Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland
Daniela's Blog - Outlander Tours Schottland

Freitag 10.09.2021

 

Am nächsten Morgen ging das Flurlicht wieder, aber genau wie am Vorabend mit langen Aussetzern. Aber das war insgesamt nicht so schlimm, wir hatten noch andere Lampen, die wir ersatzweise einschalteten, im Wohnzimmer und in der Küche natürlich. Nach dem Frühstück brachen wir diesmal Richtung Norden auf, unser erster Stopp war nach 8 Kilometern am nächstgelegenen Wasserfall. Da es aber gerade richtig regnete, haben wir das in Hoffnung auf besseres Wetter auf den nächsten Tag verschoben und fuhren weiter. Fahrzeit war so eine knappe Stunde. In Turlough gibt es ein berühmtes National Museum of Ireland - Country Life. Hierfür hatte ich wieder kostenlose Tickets. Es liegt in einer großen Gartenlandschaft. Der Altbau, ein ehemaliges Herrenhaus, war im Moment leider nicht zu besichtigen, dafür aber der imposante Neubau.

Der Neubau ist dreistöckig, man geht aufgrund der Hanglage über das Obergeschoss rein. Es geht hauptsächlich um das bäuerliche Leben in Irland zwischen 1850 und 1950. Vor allem die Herstellung von Dingen aller Art, bis hin zu Sitzmöbeln und Bienenstöcken, aus Stroh hat uns tief beeindruckt. Die Armut und Härten des Lebens bis weit in das 20. Jahrhundert hinein ebenfalls. Unsere Eltern und Großeltern in Deutschland sind teilweise noch in sehr einfachen Verhältnissen großgeworden, aber das ist kein Vergleich zu Irland zur gleichen Zeit, als die kleinen Häuschen aus nur einem Zimmer mit Erdboden bestanden, fast ohne Möbel und die Kinder einfach auf dem Boden schliefen. Man kann es sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen.

Gleich nach dem Losfahren fanden wir in der näheren Umgebung noch eine Klosterruine, die unsere Aufmerksamkeit weckte: Turlough Abbey.

Nun ging es nach Westport, einer kleinen, sehr hübschen Stadt an einer Meeresbucht, der Clew Bay. Sie ist eine der wenigen Städte in Irland, die künstlich angelegt worden ist und hat gut 6000 Einwohner. Hier zog es uns zunächst ins Westport House, laut Internet ein beindruckendes Herrenhaus, welches besichtigt werden kann. Ein georgianisches Anwesen mit historischen Räumen, grünen Gärten, Volieren, Minieisenbahn und See mit Tretbooten.

In der Corona-Zeit ist man ja schon einige Abstriche gewöhnt, außerdem war es bereits Mitte September und die Hochsaison war vorbei, aber was dann kam, darauf waren wir eindeutig nicht vorbereitet.

Die Tickets buchte ich von unterwegs für 13 Uhr. Wir fuhren mit Navi und waren erst wenige Minuten vor 13 Uhr fast dort, die Zufahrt geradeaus, wo wir eigentlich hinsollten, mit einer Schranke abgesperrt. Also nach rechts auf den Parkplatz, aber das fühlte sich schon seltsam an. Dort gab es eine Art Bauernhof, im Innengeviert einen Eingang, man schickte mich zurück, die Schranke rechts würde mir aufgemacht. Wurde sie auch, führte uns aber nur über das Camping-Gelände und zurück vor eine andere Schranke. Es war inzwischen schon nach 13 Uhr und wir waren einigermaßen verzweifelt und pendelten zwischen zwei Gedanken: 1 - Wo sind wir hier gelandet? 2 - Das wird nichts mehr! Dort sammelte uns dann eine freundliche Mitarbeiterin ein, lotste uns durch die Schranke hindurch und über die asphaltierte Straße nach hinten Richtung Herrenhaus, wo wir eigentlich hinwollten. Dort würde uns die Führerin am Tor übernehmen.

Puh, erstmal durchschnaufen. Wir waren auch die einzigen Tourteilnehmer, was erstaunlich war, aber erstmal auch nicht schlecht. Es gab in der Nähe Toiletten und einen Imbissstand, wo ich mich prächtig mit  dem jungen Mann hinterm Tresen unterhielt, der mir auch ein paar Brocken Gälisch beibrachte - oder es zumindest versuchte. Leider ist die Sprachdatei, die ich aufgenommen habe, unbrauchbar und so konnte ich mir das alles nicht mehr anhören - sehr schade...

Am Tor wurden wir empfangen von unserer jungen Führerin namens Katy, die uns erstmal in Warnwesten und Schutzhelme steckte - wegen der Sicherheit, das Haus war teilweise eine Baustelle. Das entpuppet sich beim Näherkommen als leicht untertrieben. Wir waren zu Recht die einzigen Gäste und darum kostete uns die Tour auch zusammen nur 20 Euro. Trotzdem war es interessant. Man erklärte uns, dass die gesamte Außenfassade saniert werden müsste, weil aufgrund von Baumängeln Wasser eindrang. Auch drinnen waren viele Räume leer und ins Obergeschoss durften wir gar nicht, was wir jedoch sahen, war trotzdem sehr sehenswert und schön.

Das Haus wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von der bekannten Familie Browne erbaut. Das Familienoperhaupt war immer der Marquess of Sligo. Als der letzte Marquess 2014 starb, ging das Haus an seine 5 Töchter, der Titel an einen Neffen nach Australien. Die Töchter verkauften das Haus wegen Geldproblemen an die reiche Familie Hughes, die dort insgesamt 50 Millionen investieren will. Ursprüngliche Besitzerin des Geländes und Vorgängerbaus, einer Burg, war die legendäre Piratenprinzessin Grace O'Malley, es soll auch Tunnel nach draußen gegeben haben, die inzwischen wohl nicht mehr existieren. Deren Urenkelin Maud heiratete den ehrbaren John Browne und so kam diese Familie zu dem Besitz.

Von da aus ging es in die Innenstadt von Westport, die Parkplatzsuche war allerdings schwierig. Schließlich fanden wir eine Lücke am Oktagon, einem achteckigen Platz mit einem Denkmal. Wir liefen runter zum Flüsschen, fanden den gesuchten Briefkasten an der Post und bekamen dort von einer Mutter mit 3 kleinen Kindern endlich erklärt, was es mit den überall dekorierten Fahnen, Girlanden, Wimpeln und Plakaten in Grün-Rot und Mayo auf sich hatte: Grün-Rot sind die Farben vom County (Landkreis) Mayo, am nächsten Tag war das Endspiel im Gaelic Football-Pokal, wo Mayo nach ewigen Zeiten endlich wieder Meister werden wollte, und natürlich war der Support überall zu sehen. Ob an einsamen Häuschen im Nirgendwo, auf grün-rot bemalten Autos, überlebensgroßen Puppen, nichts war den Leuten zu verrückt, um ihr Team anzufeuern. Wir suchten lange nach einem Café und fanden schließlich was in der Nähe unseres Parkplatzes. Es war zwar mit Selbstbedienung in einer Art Cafeteria, aber dann trotzdem - teilweise - sehr lecker bei Tee und Schokolade. Allerdings quetschte sich der Verkehr auf 4 Straßen im Rechteck durchs Städtchen, das war nicht so schön.

Wir suchten nach einem nahegelegenen Aussichtspunkt und fanden einen Parkplatz direkt am Meer. Hinter uns ging es hoch zum Croagh Patrick, mit 764 m der höchste und heiligste Berg Irlands. Hier ging es nur zu Fuß hinauf - oder gar nicht (wie in unserem Fall). Leider war das meiste des Berges von Wolken verhüllt. Hier fanden wir wieder ein verfallenes Kloster, die Murrisk Abbey.

Als nächstes suchten wir uns einen Aussichtspunkt draußen an der Landspitze. Es ging ein paar Kilometer über schmale Straßen bis ganz raus ans Meer zum Roonah Quay und einem großen, aber fast vollen Parkplatz. Wir parkten gegenüber zwei gutgelaunten jungen Frauen, die zu einer Gruppe Gleichgesinnter stießen und uns schnell aufklärten: Dies war ein Junggesellinnenabschied mit einer Überraschung für die Braut, die davon nichts wusste! Etwa zwei Dutzend teils warm, aber teils auch sehr schick gekleideter Frauen in bester Laune, obwohl es an dem kleinen Hafen am Spätnachmittag sehr zugig und kalt war, uns fror es schon beim Zusehen. Sie fuhren mit der Fähre raus zur berühmten Insel Clare, die man von dort aus auch schon sehen konnte, Autos wurden mit dem Kran auf die Fähre geladen, die nicht besonders groß war.

Wir waren froh, dass uns dieses zugige Erlebnis erspart bleiben würde und suchten von da aus nach einem Restaurant für den Abend, auf dem Heimweg gelegen. Wir fanden The Lough Inn in Partry, direkt an der Hauptstraße südlich gelegen. Hier haben wir sehr, sehr lecker gegessen und auch die Bedienung war toll. Die Wirtin erklärte uns, es war eine alte Poststation von ca. 1900 und 1960 renoviert, seither in Familienbesitz. Der einzige Kampf war mit dem Handy, welches fast leer war. Wlan gab es nur im Pub, laden konnte ich es aber nur im Auto und die Powerbank war auch leer. So war die Suche nach dem Heimweg erstmal deutlich erschwert...

Diesmal war es wieder stockdunkel, als wir heimfuhren, so dass ich mich gleich am Anfang schon mal verfuhr, aber wir fanden dann doch sicher heim. Dies war unsere vorletzte Nacht in dem kleinen Cottage.

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© Daniela Biela