Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland
Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland

Der zweite Teil unserer Rundreise...

aus Platzgründen zwingt mich das System meiner Homepage, eine zweite Seite anzufangen:

 

Donnerstag, 13. September -

 

Am Donnerstag morgen wollten wir zuallererst zum Tesco Supermarkt in Inverness, um dort zu frühstücken und einzukaufen. Karin hatte mit der Erkältung begonnen und sie inzwischen übers Auto an Conny und mich weiter verteilt, so dass wir Tempos benötigten. Das Frühstück in der kleinen Cafeteria dort war ok, aber nicht berauschend, so dass wir uns vornahmen, am nächsten Tag wieder nach einem Dobbie’s Ausschau zu halten. Kurz nach dem Losfahren am Apartment, ein paar Ecken weiter, hatten wir beim Fahren festgestellt, dass eine Tür offen war – aber nicht irgendeine, die Kofferraumklappe stand ganz weit oben! Ich war ausgestiegen und hatte sie zugeklappt, glücklicherweise schien nichts herausgefallen zu sein, jedenfalls lag nichts sichtbar auf der Straße. Bei Tesco vermisste Conny aber ihr Täschchen mit allem Schmuck, den sie am Vortag noch dorthin umgeräumt hatte. Wir mussten eine ganze Weile suchen unter den Teilen, die oben auf den Koffern lagen, Taschen, Rucksäcke, Jacken, Einkaufstüten, aber schließlich fanden wir die Tasche. Als nächstes wollten wir auf Christinas Vorschlag hin eigentlich zur Nessie Skulptur fahren, welche wir südlich von Inverness vermutet hatten, aber wir fanden heraus, dass sie nördlich von Urquart Castle auf der westlichen Seite von Loch Ness steht und diesen Umweg wollten wir dann doch nicht machen. Also ging es gleich auf per Autobahn nach Aviemore, welches der Hauptort in einem Touristengebiet ist, bekannt auch für Wandern und Skifahren, und ins südlich gelegene Gebiet von Tuloch Ghru, eine wunderschöne Waldgegend, wo viel für die Folgen 1 und 2 von Staffel 1 gedreht worden war. Wir fuhren auf einem kleinen Sträßchen durch den Wald Richtung Newtonmore und kamen unterwegs über eine kleine Brücke, gleich daneben dieser Wasserfall, sodass wir einfach anhalten mussten. Aber auch über diese kleine Straße fahren unbegreiflicherweise große LKW, die dann manchmal mit Gegenverkehr kämpfen müssen.

Endlich erreichten wir Newtonmore und das außerhalb gelegene Highland Folk Museum. Dies ist ein gemeinnützig betriebenes Freilichtmuseum, hauptsächlich bestehend aus woanders abgebauten und wieder aufgebauten Wohn- und Arbeitshäusern. Es kostet keinen Eintritt, aber um Spenden zum Erhalt und Betrieb wird gebeten. Der Eingang des längsgestreckten Geländes liegt ungefähr in der Mitte, wir beschlossen, uns zuerst den rechten Teil anzusehen, wegen dem wir hauptsächlich hier waren, dem Dorf mit Häusern um 1700, in denen vor allem für die Folge mit der Pacht in Staffel 1 gedreht worden war. Davor sahen wir eine kleine Gruppe Handwerker-Häuser, eine Schreinerei, eine Schneiderei, eine Schule, live mit Anschauungsunterricht von einem strengen Schulmeister aus der Zeit vor etwa 100 Jahren. Geschrieben wurde an Holztischen auf Schiefertafeln oder mit Füllfederhaltern, gespielt mit seltsamen Metallreifen und gestraft mit einem breiten Lederriemen auf die offene Hand, der Lehrer demonstrierte an seinem Pult, wie das knallt. Autsch! Mag man sich gar nicht vorstellen…
Wir wanderten auf einem einigermaßen matschigen Weg durch den Wald Richtung Siedlung und sahen einen schmaleren Pfad kreuzen, den wir auf dem Rückweg auskundschaften wollten, er sah zumindest kürzer aus. War es am Anfang noch ein breiter Fahrweg, der offensichtlich auch von einem Traktor mit angehängtem Zug genutzt wurde, war das letzte Stück bergan nur reiner Fußweg und man wunderte sich, wie hier wohl das ganze Equipment zum Drehen hochgetragen worden war. Gleich am Anfang des Dorfes begrüßten uns zwei Frauen in historischer Kleidung und zeigten uns die Häuser und das Innere der reetgedeckten Langhäuser, eingeteilt in einen Bereich für das Vieh, einen fürs Kochen und Arbeiten mit einem Loch im Dachfirst als Rauchabzug und einem Teil für Schlafen, insgesamt wie erwartet spartanisch eingerichtet und sehr dunkel, die Dächer bis knapp über den Grasboden herabgezogen und wenig bis gar keine Fenster. Man erklärte uns, wo die Wagen gestanden hatte, wo was stattgefunden hatte, z.B. links hinter dem einen Haus die Szene mit dem Wolle walken. Ein paar der dortigen Frauen waren unter den Statisten. Ursprünglich war eine Folge angedacht mit einem altmodischen Dörfchen mit Straßen und Gehwegen, aber bei Recherchen hatte das Team herausgefunden, dass es das zur Mitte des 17. Jahrhunderts einfach nicht gab und man war auf dieses altertümliche Dorf gestoßen. Dieses wurde sozusagen wiederentdeckt, die jetzigen Häuser nach historischem Vorbild auf Resten von Grundmauern wieder aufgebaut, also gab es dort wirklich mal dieses Dorf. Momentan sind es ein paar Wohn- und ein paar Arbeitsgebäude. In einem steht ein riesiger Webstuhl, der quasi einen ganzen Raum füllt, daneben gibt es einen halb offenen Unterstand mit einem Drechselbalken, ein Dreibein mit einem Kessel auf der Wiese. Mittelfristig werden wohl noch ein paar Häuser dazu kommen, man sammelt Material, wird aber alles ehrenamtlich geleistet. Inzwischen wollten wir in die andere Richtung, hatten aber Sabine aus den Augen verloren. Im Dorf war sie offensichtlich nicht mehr, aber auch keiner hatte sie gehen gesehen. Die jüngere der beiden „Dorfbewohnerinnen“ schlug uns vor, mit dem Traktor auf die andere Seite zu fahren und von dort aus Richtung Mitte und Ausgang den 1930er Bauernhof zu erkunden. Das fanden wir gar keine schlecht Idee und so forderte sie mit einem unter ihrem Rock verborgenen Funkgerät den Traktorfahrer an, während wir zum Wendepunkt der Straße hinunter gingen und vergeblich versuchten, Sabine zu erreichen. Wir bezahlten dem Fahrer jede unseren Obulus von 1 Pfund – besser schlecht gefahren als gut gelaufen – und trugen ihm auf, unterwegs nach Sabine zu sehen. Kurz nachdem wir aus dem Wald heraus waren, sahen wir sie tatsächlich, der Fahrer hielt an und half ihr einzusteigen. So kamen wir gut durchgerüttelt in den hintersten Teil, wo ein Bauernhof aus den 1930er Jahren, manches sah auch etwas moderner aus, wieder aufgebaut worden war. Es gab eine Poststation und sogar einen bewirtschafteten Laden, der hauptsächlich Bonbons verkaufte, aber gut besucht war. Schließlich kamen wir noch an ein paar Häuschen unterschiedlichen Datums und ich ging mit Conny in den Giftshop, die anderen waren schon im Café bzw. auf der Toilette. Wir fanden beide noch je ein paar schöne Handschuhe, Conny fand ein paar schöne Armkettchen für sich und ihre Mädels und ich ging Richtung Ausgang, Conny hinter mir, die anderen schon am Auto. Man kann sich meine Überraschung kaum vorstellen, als ich direkt vorm Ausgang auf (unseren) Gillebride stieß, wie so oft in feinstem Highlanddress mit Kilt, im Gespräch mit zwei Offiziellen des Museums. Noch überraschter war ich, als er mich nach einem kurzen Hallo kurzerhand in die Arme schloss und mit Küsschen rechts und links überschwänglich begrüßte. Mit ihm hatte ich hier so gar nicht gerechnet, waren wir doch ein großes Stück weg von Glasgow. Er erklärte den beiden anderen „Finally, I’ve got a Stalker! I always wanted to have a Stalker!“ – woraufhin ich erwiderte „ now you’re famous!“ und er gleich relativierte, dass er das im Scherz gemeint hätte, aber das haben wir schon so verstanden.
Wir unterhielten uns noch eine Weile über unser Woher und Wohin, versprachen ihm fest, zu seinem Konzert am nächsten Tag in Edinburgh zu kommen, er erklärte mir nochmal genau wo das war und wir verabschiedeten uns in bester Laune. Die anderen 4 hatten ihn entweder nicht erkannt bzw. waren so an ihm vorbeigegangen, aber mich hat sehr gefreut, wie offen er mit Fans umgeht und sich ehrlich über jede Anerkennung freut.

Bester Laune ging es weiter Richtung Edinburgh, wo wir für die Nacht das nächste und letzte Apartment unserer Tour gebucht hatten.

Auf dem Weg hierzu, der den wenigsten Umweg darstellte, lag Scone Palace. Ein altes Königsschloss und Herberge des Krönungssteins, auf dem seit hunderten von Jahren Könige bei ihrer Inthronisierung gesessen hatten.

 

Wir erreichten Scone am frühen Nachmittag und fanden einen schönen Parkplatz im Park, knapp vor dem schön geschmückten Hauptportal. Unser erster Weg führte uns zu den Toiletten, neben dem Café und Giftshop, danach schauten wir uns eine kleine Kapelle gegenüber dem Haupteingang an, vor welcher eine Kopie des Krönungssteins dargestellt wird. Scone – gesprochen „Skuhn“ liegt in einer schönen, weiten Parkanlage. Es ist ein relativ junges Schloss, erst gut 200 Jahre alt und vom Aufbau her typisch englisch. Innen drin durften wir leider nicht fotografieren, aber bekamen einen Prospekt mit einer schriftlichen Führung durch den Palast in Deutsch. Zuallererst fiel uns, wie in etlichen anderen Schlössern auch, eine reich gedeckte Tafel in einem großen Saal auf, mit wundervollem Porzellan – aber gänzlich ohne Besteck. Als wir die Ordnerin in diesem Raum verwundert darauf ansprachen, erklärte sie uns, dass sie die Tafel früher selbstverständlich mit Silberbesteck eingedeckt hätten, aber Besteckteile in der Vergangenheit oft geklaut worden waren und wenn man dann die Besucher darauf ansprach, kam null Schuldbewusstsein und solche Ausreden wie „ist doch nur eine Souvenir“. Dazu fiel uns allerdings nicht mehr viel ein. Wir gingen weiter und bewunderten die historischen Gemächer, die Innenräume sind üppig mit Stuck und Holz verziert. Wir kamen schließlich in einen Raum, in dem hinter gesicherten Regalen Dutzende von Porzellanservices aus aller Herren Länder standen, aus England, Deutschland (Meissen), Dänemark, Frankreich, etliche aus China, viele schöne und einige zum Kopfschütteln, aber insgesamt, hochgerechnet, sicher einige Millionen an Wert. Ganz am Schluss, kurz vor Giftshop, fanden wir schließlich den Krönungsstuhl (nur eine Kopie – der echte steht in Edinburgh, zusammen mit dem echten Krönungsstein). Dieser, der echte Stein, wurde 1296 vom damaligen englischen König als Kriegsbeute nach Westminster gebracht (damals Königssitz). Die gesamten englischen Könige saßen also bei ihrer Inthronisierung auf dem schottischen Stein! Er wurde auch mal von schottischen Studenten entführt, zerbrochen und repariert, kam wieder nach London zurück. Erst 1996 wurde er in einer feierlichen Zeremonie wieder nach Edinburgh überführt.
Nachdem wir noch ein bisschen im Giftshop eingekauft hatten – irgendetwas findet sich schließlich immer! – machten wir uns weiter auf Richtung Süden.

Weiter ging es nach Westen Richtung Crieff und das nahegelegene Tibbermore bzw. die außerhalb gelegene alte Tibbermore Church, inzwischen bei allen Outlander-Fans bekannt als die Kirche von Cranesmuir, wo der Hexenprozess gegen Claire und Geillis stattfand. Da wir dieses Mal aus einer anderen Richtung kamen als ich die beiden Male davor gekommen war, bat ich Conny am Schluss etwas langsamer zu fahren, um die unterhalb gelegene Kreuzung zu finden und mich zu orientieren. Gleich sah ich das kleine rechteckige Waldstück oberhalb von uns liegen und bat Conny links abzubiegen. Der Friedhof liegt an einer schmalen Straße, neben dem Tor ist eine Ausbuchtung mit Platz für ca. 2-3 Autos hintereinander. Es war schon spät am Nachmittag und wir waren allein dort. Ich hatte eine Telefonnummer als Kontakt, das hatte vorletztes Jahr gut geklappt, aber diesmal hatte ich niemanden erreicht und hoffte dringend, vor allem für meine Mädels, dass die Kirche noch offen sein würde. Wir betraten den Friedhof und obwohl ich mich in der Vergangenheit nur an sehr alte Gräber erinnerte, fanden wir doch etliche neuere, die meisten davon geschmückt mit frischen Blumen. So kamen wir in den seitlichen, vorderen Eingang der Kirche, innen schon etwas dunkel, weil es draußen auch schon nicht mehr so hell bzw. bedeckt war. Für meine Begleiterinnen doch auch etwas ganz Besonderes, diesen speziellen Drehort, der immer noch eine – wenn auch selten genutzte – Kirche ist und die besondere Architektur. Im Eingangsbereich hat man für alle Fans und die Unwissenden eine Fototafel mit Erklärungen aufgehängt, auch die VisitScotland.com-Karte mit den Drehorten liegt zum Mitnehmen bereit.
Und weiter gings’s, einen Drehort wollte ich noch aufsuchen, weil er in der Nähe lag und ich in den nächsten Tagen nicht nochmal so weit nach Norden fahren mochte.

Ich hatte mit einem Mitarbeiter von Abercairny Estate gemailt, ein paar Wochen zuvor, und deren Erlaubnis erhalten, den Drehort zu besuchen, auch unter der Erklärung, dass meine/unsere Tour nicht kommerziell ist, sondern rein privat. Ein paar Tage vor unserer Abfahrt bekam ich dann per Email eine Karte mit handschriftlichen Ergänzungen, wo der Drehort sei und wie er zu erreichen sei. Ich schaute mir die Karte gründlich an, verglich es mit Googles Satellitenbild und ermittelte einen Postcode für die Annäherung. Vor Ort haben wir dann mit Google auf dem Handy nach der genauen Abfahrt von der Hauptstraße geschaut, gibt es doch mehrere Feld- und Waldwege dort in der Gegend und keiner ist ausgeschildert. Übers Haupthaus wollte ich nicht anfahren, ich vermutete, dass es dort irgendwann eine Absperrung oder ein Tor geben würde. Den Weg haben wir gefunden, er war sehr, sehr holprig und wir bzw. Conny fuhr ebenso vorsichtig. Wir sind mangels Orientierung einmal falsch abgebogen und mussten mitten im Wald wieder umdrehen. Schließlich identifizierten wir eine eingezeichnete Kreuzung, nur dass man dort wegen eines geschlossenen Gatters nicht abbiegen konnte. Wir parkten kurzerhand davor, Christina wollte im Auto bleiben, wir anderen 4 machten uns auf den Fußmarsch, etwas weiter als gedacht, meine Karte hatte leider keinen Maßstab, wir wanderten auf dem Feldweg nach Süden, Ausschau haltend nach dem „Herrenhaus im Südstaaten-Stil“, welches wir schon im Trailer gesehen hatten und welches das Heim von Jamies Tante Jocasta darstellen würde. Den Weg über das Flüsschen fanden wir nicht bzw. wir suchten im dichten Uferbewuchs gar nicht erst danach, sondern fanden das Haus von oberhalb. Anscheinend werden gerade Umbauarbeiten daran gemacht, jedenfalls steht momentan nur die unterste Etage und ein Gerüst, vielleicht ist der Rest auch nur mit Computertechnik gemacht, wir werden sehen. Es ist dennoch zweifelsfrei als das gesuchte Haus zu erkennen. Ein Foto reichte uns und es befriedigt mich immer wieder, als eine der Ersten wo gewesen zu sein. Auf dem Rückweg Richtung Auto versuchten wir weiterhin, sämtlichen Kuhhaufen aus dem Weg zu gehen, wohl nicht immer mit Erfolg. Vorsichtig erklomm unser Auto wieder den Waldweg bergaufwärts und Richtung Zivilisation.

So langsam war es dämmrig und Zeit, unser neues Apartment aufzusuchen, welches am Stadtrand von Dunfermline in einem Wohngebiet lag. Ich hatte die letzten beiden Tage intensiv mit der Vermieterin des Apartments gemailt, sie wusste, dass wir später ankommen würden und hatte mir einige Emails mit Bildern geschickt, um das Haus identifizieren zu können. Unser Navi führte uns schließlich in das System aus kurvigen Wohnstraßen und vielen Sackgassen und verkündete kurz vor Erreichen des Ziels, wir sollten links abbiegen, aber das war nur ein Verbindungsweg für Fußgänger, also versuchten wir es auf unsere Weise mit der richtigen Straße. Es war eine Reihenhaussiedlung neben der anderen und irgendwie sah alles fast gleich aus, allerdings sah keines der einzelnen Häuser so aus wie auf dem übersandten Bild. Frustriert rief ich Irene schließlich an und sie lotste uns telefonisch an den richtigen Parkplatz, wo wir den Eingang zu unserem Haus dann wie abgebildet erkannten. Parkplätze gab es genug hier am Ende der Sackgasse, das Haus öffnete sich über einen einzugebenden Code an der Haustür. Erleichtert und erschöpft nahmen wir schließlich unser letztes Quartier in Besitz. Wir hatten eine große, moderne, komplett eingerichtete Küche, ein kleines, aber ausreichendes Bad, ein kleines Zimmer mit zwei Einzelbetten, welche Karin und Sabine nahmen, ein weiteres Zimmer mit einem Doppelbett, welches Conny und ich nahmen, ein großes Wohnzimmer mit einer Couch als Ausziehbett, welche Christina nahm und noch eine Abstell-Vorratskammer mit Staubsauger, Klopapier usw. Wir richteten uns kurz ein, zogen uns um und machten uns auf die Suche nach etwas zum Abendessen.

Wir hatten bereits bei der Anreise eine Gegend mit ein paar Restaurants gesehen und wollten uns dort umschauen. So landeten wir bei Luca’s, einem gehobeneren italienischen Restaurant, wo wir eine bequeme Sitzecke mit gegenüberliegenden Bänken fanden und mal wieder sehr, sehr gut gegessen haben.

Freitag, 14. September -

 

 

Am Freitag standen bei uns die Ziele nördlich von Edinburgh auf dem Programm. Da wir für Loch Leven Castle, welches auf einer Insel in einem See liegt, einen Termin für die Überfahrt vorab hatten reservieren müssen, waren wir zeitlich festgelegt. Davor passte am Besten, zeitlich und geographisch, Aberdour Castle, gelegen an der Nordostseite der Mündung des Forth und nur knapp 20 Minuten von unserer Unterkunft entfernt. Gegründet wurde es um 1200 von den Mortimers und durch Robert the Bruce in den Besitz der Douglas gekommen. Als diese sich vor knapp 300 Jahren nebenan ein Herrenhaus Aberdour House bauten, stand das Castle in der Folge leer und verfiel schließlich teilweise. Es gehörte zu den Burgen auf unserem Explorerpass, somit musste ich nur kurz den Pass vorzeigen und wir bekamen schnell Tickets. Karin kaufte wie so meist einen Hochglanzführer für ihre Sammlung und wir machten uns ans Erkunden der alten Burg. Auf Aberdour wurde für die Abtei gedreht, wohin man mit Jamie nach seiner Befreiung aus Wentworth flüchtet und ihn gesund pflegt. Wir kamen durch die ehemaligen Ställe und die Küche auf die große Terrasse, eine Rasenfläche mit Aussicht übers Land, die jeder von uns sofort bekannt vorkam. Wir schossen ein paar Fotos und machten uns daran, die Burg zu erkunden. Ein Teil ist eine komplette Ruine, die Mauerteile so verkeilt, dass man sich wundert, wie das kommen konnte, der mittlere Teil ist unbedacht und der Hauptteil sehr gut erhalten und auch eingerichtet, allerdings eher spärlich, nicht in edel. Wir entdeckten noch ein paar schöne Räume, in denen teilweise ebenso gedreht worden war und machten uns überpünktlich auf den Weg zur nächsten Station des Tages.

Loch Leven Castle liegt wie schon erwähnt auf einer Insel des Loch Leven, in der Nähe von Glenrothes. Wir kamen knapp eine Dreiviertelstunde vorm Ablegen unseres Bootes dort an, wir hatten kurz überlegt, aber es ließ sich von der Entfernung her kein anderes Ziel dazwischen schieben, ohne die Abfahrtszeit zu verpassen. Loch Leven Castle ist im Explorerpass enthalten udn war dadurch für uns kostenlos, aber man muss sich die Abfahrtszeit im Voraus reservieren und sich damit zeitlich festlegen. Somit hatten wir für Dysart Harbour leider gar keine Zeit mehr. Der Wind war einigermaßen frisch, darum hielten wir uns lieber drinnen auf, im Giftshop, in der benachbarten Boutique, es gab auch Kaffee to go im benachbarten Café. Sabine konnte gleich ihr Problem ansprechen, weil sie durchs Handycap nur über die rechte Seite ins Boot einsteigen konnte und der Kapitän versprach ihr, von der entsprechenden Bootsseite her anzulegen, damit sie sich entsprechend festhalten konnte (es ging doch ziemlich tief hinab) und das auch mit dem Kollegen für die Rückfahrt zu klären. Der Wasserstand war relativ niedrig, weil man den Abfluss in den vorangegangenen Tagen offen gelassen hatte.
So waren wir schließlich eine Gruppe von etwa einem Dutzend Leuten, die sich bei sonnigem, aber sehr windigen Wetter Richtung Insel aufmachten. Eine sehr angenehme, leicht feuchte Überfahrt von etwa 10 Minuten und schon lag der Anlegesteg vor uns. Der Wind auf der kleinen Insel war konstant heftig, erst im Inneren der Burganlage wurde er erträglich und wir hatten dazu weiter schönsten Sonnenschein. Erbaut wurde das Castle im 13./14. Jahrhundert, teilweise verfallen im 18. Jahrhundert, im Besitz der gleichen Familie Douglas wie unser vorher besuchtes Aberdour Castle. Auch auf dieser Burg – wie auf so vielen davor oder danach – war Maria Stuart, hier genannt Mary Queen of Scots, zu Besuch bzw. wie hier eine Weile in Gefangenschaft gewesen (1567/68), sie war in den langen Jahren Ihrer Haft vor ihrer Hinrichtung in mehreren Burgen inhaftiert und von Loch Leven Castle, trotz Wasser drumrum, schaffte sie die Flucht mit Hilfe eines Bootsführers. Die Burg selbst ist bis auf den fünfstöckigen Wehrturm gr
ößtenteils nur noch in Mauerfragmenten erhalten, war sehr schön mit Hinweistafeln erklärt und wir hatten eine Dreiviertelstunde Zeit, bis das nächste Boot retour fuhr, diesmal wurden diejenigen nasser als auf der Hinfahrt, die weiter hinten Richtung Heck saßen, da bekam man immer mal wieder was von den Bugwellen ab.

Und weiter ging's zu einem weiteren Höhepunkt unserer Tour, ins kleine Küstenstädtchen Culross, weiter im Landesinneren an der Nordseite des Firth of Forth gelegen, fühlt sich aber durch die Gezeiten an, als ob es bereits am Meer liegen würde.
In Culross war dies mein 5. Besuch insgesamt, aber dorthin komme ich immer gerne wieder hin. Sabine wollte hier nicht mit uns auf Tour gehen, sondern sich stattdessen mit einem Fotografen treffen, darum setzten wir sie vor der Town Hall ab, wo auch sein Ausstellungsraum liegt, sie wollte sich später in ein Café setzen und sich dort nach Absprache wieder mit uns treffen.
In Culross wurde für die drei ersten Staffeln von Outlander gedreht, im Palace (der eigentlich nur das Haus eines wohlhabenden Kaufmanns war und mit einem „Palast“ im engeren Sinne nicht vergleichbar ist), im oberhalb gelegenen Terrassengarten für das erste Treffen von Claire und Geillis, auf dem Marktplatz noch weiter hangaufwärts für die Marktplatzszenen in der fiktiven Ortschaft Cranesmuir und auf dem außerhalb gelegenen Gelände der West Kirk, einem alten Friedhof, dort für die Black Kirk, wo der kleine Thomas sich vergiftete. Wir zahlten unseren Eintritt -  Culross Palace gehört nicht zum Trust und daher nicht zu unserem Explorerpass - und wir schauten im Untergeschoss des Palace links zuerst den etwa 15-minütigen Film über die Geschichte des Ortes an, der dort sozusagen in Endlosschleife läuft. Culross hatte seine Blütezeit im 15./16. Jahrhundert dem damaligen Kaufmann Sir George Bruce of Carnock zu verdanken, der neue Technologien in der Bergwerkstechnik einführte und so dem Dorf innerhalb kürzester Zeit zu Wohlstand und Entwicklung verhalf. Mit dem Niedergang des Bergbaus in viktorianischer Zeit kam der wirtschaftliche Niedergang und das Dort fiel in eine Art Dornröschenschlaf. Bis heute ist dadurch die charakteristische historische Schönheit des Dorfes erhalten geblieben, weil im Ortskern über die Jahrhunderte kaum etwas renoviert und verändert wurde. Die Outlander-Produktion war nicht die erste, die hier drehte, auch andere bekannte Filme und Serien sind hier schon entstanden. Obwohl man innen im Palace eigentlich keine Bilder machen darf, durfte ich ein Bild von der großen Tafel machen, die gleich im ersten Raum steht (hier wurde das Jakobitentreffen gedreht), die Aufsicht meinte nur, wenn ich von der Tür fotografierte, wäre ich ja nicht innerhalb und so haben wir das dann auch gemacht. Sie erklärte uns auch, in welchem weiteren Zimmer noch gedreht worden war, das Schlafzimmer des Lairds, wo wir als Letztes hinkommen würden. Hier entstand eine frühmorgendliche Bettszene, die wir sicherlich alle noch gut in Erinnerung haben. Den Friedhof hatten wir ja wegen des vorangegangenen Regens der letzten Tage schon ausfallen lassen müssen, der Weg dorthin ist an einem guten Tag schon schlammig, weil er über einen ausgefahrenen Feldweg führt. Die Terrassengärten konnten wir uns an diesem Tag auch nur von unten ansehen, weil es inzwischen wieder kräftig regnete. Schade, hatten wir doch extra dafür bezahlt. So gingen wir direkt weiter in den Nordbau, die Küche unten, die als Taverne hergerichtet wurde und oben, wo wir weitere  mit zwei schönen alten Gewändern (wenn auch nicht sooo alt) und dem Zimmer des Lairds, wo wir unbeaufsichtigterweise noch ein paar schöne Bilder machen konnten. In einem kleineren Raum entstand eine Szene, wo Jamie auf Claire trifft und der Hof vor dem Palast wurde mit Hilfe eines Kopfsteinpflaster-"Teppichs" und Computertechnik zu einem Camp im Krieg.

Wir beschlossen, Sabine zu suchen und begannen zu schauen, in welchem Café sie denn sitzen könnte. Kontaktaufnahme via Handy war leider nicht möglich, hatte sie doch selbiges beim raschen Aussteigen aus dem Auto dort zurück gelassen, seither trugen wir es mit uns rum. Wir gingen auf gut Glück in die Town Hall, wo wir den Ausstellungsraum des Fotografen Graham fanden und eine glückliche Sabine, neue Eigentümerin von ein paar Bildern, die sie sich der Einfachheit halber direkt heimschicken ließ. Die meisten Motive hatten einen Outlanderbezug und waren einfach nur traumhaft schön, wir hatten einige Mühe, der Verlockung zu widerstehen. Von da aus wollte Sabine ins daneben liegende Café, wir aber wollten das Städtchen erkunden, vor allem aber wollte ich den Mädels den Marktplatzbereich zeigen. Wir suchten eine Gasse nach oben und fanden stattdessen eine Treppe, die am rechten Rand des Gartens entlang nach oben führte. Wenn wir vorher gewusst hätten, wie viel Stufen sie hatte... Doch so erreichten wir, zwar teilweise völlig außer Atem und geschafft, aber doch zufrieden mit unserer Leistung, einen Punkt an der äußersten Ecke über dem Terrassengarten mit einem schönen Blick über den Garten und das fast direkt dahinter liegende Gewässer der Flussmündung. Wir waren auf den oberen Promenadenweg gestoßen und machten erst mal ein paar Bilder. Den Weg zum Marktplatz suchte ich per Google Maps, wir mussten tatsächlich noch ein Stück bergan an den höchsten Punkt von Culross, bis wir über eine steile Gasse abwärts zum Marktplatz mit dem auf der Mitte befindlichen Mercat Cross fanden, typisch für einen schottischen Marktplatz dieser Zeit. Hier stand das Podest, wo dem armen Gerberjungen das Ohr angenagelt wurde und links davon war der Treppenaufgang, wo Claire den kranken Jungen besuchte. Oben die Fenster, aus denen Claire und Geillis aus deren Gemächern das Schauspiel betrachteten. Man hatte die Häuser fürs Drehen dunkel gestrichen, dem realistischen Zustand von 1743 entsprechend, und hinterher bekamen die Bewohner ihre Häuser wieder in weiß gestrichen, nicht zuletzt deshalb sieht dort jetzt alles so frisch und adrett aus. Wir genossen noch kurz die Gastlichkeit des Admirals Cafés, um dort die Toilette zu benutzen, ein wunderbares Lokal, klein, aber heimelig und sehr freundlich geführt, auch dieses können wir nur empfehlen!
So trafen wir Sabine wieder, um zusammen zu unserem Auto zu gehen, welches auf dem großen Parkplatz am Ortseingang stand.

Unser Weg führte uns ein Stück nach Norden, zum vorletzten Ziel des Tages, nach Falkland, das inzwischen auch jedem Outlanderfan ein Begriff sein wird für das Städtchen, welches für das Inverness des 18. und 20. Jahrhunderts verwendet wurde und wird, denn hier wurde bereits wieder für die 4 Staffel gedreht. Mal sehen, was wir im November 2018 wiedererkennen werden. Der einfache Grund hierfür ist, dass es im heutigen Inverness einfach gar nichts gibt was so aussieht wie in alter Zeit, also hat man sich einen anderen Platz gesucht und in Falkland gefunden. Bereits 2013 für die erste Staffel wurden hier Antennen und Schilder abmontiert, Fassaden anders gestrichen, der Rest mit Computertechnik vervollständigt, aber in Falkland hat es nicht viel, was wegretuschiert werden müsste.
Als erstes wollte ich ganz dringend in den Falkland Palace, hier hatte ich in den vergangenen Jahren immer Pech gehabt und er war geschlossen gewesen, aufgrund der fortgeschrittenen Zeit. Wir fanden glücklicherweise einen Parkplatz genau gegenüber und ich ging sofort nach den Tickets und den Öffnungszeiten fragen. Wir hatten Glück, es war gegen 16 Uhr und noch eine Stunde ungefähr offen. Man informierte uns, dass der Giftshop am Ausgang ausnahmsweise an diesem Tag bereits um 14 Uhr geschlossen hatte, aber das stellte für uns zu diesem Zeitpunkt kein Problem dar. Man hatte mir erzählt, dass dort in einem Raum für die Apotheke gedreht worden war, die Claire am Ende von Staffel 2 besucht, um ihre Vorräte aufzustocken und wo sie Mary wieder traf, so waren wir recht gespannt auf diesen Raum.
Gleich die erste Wendeltreppe hoch stießen wir auf herrschaftliche Gemächer. Den Raum dominierend stand ein massives royales Bett aus dunklem Holz mit imponierenden Schnitzereien. Der anwesende Guard erklärte uns, dass dies ein royales Reisebett sei, mit wenigen Handgriffen zu zerlegen und in Kisten verpackbar, wie die edlen Herrschaften dies früher tatsächlich machten, wenn sie ein anderes ihrer Häuser besuchten. Dieses Bett wurde gebaut für den damaligen König, er hat aber wohl nie darin geschlafen.

Währenddessen versuchte ich, den Eigentümer von Schloss Balgedie zu erreichen, um eventuell für diesen Tag noch einen Besuch zu arrangieren, aber leider ging dort die ganze Zeit niemand ans Telefon.


Falkland Palace wurde gebaut als Residenz der Könige James IV und V Anfang des 16. Jahrhunderts als Jagdschloss, u.a. bewohnt von dessen Tochter Maria Stuart, inzwischen ist der große hintere Teil eine Ruine, das Hauptgebäude kann besichtigt werden. Wir wanderten über die Wendeltreppe Etage um Etage abwärts, durch die beindruckende große Schlosskapelle, wo Christina und ich eine lateinische Inschrift entzifferten, bis wir ins Untergeschoss und die nahegelegenen weiteren unteren Räume, wo wir schließlich Claires „Apotheke“ fanden. Der eigentliche Ausgang hätte danach durch den Giftshop geführt (man soll ja schließlich auf dem Weg nach draußen bitteschön noch etwas kaufen), der war aber wie angekündigt verschlossen und dadurch der Ausgang gleich mit. Mithilfe der Karte und Google Maps suchten wir nach einer Alternative, wir fanden mit einiger Suche den Weg um die große Ecke in den Garten hinter der Fassadenruine und nach draußen. Einen Hinweis an die Aufsicht, die uns grade noch durch den Hauptausgang rauslassen konnte, konnte ich mir dann doch nicht verkneifen. Schließlich hatte man uns gesagt, dass der Giftshop zu war, ohne die Konsequenzen zu erwähnen.

Endlich wieder in Freiheit, zeigte ich meinen Freundinnen die Town Hall, wo Claire in den Sechzigern nach Dokumenten über Lallybroch suchte,  dann widmeten wir uns dem kleinen Marktplatz mit dem prägnanten Brunnen namens Bruce Fountain, wo Frank dem Geist eines Schotten begegnet, dem Covenanter Hotel, welches als Mrs. Baird’s Bed & Breakfast diente und wo man auch heute noch übernachten kann. Es gibt dahinter ein paar Shops, welche sowohl in den 40er als auch in den 60er Jahren vorkommen, als das Haushaltswarengeschäft, vor dem Claire über den Besitz einer Vase sinniert, im Café daneben wurde gerade erst für Staffel 4 gedreht. Wir dürfen gespannt sein.
Ein Stückchen die Straße runter gibt es links hoch die Gasse, die Claire gegen Ende der Staffel 2 mit Murtagh und Jack Randall beschreitet, ein malerisches Plätzchen, was mit wenig Mühe eine Zeitreise erleben lässt, leider steht in modernen Zeiten dort meistens ein Auto.
Falkland ist auch eines der Dörfer, in welchem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Man kann mit etwas mehr Zeit das Dorf erlaufen und findet noch viel mehr schöne Plätzchen. Wir aber hatten etwas Wichtiges vor, unser Abendprogramm für diesen Freitag, Gillebrides Konzert in Edinburgh.

Darum fuhren wir in unser nicht weit entferntes Apartment und schafften es, uns alle 5 innerhalb einer halben Stunde umzuziehen und herzurichten. Gillebride hatte mir bei unserem zufälligen Treffen im Freiluftmuseum nochmals Infos über die genaue Adresse gegeben, den Rest fand ich auf Twitter und Google und konnte damit unser Navi programmieren. Es führte mich mitten in die City auf die Royal Mile zu The Canon’s Gate am Canongate 220, wo ich direkt gegenüber vom Eingan einen Parkplatz am Straßenrand fand. Es war schon nach 19 Uhr, somit durfte man dort frei parken. Die Pylonen mit aufgedruckten Halteverbotszeichen machten mir allerdings Sorgen. Ich fragte gleich am Eingang den Wirt Chris, bei dem ich auch einen Tisch für den Abend reserviert hatte, der konnte mich beruhigen, die Halteverbote galten erst für den nächsten Tag und somit war mein Auto an diesem Abend sicher. Es stellte sich auch gleich raus, dass ich direkt hinter Gillebride MacMillan geparkt hatte. Wir bekamen einen schönen großen Tisch in der Mitte des Lokals und bestellten unser Abendessen, während auf der Bühne für die Musik aufgebaut wurde. Ein Schild zeigte uns an, dass in diesem Lokal einmal im Monat ein Abend mit gälischer Musik stattfand. Gillebride begrüßte uns schließlich überschwänglich, anscheinend doch etwas erstaunt, dass wir tatsächlich gekommen waren, aber schnell füllte sich das Lokal mit Gästen und wir waren tatsächlich froh über die Reservierung. Gillebride nahm mich raus zu seinem Auto, er wollte mir was Besonderes schenken, es erwies sich als ein großes Buch einer befreundeten Autorin, ein Bildband über Kanaldeckel verschiedenster Art, tatsächlich mit dem gewissen Etwas, und auf jeder Seite ein passendes Gedicht jeweils in Gälisch, Englisch, und – Deutsch! Ich kann gar nicht sagen, wie überrascht und erfreut ich war über seine Großzügigkeit.
Mindestens genauso überrascht war ich über die bestellte Fischsuppe, die sich in Qualität und Geschmack als die beste entpuppte, die ich in den letzten 30 Jahren gegessen hatte. Und das Hauptgericht, eine gemischte Fischplatte, erwies sich als genauso erstklassig - bei den Anderen war es ähnlich – hätten wir eigentlich in so einem optisch einfachen Lokal gar nicht erwartet. Dazu noch Gillebrides wundervolle Musik, später mit anderen Künstlern und auch einfach Leuten aus dem Publikum, die einen Song zum Besten gaben, allesamt wunderbare Sänger, die auch ordentlich bejubelt wurden. Kurz, wir hatten einen wunderbaren Abend, der wohl nur noch vom Folgeabend überboten werden konnte, dem Highlander Fling, dem geplanten Höhepunkt unserer Reise, um dessen Termin herum wir auch den Verlauf unserer Reise geplant hatten.

Samstag, 15. September -

 

Für den Samstag hatten wir uns Edinburgh vorgenommen, hauptsächlich das Castle und die abwärts liegende Royal Mile. Zuallererst wollte ich in der Nähe der Hauptstraße ein Parkhaus finden und danach dort zum Frühstücken. Die meisten der rausgesuchten Parkhäuser waren trotz Postcode und Google Maps einfach  unauffindbar, auf der Royal Mile kann man auch nicht irgendwo am Straßenrand parken, außerdem standen überall zusätzlich drohend diese Halteverbots-Hütchen. Schließlich fuhren wir nach den Schildern und fanden ein Parkhaus an der Blackfriars Street, zum Hotel Radisson gehörend, welches sich oben an der Hauptstraße befindet.
Sabine kannte noch von einem vorherigen Besuch in Edinburgh eine gute Adresse zum Frühstücken und so gingen wir zweieinhalb Blocks aufwärts zur Patisserie Valerie, gleich an der North Bridge, wo bereits die ansprechend zubereiteten und präsentierten Torten und süßen Stückchen im Schaufenster Begierden weckten. Obwohl es gut besucht war, bekamen wir 5 Plätze an einem schmalen Tisch, jedoch teilte man uns mit, dass alles, was aus der Küche käme, also alles Warme wie Eier, Toast, Bacon, Würstchen usw. eine Wartezeit von 40 Minuten hätte… So viel des kostbaren Tages wollten wir dann doch nicht mit Warten vertrödeln und bestellten Plunder, Kuchen, Eclair und ähnliches, dazu Kaffee und Tee, alles nicht wirklich billig (City), aber sehr lecker und appetitlich angerichtet. Wer’s also etwas edler mag, dem kann man diese Adresse sehr empfehlen.

Nach dem Frühstück haben wir uns wie besprochen getrennt, Sabine wollte im neuen Stadtzentrum an der Princes Street shoppen gehen, wir würden per Handy wieder zueinander finden. Ich war zwischendurch nochmal am Auto, weil ich meine aufwändig vorbereitete Liste und Stadtplan für den Tag dort vergessen hatte, ich hätte wohl das Allermeiste dort auch so gefunden, aber sicher ist sicher. Wir anderen 4 gingen nun stadtaufwärts Richtung Burg, die bereits geöffnet hatte. Auf dem Weg fanden wir schon mal das Marktkreuz und die Kathedrale am West Parliament Square, weiter oben sahen wir von weitem das Lokal an der George IV Bridge, wo Joanne K. Rowling ihr erstes Harry Potter-Buch geschrieben hatte, kamen vorbei an der alten Kirche St. Mary, heute „The Hub“ genannt, die als Veranstaltungszentrum fungiert und kamen schließlich vorbei am obersten Schloss-Giftshop in den unteren Burghof, wo immer noch die Abbauarbeiten der Tribüne des Tattoos in vollem Gange waren. Wir bestaunten die schiere Größe der Konstruktion, so hässlich wie sie ist, und dass sie jedes Jahr aufs Neue innerhalb von 2 Monaten auf- und danach in einem Monat wieder abgebaut wird. 

Durch das schöne Gatehouse = Portal in den untersten inneren Burghof und das nächste Tor mit Fallgitter, wo wir unsere Headsets bekamen (endlich auch mal in Deutsch!), die nochmal extra kosteten, wenigstens größtenteils mit Rabatt (alle Anderen zählten schon als Seniorinnen!). Nun konnten wir den Blick schweifen lassen und uns den einzelnen Punkten der Ansage widmen. Wir beschrieben die hohe Treppe und befanden uns bald auf der Aussichtsterrasse über die ganze nördliche Stadt, links bis Queensferry und zu den Brücken, auf den Firth of Forth mit Kreuzfahrtschiffen, direkt unter uns der Princes Street Garden in seiner ganzen Pracht, dazu herrlichster Sonnenschein und angenehm warm.

 

 

Hierbei ist es dann passiert, beim Fotografieren und einem Moment der Unachtsamkeit, dass unsere Karin gestolpert und böse hingefallen ist. Ich habe es auch erst gesehen, als ich mich nach einem Panoramafoto zu den Anderen umdrehte, da lag sie schon am Boden und war am Bluten, konnte sich auch kaum bewegen und gar nicht aufstehen. Ich rief in die Menge und bat um Hilfe, es hieß die war schon unterwegs. Gut. Kurz darauf waren auch schon 2 männliche Aufsichtspersonen da, die  Verbandsmaterial besorgten, eine andere Besucherin hatte ein Halstuch gespendet für die Platzwunde an der Stirn, kurz danach kam auch noch eine Managerin, alle haben wirklich wunderbar geholfen und uns beruhigt. Da Karin nicht aufstehen konnte, half man ihr ganz langsam in eine sitzende Position, sie konnte den rechten Arm aber nicht bewegen, nur die Finger und es war bereits böse angeschwollen. Man besorgte eine warme Decke, die man ihr vorsichtig unterschob, der Plattenboden war unangenehm kalt, und eine zum Zudecken. Einer der Guards hat sich auch alle 5 Minuten pflichtgemäß nach ihrem körperlichen und geistigen Zustand erkundigt. Schließlich, nach fast 45 Minuten, hatten sich endlich die Sanitäter zu uns durchgekämpft und setzten die Erstversorgung fort, auch diese beiden sehr nett und kompetent. Wir 4 hatten uns inzwischen abgesprochen, dass ich mit Karin in die Klinik fahren würde, es machte aber keinen Sinn, dass Conny und Christina auch mitgingen und so gab ich ihnen den Autoschlüssel für den Fall und mein Material für den Tag, sie würden sich alleine die Royal Mile anschauen und wir würden per Handy in Verbindung bleiben. Die Managerin, Elizabeth, hatte mit einem schriftlichen Eintrag in unseren Explorerpass bestätigt, dass wir auf Wunsch am nächsten Tag nochmal kommen könnten, ohne erneut Eintritt bezahlen zu müssen.

Ich nahm Karins Sachen an mich und wir bestiegen den Krankenwagen, leider lag das Krankenhaus ziemlich weit außerhalb (wie ich später erfahren sollte, direkt neben Craigmillar Castle) und die rumpelige Fahrt dauerte eine ganze Weile. Der Sanitäter machte bereits die Formalitäten und versprach, dass ein Erstbesuch in einem britischen Krankenhaus immer kostenlos sei. Gut, wenigstens eine Sorge weniger. Wir mussten nicht lange warten, da kam Karin schon zum Röntgen, danach setze man sie nur mit dem Kittel und einer Decke notdürftig bedeckt wieder in den Wartebereich, wo wir fast zwei Stunden auf den Arzt warten mussten. Ich möchte nun nicht mehr weiter ins Detail gehen, der Arm stellte sich als gebrochen heraus, man schloss eine Luxation (Auskugelung) vorsichtig aus, sie wurde durch 3 Ärzte versorgt, bekam Daten auf CD und Arztbrief mit, wir fühlten uns freundlich und gut betreut. Der Arm wurde nur in eine Schlinge gelegt und wir konnten das Krankenhaus wieder verlassen. Nun gab ich Entwarnung an Conny, Christina und Sabine, aber es war wie verhext, ich konnte einfach keine der drei erreichen, erst im Taxi, welches uns wieder in die Stadt brachte. Den ganzen Nachmittag über hatte ich gegrübelt, wie wir das wohl organisieren könnten, je nachdem, ob und wann wir das Krankenhaus verlassen konnten, denn wir mussten alle 5 wieder zusammen finden, ins Apartment fahren und uns für den Fling am Abend herrichten, der schließlich der Höhepunkt der Reise war und für den wir alle gutes Geld bezahlt hatten. Das Taxi brachte uns schließlich vor die Tiefgarage, wo auch bald Sabine kam und danach endlich Christina und Conny, die ja den Autoschlüssel hatte. Wir setzten Karin, die sich wirklich tapfer hielt, vorsichtig auf den Beifahrersitz, damit ihr Arm nirgends anstieß und auf gings durch den Berufsverkehr Richtung Apartment auf der anderen Flussseite.

Christina und Conny hatten sich am Nachmittag wenigstens gründlich auf der Royal Mile umgesehen, die prächtige Bücherei gegenüber der Kathedrale war bedauerlicherweise geschlossen gewesen, aber sonst hatten sie alles gefunden, sogar den wunderschönen Dunbar’s Close Garten ganz unten, kurz vor dem Schottischen Parlament und bis Holyrood Palace am unteren Ende der Rozal Mile, für den die Zeit dann aber nicht mehr reichte. Auf der Heimfahrt waren wir bereits wieder lustig und voller Vorfreude, wir beschlossen auch, Karin lieber mitzunehmen, als sie im Apartment alleine liegen zu lassen. Unser Navi war auch bei jeder Überfahrt auf der neuen Queensferry Brücke davon überzeugt, dass dort eine Kreuzung war, an der wir links abbiegen sollten und ein Kreisverkehr, bei dem wir die dritte Ausfahrt nehmen sollten, was jedes Mal wieder für Heiterkeit sorgte. Wahrscheinlich war die gute Dame noch auf der alten Brücke unterwegs, wir werden es nie erfahren.

Nun hatten wir eine gute Stunde Zeit, um zu duschen und uns herzurichten, alle hatten was Schickes an, auch Christina, die sich an diesem Abend bereits gar nicht wohlfühlte und wohl teilweise nur uns zuliebe mitging, obwohl auch sie sich vorher sehr darauf gefreut hatte. Conny und ich hatten ein Outlander-Gewand dabei, meins war noch vom Vorjahr, Conny hatte sich extra was Aufwändiges und Schickes genäht, welches erst ein paar Tage vorher fertig geworden war.

Wir freuten uns auch auf die vielen Anderen, die wir sehen würden, z.B. hatten wir auf Twitter ein Bild von einem wahnsinnig schönen und aufwändig bestickten Kleid gesehen, welches wir im Original sehen wollten, und natürlich die Schauspieler und Komparsen, des Festmenü und vor allem das Tanzen und die Musik!

Wir kamen pünktlich um 19 Uhr in der Festhalle in Glenrothes an, nachdem ich vorher noch in einem kleinen Umweg etwas für die Firma bei einem Kunden im gleichen Ort abgegeben hatte. Schon beim Aussteigen sahen wir viele andere Gäste, alle festlich gekleidet, viele davon in Schottenkaro. Wir gingen rein und wurden gleich am Anfang von den Paca-Boys begrüßt (eine semiprofessionelle Gruppe von Highland-Kämpfern, die für die Schlachtszenen und ähnliches engagiert worden waren. Sie erinnerten sich sogar noch an mich, waren wir doch letztes Jahr auf der Bustour zusammen gewesen und es gab die ersten Fotos. Nach einiger Sucherei – der Saal war schon relativ voll – fanden wir noch 5 freie Plätze an einem Tisch am rechten Rand und es ging auch bald schon los. Es begann mit einer Pipeband und nacheinander 3 Tanzgruppe mit hübsch gekleideten Mädchen, die uns wirklich begeisterten, vor allem die große Gruppe mit dem Schwerttanz. Danach kam Scott Kyle, Schauspieler, Darsteller von Ross dem Schmied, Organisator und Gastgeber des Abends, begrüßte uns freudig und verhieß einen unvergesslichen Abend. Es ging weiter mit Musik, einer Demonstation wie man einen traditionellen Kilt anlegt – 6 Yards Stoff auf dem Boden in Falten auslegen und mit Gürtel drunter, es war ein Darsteller (ich glaube er hieß Andrew), Scott Kyles Mutter und Romann Berrux, der Darsteller des kleinen Fergus, der inzwischen zu einem hübschen 17jährigen jungen Mann herangewachsen ist und sich sehr freute, als ich ihn auf Französisch ansprach. Die Paca Men haben eine tolle Schwertkampf-Streiterei inszeniert, Scott hat ungefähr 20 Darsteller, Komparsen und andere Aktive vorgestellt, u.a. die Darstellerin des französischen Hausmädchens Suzette, die Murtagh so elegant bestiegen hatte… Das Buffet war, lecker, aber mit nur einem halben Dutzend verschiedenen Gerichten, davon hatten wir uns definitiv mehr versprochen. Die Getränke waren eindeutig sehr günstig, 1,20 Pfund für ein Wasser oder Cola sind doch sehr Zuviel. Dazwischen ein paar Mal Tanzeinlagen fürs Publikum, die Schritte wurden auch erklärt, ich habe it Conny in jeweils einer Gruppe getanzt und wir hatten wahnsinnig viel Spaß dabei, es ging auch nicht ums korrekte Tanzen, sondern um die Gaudi. Wir hatten auch Gesangseinlagen von Gillebride MacMillan, Àdhamh Ó Broin (dem gälischen Berater) und schließlich Stephen Walters, der uns einige Songs zum Besten gab, z.B. Outlander Family, wo jeder einzelne der Schauspieler durch den Kakao gezogen wird und ein schlüpfriger Song über Sam Heughan, dessen Text eindeutig nicht jugendfrei war. Kurzum, wir hatten viel Spaß, haben andere Outlanderfans getroffen und mal wieder festgestellt, welch familiäre Basis man sofort miteinander hat, haben mal wieder viel Background-Informationen bekommen, haben Komplimente für unsere Kleider bekommen, etliche andere, teilweise spektakuläre gesehen, bevor der Abend kurz vor 12 zu Ende ging. Wer möchte, schaut sich gerne mal auf Scotts Highlander Fling-Seite um, da gibt es noch viel mehr Informationen und Fotos.
Leider erwies sich das tolle Kleid aus Twitter, handbestickt und selbst gefertigt in über 600 Arbeitsstunden, in echt nicht ganz so schön wie auf dem Foto und schien der Trägerin auch nicht so richtig zu passen. Sie war den ganzen Abend eigentlich nur am Sitzen und musste später zu dritt seitlich in ein Großraumtaxi befördert werden, da mochte ich es doch lieber etwas praktischer und tanztauglich. Eine halbe Stunde später fielen wir glücklich und todmüde in unsere Betten.

Sonntag, 16. September -

 

 

Für den nächsten Morgen hatte ich ausdrücklich kein frühes Aufstehen sondern Ausschlafen geplant, nach dem späten und anstrengenden Vorabend. Karin hatte glücklicherweise mit Hilfe der Schmerztabletten relativ gut schlafen können, dafür ging es Christina aber deutlich schlechter. Sie hatte eine heftige Erkältung und wollte weder aufstehen und frühstücken noch mit uns den Tag verbringen, um sich auszukurieren und schneller wieder fit zu werden.
Also gingen wir nur zu viert zu Dobbie’s in den Gartenmarkt zum Frühstück, das hatte sich mittlerweile bewährt, auch nur etwa eine Meile und ein Dutzend Kreisverkehre von unserem Apartment entfernt. Dobbie’s öffnete erst um 9 Uhr, was an diesem Tag aber kein Problem darstellte. 

An diesem Morgen hätten wir auch die Möglichkeit gehabt, eine Outlander-Hangovertour zu buchen, eine Bustour mit den Darstellern von Outlander, geführt von Catriona Stevenson, bei der ich letztes Jahr auch mitgefahren war. Die Bustour wäre sicher auch toll gewesen, wir haben das nach einer Rundmail ca. 3-4 Wochen vor unserer Abreise auch untereinander diskutiert, aber wir würden bzw. hatten die Schauspieler auch schon am Vorabend getroffen, die Burgen konnten wir uns auch selbst und schneller ansehen und die Eintritte waren im Buspreis von 98 Pfund nicht mal mit drin, dafür war uns das dann zu teuer und zuviel Aufwand. Aber dass ich nahezu die selben Ziele für diesen Tag auf meiner Liste hatte, war eher Zufall, also die Burgen und Schlösser in der Nähe von Queensferry

Ich wollte mit dem historischen kleinen Bahnhof von Bo’ness beginnen, wo die dramatische Abschiedsszene zwischen Claire und Frank zu ihrem Dienstantritt als Krankenschwester gedreht worden war. Diesen Bahnhof haben die privaten Betreiber der historischen Dampfeisenbahn in Teilen überall zusammengekauft, z.B. vom Edinburgh Haymarket ist die Bahnhofshalle, weitere Teile aus Leith, Bathgate, Falkirk usw. Wir begnügten uns mit ein paar Fotos aus mehreren Blickwinkeln, es fing schon wieder an zu regnen.

Als nächstes lag Blackness Castle auf unserem Weg, welches im Film als Fort William gedient hatte, zumindest das Innere davon. Wir fanden gerade noch einen Parkplatz direkt neben der Treppe zu dem Haus, wo man Tickets kaufen kann. Als ich mit unserem Explorerpass Tickets holte und Karin einen Kaffee bekam, warnte man uns, vorsichtig zu sein, es sei rutschig. Da ich den inneren Burghof bereits kannte, eine Mischung aus offenem, unebenem Fels und unebenen Steinplatten, versprach ich das und nahm mir vor, gut auf Karin aufzupassen, sie sollte nicht nochmal fallen, aber diese Erfahrung wollte ich ihr trotzdem schenken. Gleich im Eingangsbereich konnte ich ihnen zeigen, warum diese Burg niemals erobert worden war, es ging mehrmals um enge Kurven, hier hätte man keinen Rammbock ansetzen können. Dadurch hatte auch das Filmteam alle größeren Gerätschaften damals mit einem Kran über die Mauern befördern müssen. Gleich hinter der ersten Tür war die Stelle, wo Murtagh und Jamie den englischen Soldaten bedrohten, um den genauen Aufenthaltsort von Claire zu erfahren. Die Burg, im 15. Jahrhundert erbaut direkt am Wasser des Firth, diente damals als Vorhut für das dahintergelegene Linlithgow, die königliche Residenz. Im zweiten Weltkrieg dann diente es als Militärgefängnis. Im hinteren Teil des Innenhofes erkennt man auch mit wenig Phantasie die Stelle, wo das Podest aufgebaut war und Jamie ausgepeitscht wurde. Roger und Brianna sind genau wie wir über den Innenhof gewandert, wir allerdings sehr viel vorsichtiger. Conny kletterte über die Felsen und die Treppe ins Haupthaus, ich blieb mit Karin an der Mole, wo wir freie Aussicht aufs Wasser bei Ebbe hatten und auf die vielen trocken liegenden Boote.

Die einzelnen Stationen dieses Tages lagen jeweils nur 10 – 15 Minuten auseinander. Als nächstes machen wir uns auf ins nahegelegene Linlithgow zum Palace, wo Sabine wieder im Auto bleiben und auf uns warten wollte. Das Eingangstor von Linlithgow Palace diente als Eingang für das fiktive Wentworth Prison. Gleich dahinter stießen wir auf einen elegant gekleideten Mann im Rokoko-Kostüm, mit dem wir uns eine Weile nett unterhalten haben. Er war privat unterwegs, wollte sich für seinen Besuch des Schlosses festlich kleiden und die Gewandung stammt aus einem Theaterfundus. Zuallererst schauten wir uns im Innenhof um, wo überall Tafeln mit Bildern und Erklärungen waren, wie das Schloss mal ausgesehen hatte. Sowohl Jakob V als auch seine Tochter Maria Stuart wurden hier geboren. Ein Feuer im Jahr 1746 hat den Palast schwer beschädigt, anschließend plünderte die Bevölkerung was noch zu gebrauchen war, die meisten Räume sind inzwischen eine Ruine.

Als nächstes fuhren wir zu Midhope Castle, welches in jeder Staffel als Hintergrund für Lallybroch diente, eigentlich kein Castle, sondern ein Herrenhaus, gebaut von der wohlhabenden Londoner Bankiersfamilie Hope, die später ins neuerbaute, nahegelegene Hopetoun House umsiedelte und Midhope der Dienerschaft überließ. Auf dem Weg dazu kamen wir an einem Hinweisschild zur Abercorn Church vorbei, aber zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass da auch gedreht worden war und fuhren daran vorbei. Gleich danach sahen wir die ersten Fasanen, die in Scharen rund um Midhope leben. Einigermaßen schreckhaft, die Viecher, ließen sich nicht so gut fotografieren. Wir parkten unser Auto auf dem kleinen Parkplatz, wo seit letztem Jahr auch ein Holzhäuschen mit einem Kassierer steht, man zahlt 10 Pfund pro Auto. Dann konnten wir den Weg bergan gehen, den wir aus vielen Einstellungen so gut vor Augen haben. Midhope kann nur von außen besichtigt werden, innen ist es eine vollkommene Ruine, die Fenster sind von innen vernagelt und mit Folie verkleidet und jede Szene, die zeigt, wie jemand ins Haus geht, ist eine Illusion. Trotzdem gefiel das Haus den Mädels ausgesprochen gut und wir dachten immer wieder an Christina, die das alles krankheitshalber verpasste...

Auf der Weiterfahrt nach Hopetoun führte uns das Navi des Autos leider in die Irre und ich beschloss, als wir uns endlich aus endlosen schmalen Feldwegen und durch riesige Pfützen wieder auf die Hauptstraße hochgekämpft hatten, den mir bekannten Weg zu fahren, über Queensferry und die schmale Küstenstraße, die ich schon öfter gefahren war. So kamen wir endlich aufs Gelände, wo bereits das imposante hohe Eingangstor mit dem Pförtnerhäuschen beeindruckte. Ich fuhr mit dem Auto durch die lange Auffahrt, die sich dann in einen großen Rundbogen teilt und fuhr rechts ganz vor bis zur Gasse hinter dem Seitengebäude, ließ die anderen drei raus, damit sie nicht so weit laufen mussten und erklärte ihnen, was sie dort sehen würden, die Gasse, wo Mary und Claire überfallen wurden, die Stallungen für Helwater und den Treppenaufgang für Madame Elise’s. Dann fuhr ich mit dem Auto auf den Besucherparkplatz, um Tickets zu kaufen und mich schlau zu machen. Hopetoun House gehört heute noch der gleichen Familie wie Midhope und war daher nicht in unserem Explorerpass enthalten. Ich bekam den gewünschten Senioren- und Behindertenrabatt sowie zwei kleine Broschüren über Hopetoun und ein Hochglanzexemplar für Karin. Wie immer fragte ich nach weiteren Broschüren für meine Freundinnen (damit jede eine bekäme), aber davon gab es leider nur noch 4. Aber sie gab mir weitere wertvolle Hinweise, auf einer waren nämlich sämtliche Drehorte von Outlander dargestellt, und erlaubte mir, direkt neben dem Haupteingang zu parken, worüber ich mich sehr freute. Dort traf ich auch meine Freundinnen wieder und wir erklommen gemeinsam die große Haupttreppe, die im TV als Haupteingang von Ellesmere gedient hatte. Innen wurden wir von zwei eleganten Damen begrüßt, man erklärte uns, es gebe zwar keine geführte Tour auf Deutsch, dafür aber eine umfangreiche Mappe für eine Selbstführung. Wir schauten uns in der Eingangshalle um und beschlossen, der vorgegebenen Reihenfolge der Mappe zu folgen. Hierbei stießen wir zuerst auf das imposante 8-eckige Treppenhaus mit einer aufwändig geschnitzten Holztreppe, leider ließ sie sich nur sehr schwer aufs Foto bannen. Wir erkundeten Raum um Raum, sahen hinten raus auf den Garten, wo die Duellszenen mit Jamie, dem Earl und den Douglas gedreht worden waren, der rückwärtige Ausgang zum Garten war im TV auch als Eingang verwendet worden. Etwas weiter hinten im Wald wurde gedreht, wie Jamie mit Geneva ausreitet und sie später in die Pfütze fallen lässt, wie er Baby William in Kinderwagen sieht und ihm Jahre später das Reiten beibringt. Wir erfuhren, dass die verwinkelten Hintergebäude auch als Pariser Marktstraße verwendet wurden und für die Szene, in der Jamie dem kleinen Dieb Fergus hinterherjagt. Besitzer ist immer noch das Oberhaupt der Familie Hope, der Earl of Hopetoun, Marquess of Linlithgow. Im Obergeschoss fanden wir endlich das Schlafzimmer, wo Claire Mary nach dem Überfall versorgt und Mary’s Schlafzimmer im Haus ihres Onkels, vorne endlich den großen Salon, der als Residenz des Earl of Sandringham eine prachtvolle Kulisse abgab. Wir kamen weiter in Dienstbotengemächer, die anschaulich eingerichtet worden waren. Während Karin und ich gleich durch den Shop zum Ausgang gingen, fanden Sabine und Conny noch den Aufgang zur Dachterrasse, wo weitere schöne Fotos entstanden. Nach einem weiteren kurzen Blick in die Hintergebäude – das Tor mit der verwinkelten Einfassung hatte ich eigentlich in Prag, stellvertretend für Paris, gesucht und nun hier gefunden – verließen wir das weitläufige Gelände, wobei uns das Navi böse durch die Gegend in Sackgassen schickte, schließlich nahmen wir doch den Weg, wie wir gekommen waren.

Nach dem Verlassen von Hopetoun mussten wir unbedingt noch die Brücken über den Firth fotografieren.

Weiter ging es Richtung Südosten nach Rosslyn Chapel, wo wir uns alle sehr drauf gefreut hatten. Wir kamen gut eine Stunde vor Schließung an, genügend Zeit, die kleine, aber aufwändigst und sehr detailreich gestaltete Kapelle zu erforschen. Eine kleine gotische Kirche im Dörfchen Roslin südlich von Edinburgh, erbaut im 15. Jahrhundert aus lokalem Sandstein. Diese war nun (ausnahmsweise) kein Drehort von Outlander, sondern von Illuminati mit Tom Hanks.

Wunderschön ausgefallen die verschiedenen Sandsteinfarben an der Außenseite, während an der Innenseite alles in gleichmäßigem Hellgrau ist. Es gibt nur wenige Bereiche in der kleinen Kapelle, die nicht mit Friesen und Ornamenten geschmückt sind, sie zieren die Wände, die Säulen, die komplette Decke und bestehen aus Blumen, Ranken und Blättern und sonderlichen Gestalten von Engeln bis Fratzen, man kann sich kaum satt sehen und sicherlich täglich etwas Neues entdecken. Auch von außen ist die Kapelle wunderschön in den leuchtenden Sandsteinfarben, es gibt auch noch einen großen Gedenkstein und im Nebenbereich einen Unterstand, wo Restaurierungsarbeiten dokumentiert werden sowie eine Karte der Umgebung. Man konnte sehen, dass direkt daneben das Gelände des Roslin Glen Parks beginnt, wo die atemberaubende Streitszene von Jamie und Claire nach ihrer Rettung aus Fort William gedreht wurde. Leider kann man zwar gut an den Eingang des Parks ranfahren, aber die alten Ruinen, der eigentliche Drehort, liegen knapp eine Meile im Innern und für diesen Fußmarsch hatten wir leider keine Zeit mehr am späten Nachmittag, dafür wollten wir noch eine wichtige Burg besichtigen.

Craigmillar Castle liegt am südlichen Stadtrand von Edinburgh und hatte eine halbe Stunde länger auf als das vorherige Rosslyn Chapel. Dadurch konnten wir uns hier noch in Ruhe umsehen. Diese Burgruine wurde als Ardsmuir Prison verwendet, wir bestaunten zuerst den großen Außenhof, den wir so schon aus dem TV kannten, dann den Innenhof mit seinen krumm gewachsenen Pinien und die verschiedenen Räume, wobei ich mit Karin hauptsächlich im Erdgeschoss blieb. Auch in dieser Burg wurde Maria Stuart eine Weile festgehalten, es gibt im1. Stock eine Hinweistafel, bei diesem Raum fehlt aber leider sowohl Boden als auch Decke, weshalb Sabine von dort oben zu uns herunterschauen konnte.
Es gibt dort viele Winkel und Querverbindungen zu den Räumen, man kann sich gar nicht sattsehen und auch bis zur Plattfort in etwa 5 Stockwerken Höhe hochsteigen, von wo man eine prächtige Aussicht auf die weitere Umgebung hat. Während Karin und ich am Tor auf die beiden Anderen warteten, erzählte uns noch der Wächter von Dreharbeiten, die erst letztes Jahr im Sommer stattgefunden hatten, es handelt sich hierbei um den Film Outlaw King, die wahre Geschichte von Robert the Bruce, der um 1300 einen zahlenmäßig weit unterlegenen, aber erfolgreichen Feldzug gegen die Engländer führte. Chris Pine spielt hierbei die Hauptrolle. Den Film werde ich mir auf jeden Fall im Kino ansehen.

Nun fuhren wir zurück zum Apartment, um uns auf unseren letzten Abend vorzubereiten. Christina ging es durch die Ruhe, die sie sich den Tag über gegönnt hatte, etwas besser und sie konnte uns zum Abendessen begleiten. Ich hatte in meinem Lieblingsrestaurant in Edinburgh einen Tisch bei Fisher’s in the City für halb acht reserviert. Unterwegs merkten wir, weil wir eh schon ein bisschen spät dran gewesen waren und der Verkehr stadteinwärts relativ dicht war, dass wir nicht pünktlich ankommen würden und da wir befürchteten, dass möglicherweise unser Tisch weg sein würde, rief Sabine an und meldete kurzerhand in meinem Namen eine 20-minütige Verspätung an. Vor Ort in der Thistle Street konnte ich leider keinen zulässigen Parkplatz finden und ließ die Mädels aussteigen, kreiste einmal um den Block, aber die einzigen freien Parkplätze waren für Anwohner, ein anderer leider zu klein für unser großes Auto, so stellte ich es dann an der Querstraße ab. Weil ich auch noch an einer Ampel mehrere Minuten gestanden hatte, kam ich mit fast 10 weiteren Minuten Verspätung an. Meine Freundinnen waren etwas konsterniert, weil die Speisekarte relativ teuer war, aber glücklicherweise gab es noch eine Tageskarte, nicht ganz so teuer, auf der wir alle etwas Leckeres fanden. Conny und ich nahmen die Fischsuppe und die Fischplatte. Wir haben wie immer sehr lecker dort gegessen, leider hatten nicht alle gleich reichliche Portionen, und wir hatten einen letzten, tollen Abend. Auch Graham, der Kellner und nebenbei Nebendarsteller, hatte ausgiebig Zeit für uns. Er erzählte uns von seiner Rolle in Staffel 4, wir werden also nach einem glattrasierten Piraten an der Seite von Stephen Bonnet Ausschau halten. Auch wenn ich es prinzipiell für wenig wahrscheinlich halte, die Piraten in Outlander haben sich täglich rasiert. Dafür hatte Graham aber im letzten Jahr seinen Bart tragen dürfen, als er – wir staunten nicht schlecht – im Schottlandfilm Outlaw Kingmitspielen durfte! Ich beschloss umso mehr, mir diesen Film baldmöglichst anzuschauen. Wir hatten eine wirklich nette Zeit mit Graham. Auch unsere andere Bedienung und die Restaurantmanagerin Claire haben sich gut um uns gekümmert. Sabine hatte von ihrer Shoppingtour noch für jede von uns ein kleines Geschenk, ein Whiskygläschen von Auchintoshan mit einem Stück Fudge und ich bekam von ihr den tollen Bildband Outlander’s Scotland, den ich als eines der wenigen Bücher noch nicht hatte. Vielen lieben Dank, Sabine!
Claire machte noch ein schönes Gruppenbild mit Graham, dann traten wir zum letzten Mal die Heimreise über die Brücke an, nicht ohne die „hilfreichen“ Hinweise unseres Navis!

 

Montag, 17. September -

 

 

 

Am Montag morgen, nach dem teilweise recht mühevollen Kofferpacken und Aufräumen des Apartments, starteten wir pünktlich unseren Morgen mit einem letzten Frühstück bei Dobbie’s, welches immer erst um 9 öffnet, aber dort kannten wir uns inzwischen gut aus. Eigentlich wollten wir an diesem Tag auf jeden Fall noch einen kleinen Umweg über Drummond Castle Gardens machen, welche nach vorheriger Ermittlung um 11 Uhr öffnen würden, als ich aber an diesem Tag aufs Handy schaute, wurde mir angezeigt, dass Drummond an diesem Tag gar nicht öffnen würde. Wir waren ziemlich enttäuscht, weil die Gärten wunderschön sind und man sie stellvertretend für Versailles‘ Gärten verwendet hatte. Ihr könnt ein Bild davon auf meiner Startseite sehen. Nun, so würden wir danach direkt weiter nach Glasgow fahren, erst einmal aber blieben wir in Dunfermline, schließlich konnten wir die Stadt schlecht verlassen, ohne die Hauptattraktion gesehen und besucht zu haben.

 

Dunfermline Abbey and Palace ruins liegt im Herzen der Altstadt, letztes Jahr hatte ich nur die Kirche besucht, diese ist kostenlos, wir wollten aber alles sehen und es war glücklicherweise Teil unseres Explorerpasses. Wir fanden glücklicherweise einen freien Platz direkt unter der Abtei und warfen ein wenig Kleingeld in den Parkautomaten. Dann begaben wir uns treppaufwärts in den Garten und fotografierten erstmal die Ruine und die Abtei von der Seite. Ein Schild wies uns schließlich den Weg in den Ticketshop am Rand der Palastruine. Wir bekamen unsere kostenlosen Tickets und eine ausführliche Beratung über die Ruine und dass es direkt daneben eine wirklich schmale Wendeltreppe gab, den Ausgang auf der oberen Seite müsse man extra aufschließen, dafür gab er uns den Schlüssel mit. Conny und Christina trauten sich die Wendeltreppe runter, wir anderen gingen über die hintere Haupttreppe über die Straße, wo man einen wunderschönen Blick hatte in einen anderen, üppig blühenden Garten in einem kleinen Talkessel. Als ich die Metallpforte mit dem großen Schlüssel aufschloss, kamen uns Conny und Christina schon fast von der anderen Seite entgegen, wir schauten uns aber nochmal die Ruinen an, von denen hauptsächlich nur noch eine Mauerreihe mit Fenstern steht, die Schlossküche und die Grundmauern des Untergeschosses, davon hielten Karin und ich uns aber sicherheitshalber fern. Viele Königinnen hatten in diesem Schloss, auch Winterpalast genannt, ihre Kinder geboren und aufgezogen, weil es relativ gemütlich war, es wurde im 17. Jahrhundert auch nochmal aufwändig umgebaut, bevor es 3 Jahre später seltsamerweise verlassen wurde. Wir gaben den Schlüssel fürs Tor wieder ab und gingen in die gegenüberliegende Abtei, erbaut im gotischen und romanischen Stil. Die Abtei selbst ist ein großer Raum mit 2 Säulenreihen und relativ wenig Licht, noch vielen alten schönen Malereien. Die eigentliche katholische Kirche daneben ist noch in Gebrauch und vor wenigen Jahren erst renoviert. Viele schottische Könige und Königinnen seit etwa 1100 sind hier begraben, am bekanntesten ist sicher Robert the Bruce, dessen fast vollständiger Körper (ohne sein Herz – liegt in Melrose Abbey – und ein paar Fingerknochen) unter einer üppig verzierten Goldplatte liegt, in der sein Relief eingraviert ist. Wir gingen langsam Richtung Auto, aber leider fehlte Conny – und mit ihr der Autoschlüssel. Auch telefonisch konnten wir sie nicht erreichen, das war leider öfter so mit dem britischen Netz, erst eine ganze Weile später, als ich nochmal die Treppen hochkletterte, kam sie mir entgegen. Sie hatte einen Führer getroffen, der ihr auf Englisch und ausführlich etwas über das benachbarte älteste Haus Dunfermlines erzählte, an dem wir gleich darauf vorbei fuhren. Bis vor kurzem war dort das Stadtmuseum untergebracht, das ist inzwischen aber in einen Neubau umgezogen.

 

Als nächstes programmierte ich Glasgow ins Navi ein, da gab es noch ein Ziel, welches ich unbedingt besuchen wollte und welches wir bei unserem ersten Aufenthalt in Glasgow nicht geschafft hatten. Wir rechneten eigentlich damit, dass uns das Navi noch ein letztes Mal über die große Brücke schicken würde, aber Ohne Eintritt zu besichtigen. Ich fand einen Parkplatz am Straßenrand, direkt in der Straße davor. Christina zog es vor im Auto zu bleiben. Vor Ort hatten wir 4 eher das Gefühl, hier ist nichts los und alles zu, da entdeckten wir ein Schild mit einem Hinweis auf ein Café rechts unten im Untergeschoss, welches wir für einen kurzen Toilettenbesuch und Auskunft aufsuchen wollten. Während die anderen 3 auf Toilette gingen, fragte ich die Wirtin hinter der Theke nach den Dreharbeiten für Outlander. Es stellte sich heraus, dass Samantha nicht nur das Café betrieb, sondern bei Bedarf auch das Catering im Obergeschoss und sie versprach, uns nach oben zu bringen, sagte aber gleich, dass wir nicht viel zu sehen bekämen. Die Erklärung ist ganz einfach: Obwohl der Innenraum immer noch wie eine Kirche aussieht, mit prächtigen Sandsteinsäulen zu beiden Seiten, wurde für die Dreharbeiten ein Raum darin umbaut, also sozusagen ein Raum im Raum, sogar mit Decke darüber. Die Säulen wurden eingepackt, um sie zu schützen, aber sie werden im Fernsehen nicht zu sehen sein. Man hatte wohl Platzprobleme im Studio in Cumbernauld, wie dem auch sei, dies war offenbar der größte über zwei Wochen am Stück verfügbare Raum, den die Produktion finden konnte, so haben sie das gemietet. Samantha konnte auch einen Blick nach innen werfen, wenn wir also einen kirchenähnlichen Raum mit dunklem Holz und grünen Vorhängen sehen, so könnte es dies sein. Bleibt mal abzuwarten, zumal sie uns auch nicht sagen konnte, was überhaupt thematisch dran war, solange können wir nicht ahnen, in welcher Folge das vorkommen könnte. Die eigentliche Location werden wir also todsicher nicht wiedererkennen. 

Ich fragte Samantha noch interessehalber, ob sie denn die Serie auch schon geschaut hätte, wohl wissend, dass sie in Schottland erst viel später angelaufen ist als in Deutschland. Sie meinte, nur wenig, die meisten Leute in Schottland würden es nicht schauen, weil der schottische Akzent der Schauspieler so schlecht ist. Ich meinte erstaunt, dass es doch recht verschiedene Akzente in Schottland gebe und sie meinte, ja, aber keiner klingt so wie dieser… Das entlockte uns doch einige Verwunderung, sind doch viele der eingesetzten Schauspielegr gebürtige Schotten, Sam Heughan, Rupert Grant, Stephen Walters, Steven Cree, Scott Kyle, Graham McTavish und Gary Lewis, um nur einige zu nennen. Ich konnte das inzwischen mit Gillebride MacMillan (seines Zeichens Lehrer an der University von Glasgow) klären, er bestätigte mir, die schottischen Akzente in der Serie sind in Ordnung! Trotzdem waren wir überaus dankbar für ihre Hilfe.

Nachdem wir wieder draußen waren, fotografierten wir noch die Straße oder eher den Platz rechts und links der Kirche, da Samantha uns berichtet hatte, dass dort auch gedreht worden war, mit alten Autos usw. Mal sehen, ob wir das irgendwann in einer Szene mit Roger und Brianna wieder erkennen werden.

Als Letztes wollte ich noch kurz in den Pollock Country Park im Südwesten von Glasgow, in die Nähe von Pollock House, wo für Paris gedreht worden war und wo ich letztes Jahr schon gewesen war, und den Parkplatz rechts daneben, wo erst kurz zuvor für Staffel 4 gedreht worden war, u.a. das Highlander Festival, welches Roger und Brianna in USA zusammen besuchen. Unser Navi führte uns wieder durch die Innenstadt und den Stau, und mehr als einmal überkam uns das Gefühl, sie führte uns Umwege oder unnütze Straßen, aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen. Als sie mich schließlich in eine Einfahrt schickte, die gleich darauf in einen Parkplatz und eine Sackgasse mündete, machte ich noch einen Versuch mit dem Handy-GPS, aber mein Handy schickte uns auch in die Irre und die Einfahrt in den Park, die ich letztes Jahr noch so mühelos gefunden hatte, blieb unauffindbar und so gaben wir es schließlich auf und steuerten direkt die nächste Tankstelle an, da wir das Auto wieder vollgetankt abgeben mussten. Eine Tankstelle im nächsten Supermarkt war schnell gefunden, die Ausfahrt später nicht ganz so leicht. Während der Fahrt erzählten mir die Mädels noch, was ich während des Bezahlens an der Kasse verpasst hatte, während sie vom Auto aus einen Logenplatz hatten: An der Zapfsäule gegenüber hielt ein superflacher Sportwagen, ein alter Lotus, und man schaute besonders gebannt hin, als man darin einen recht gebrechlichen älteren Herrn erkannte, weiters besonders gespannt darauf, wie er aus dem extrem niedrigen Sitz aussteigen würde. Nun, er hat es irgendwie geschafft, die Beine unter sich zu ziehen, auf die Knie, griff sich seinen Stock vom Beifahrersitz, setzte den außen auf und stieg quasi rückwärts aus dem Auto! Wir haben uns überschlagen vor Lachen, als sie mir die Details wieder und wieder und wieder erzählten...

Nun mussten wir doch unser allerletztes Ziel ansteuern, die Autovermietung am Flughafen. Dies war leicht gefunden und wir machten uns daran, das Auto gründlich auszuräumen, ja nichts zu vergessen. Wir hatten ein Plastikteil im mittleren Bereich, am Ende der Mittelsäule, welches schon seit Tagen lose war, darauf machte ich den Mitarbeiter zuerst aufmerksam, aber auch er bekam es einfach nicht eingerastet. Er war noch sehr unzufrieden, weil das Auto innen ziemlich dreckig war, aber ich erklärte ihm, wir waren zu fünft elf Tage unterwegs, in den Highlands, mit viel Ein- und Aussteigen, oft im Regen, und auch wenn wir keine Ferkel und die Straßen meist nicht schlammig waren, so lässt sich doch eine gewisse Dreckmitnahme bei jedem Einsteigen nicht vermeiden. Christina hatte sogar vorgeschlagen, das Auto mal selbst zu saugen und das hätte man sicherheitshalber auch machen können. Schließlich gab sich der Mitarbeiter aber doch zufrieden und quittierte die Annahme des Wagens.

Nun gingen wir ins Flughafengebäude, gaben unsere Koffer ab, wo ich zu meinem Erstaunen die Online-Tickets und Boardingkarten auf meinem Handy gar nicht brauchte, wir gaben der Lufthansa-Stewardess nur unsere Ausweise und bekamen direkt gedruckte Boardingkarten. Damit konnten wir zum Sicherheitscheck, alles ohne Problem, und fanden nach einem langen Fußweg, den ich so in Glasgow gar nicht mehr in Erinnerung hatte, den Warteraum, wo nach einer halben Stunde endlich unser Flug aufgerufen wurde. Leider mussten wir wieder mit dem Bus zu unserem Flieger, wir hatten 4 Sitze nebeneinander (Sabine hatte sich im Vorfeld bereits ihren Sitz reserviert) und Karin konnte sich den am besten passenden Sitzplatz für ihren Arm aussuchen, ein Upgrade hatte ich leider nicht erreichen können. Bereits auf dem Heimflug holten wir ein bisschen verpassten Schlaf der letzten Tage nach, es war halt ein Erlebnisurlaub, weniger ein Erholungsurlaub. Ein Negativpunkt wäre noch in Frankfurt bei der Kofferabholung der Fakt, dass man Kofferwaagen nur noch gegen Gebühr bekommt, diese nur per Karte bezahlen kann, womit ältere oder ausländische Mitmenschen nicht immer klarkommen. Nun, wenn man das endlich geschafft hat, braucht man fast übermenschliche Kräfte, um einen aus der Reihe zu ziehen. Ich habe da zweimal einem Franzosen helfen müssen, er war schlichtweg überfordert. Ordnung auf dem Flughafen in allen Ehren, aber so schwer muss man es den Menschen nicht machen!

Sabine wurde von einem Taxiservice abgeholt, Karin von einer ihrer Töchter (die sie bis heute beide prima versorgen!), Christina ging zu ihrem vorgebuchten Zug und Conny und ich wurden von meinem Mann abgeholt. Wir hatten bereits am Vortag ein Treffen 5 Wochen später ausgemacht, um uns nochmal Bilder und Erlebnisse auszutauschen und ganz einfach wieder zusammen zu sein. Bis heute sind wir per Whatsapp und Email in Verbindung. Die Nachwirkung der Trennung merkte ich bereits am nächsten Tag, nach 11 Tagen quasi ständigen Zusammenseins (außer im Bad) – Mädels, ihr fehlt mir!

 

Hier unten habt ihr noch einen Blick auf Connys "Beute":

 
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© Daniela Biela