoria, die ihn vor vielen Jahren besucht hat. Wir waren schon später dran als wir wollten und fanden glücklicherweise einen Parkplatz direkt an dem kleinen Treppenpfad, der zur Aussichtsplattform führte. Schönstes Wetter bereitete uns wahrlich eine königliche Aussicht,

die wir genossen, bis Christina mir aufgeregt berichtete, dass wohl ein Mann in Uniform gerade dabei war, unser Auto aufzuschreiben. Da britische Strafzettel nicht gerade dafür bekannt sind, günstig zu sein, beeilte ich mich so schnell wie möglich zum Auto zurück zu kommen und fand einen Parkplatzwächter in orangener Weste und das Ganze ließ sich glücklicherweise schnell aufklären. Wir standen in dem Bereich, den Busse zum Wenden benutzen dürfen, nur dass zu dieser Zeit dort gar keine Busse waren. Ich erklärte dem freundlichen Mann, dass wir gleich wieder weg wären, beim Einparken hatten dort noch mehr Autos gestanden, neben die ich mich kurzerhand gestellt hatte und dabei gar nicht auf die Idee gekommen war, das nicht zu dürfen, wir hatten es auch einigermaßen eilig gehabt. Er kämpft wohl jeden Tag immer wieder aufs Neue für Ordnung auf „seinem“ Parkplatz.

 

Von dort waren es dann nur noch wenige Meilen nach Pitlochry. Der Weg zum Festbereich führte uns schon mal durch das malerisch schöne Örtchen, welches auch schon öfter einen Wettbewerb gewonnen hat, der in etwa "unser Dorf soll schöner werden“ entspricht und wenn man durchfährt, versteht man sofort warum. Das Festgelände lag hinter dem Ort auf einer riesigen Wiese, wir zahlten den Eintritt vom Auto aus und bekamen mit Nachfragen nach einem Behindertenparkplatz und ein bisschen Hartnäckigkeit einen günstig gelegenen Parkplatz gleich neben den ersten Attraktionen. Ein Prinzip, dass wir in den nächsten Tagen noch oft und gerne anwenden würden. Es war inzwischen schon nach 13 Uhr und die Games waren in vollem Gange.

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© Daniela Biela